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17.01.2007

16:17 Uhr

Factoring

Angst vor Risiken am Bau

VonFrank Matthias Drost

Handwerksbetriebe aus der Baubranche haben ein Problem. Sie werden von Factoring-Unternehmen in der Regel wegen zu großer Risiken gemieden. Rund eine halbe Million Unternehmen von derzeit 923 000 Handwerksbetrieben in Deutschland sind damit praktisch vom Factoring ausgeschlossen. Dabei sind gerade diese Betriebe besonders auf Liquidität angewiesen. Handwerksnahe Organisationen hoffen, durch Pilotprojekte mit Bürgschaftsbanken die Finanzierungsmöglichkeiten für die Betriebe zu verbessern.

Factoring-Markt in Deutschland: Forderungsumsatz der Mitglieder des Deutschen Factoring-Verbands. Grafik: Handelsblatt

Factoring-Markt in Deutschland: Forderungsumsatz der Mitglieder des Deutschen Factoring-Verbands. Grafik: Handelsblatt

BERLIN. Factoring, also der Verkauf von Forderungen, ist ein geläufiges Finanzierungsinstrument der Wirtschaft, um die Liquidität zu erhöhen. Zwar entdecken immer mehr Factoring-Unternehmen auch Handwerksbetriebe als Kunden. Doch nicht alle sind willkommen. „Das Schlüsselproblem im Bauhaupt- und -nebengewerbe, zu denen beispielsweise auch Klempner- und Elektrobetriebe zählen, heißt VOB“, sagt der Geschäftsführer der Düsseldorfer RKW NordWest Factoring GmbH, Norbert Kaufmann. Wenn der Auftraggeber ein Bauunternehmen oder ein Bauträger ist, werden die Verträge in der Regel nach der Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen (VOB) abgeschlossen.

Relativ häufig passiere es, dass ein Bauherr die erbrachten Leistungen eines Bauunternehmens als nicht vertragsgemäß erledigt ansieht oder Mängel geltend macht und die Zahlung verweigert. „Gerade im Baubereich ist es schwer nachzuweisen, dass die Leistung vollständig erbracht wurde“, so Kaufmann. Doch das sei die Voraussetzung, um Forderungen an Factoring-Unternehmen zu verkaufen.

„Es gab kaum eine Schlussrechnung, die nicht reklamiert wurde“, begründet Manfred Ahlers, Geschäftsführer der Hamburger Nordwest Factoring und Service GmbH, seinen bereits vor Jahren erfolgten Ausstieg aus dem Factoring im Baubereich. Jahrelange Gerichtsverfahren waren häufig die Folge.

Doch Mittelstandsvertretungen sehen eine konkrete Chance, Handwerksbetrieben im Baubereich die Teilnahme am Factoring zu ermöglichen. So haben sich Ende 2006 die Bürgschaftsbanken in einigen Bundesländern prinzipiell bereit erklärt, die zusätzlichen Risiken aus den VOB-Bedingungen zu übernehmen. Allerdings müsste auch der Bund seine Rückbürgschaftserklärung erweitern, um Factoringgesellschaften den Zugriff auf eine Bürgschaft zu ermöglichen. Das Bundeswirtschaftsministerium hat jedoch noch keine Entscheidung in dieser Sache getroffen. Stünde dieses Instrument zur Verfügung, könnte sich Ahlers den Wiedereinstieg in das Bau-Factoring vorstellen. „Wir würden uns die Konstruktion genau ansehen und hätten nichts dagegen, hier wieder aktiv zu werden“, so Ahlers.

Klar ist, ,,dass das Factoring kein Allheilmittel für die Finanzierungsprobleme von kleinen Unternehmen sein kann. Doch eine schnelle Versorgung mit Liquidität entlastet zumindest den Kreditrahmen.

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