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17.01.2010

10:38 Uhr

Familie Wurst

Drei Brüder, eine Firma, kein Streit

VonDiana Fröhlich

Ihr Vater verkaufte Nägel, beschlug Pferde und reparierte Rasenmäher. Nun bauen die drei Brüder die Tribüne für das Bremer Weserstadion und errichten eine Flugzeughalle für die Airbus-Werke. Wie Christian, Michael und Thomas Wurst aus der kleinen Schmiede der Eltern ein Unternehmen mit 40 Millionen Euro Umsatz gemacht haben.

Im Familienunternehmen für die Finanzen zuständig: Thomas Wurst führt mit seinen Brüdern Christian und Michael die Wurst Stahlbau GmbH. Pressebild

Im Familienunternehmen für die Finanzen zuständig: Thomas Wurst führt mit seinen Brüdern Christian und Michael die Wurst Stahlbau GmbH.

BERSENBRÜCK. Drei Brüder, eine Firma - das hätte auch im Streit enden können. Christian, 44, Michael, 41, und Thomas Wurst, 38, gehört zu je 30 Prozent das Stahlbauunternehmen, das ihre Eltern in den 1960er-Jahren aufgebaut haben. Die drei Geschäftsführer kümmern sich unabhängig voneinander um Controlling, Verwaltung und Technik und haben es in den vergangenen Jahren geschafft, aus der ehemaligen kleinen Landschmiede im niedersächsischen Bersenbrück eine Firma mit 170 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von 40 Millionen Euro zu machen.

Ihr Vater hat dort, wo heute die Tribüne für das Bremer Weserstadion gefertigt und eine Flugzeughalle für die Airbus-Werke errichtet wird, noch Nägel verkauft, Rasenmäher repariert, Fenster eingesetzt und die Pferde in der Region beschlagen. Im Bürokomplex und der Produktionshalle wird heute schlüsselfertig gebaut. Die Brüder von Stahlbau Wurst übernehmen von der architektonischen und statischen Planung über das Erstellen der Konstruktionspläne auch die Ausführung.

Der Vater wollte die Firma nur an den ältesten Sohn geben

Dabei hatte sich der Senior, der heute 70-jährige Friedmut Wurst, der die restlichen Anteile an der Firma hält, die Unternehmensnachfolge ganz anders vorgestellt. Nur sein ältester Sohn Christian sollte einmal, wenn er selbst 65 Jahre alt wird, den Stahlbaubetrieb übernehmen. Bereits mit 22 wurden dem Kronprinzen zehn Prozent der Gesellschaftsanteile überschrieben. Christian stieg 1993 in die Firma ein, schaffte viele wichtige Aufträge heran und kümmert sich bis heute um die technischen Belange der Firma. Für den Senior lief bis dahin noch alles nach Plan.

Doch schon damals war das Familienunternehmen in eine finanzielle Schieflage geraten. Stahlbau Wurst war viel zu schnell gewachsen, hatte keine Reserven mehr, und auch die im Osten Deutschlands eröffnete zweite Firma fuhr nur Verluste ein. Die Eltern verpfändeten ihren gesamten Besitz als Sicherheit für die Banken.

Hilfe war dringend notwendig. Und sie kam von den beiden jüngeren Brüdern. Sie stiegen ein, halfen mit, den Betrieb zu modernisieren und veraltete Strukturen aufzubrechen. "Wir hatten damals noch nicht einmal ein Reporting", sagt Christian Wurst heute. Michael arbeitete zu dieser Zeit als Buchhalter bei einem Steuerberater, Thomas nach einem BWL-Studium als Controller. Als der Hilferuf kam, war für sie klar, "dass wir für die Familie da sein werden". Und so starteten Christian, Michael und Thomas zwischen 1993 und 1998 ihre Karrieren im Unternehmen.

Jeder der Brüder hat eine eigene Rolle

Auf den ersten Blick könnte man glauben, die Söhne seien nicht miteinander verwandt. Nur wenn man genauer hinsieht, erkennt man eine gewisse Ähnlichkeit, die rotbraunen Haare, die hohe Stirn, der Gang. Was die Charaktereigenschaften betrifft, so verhalten sich Christian, Michael und Thomas Wurst auch in ihrem eigenen Unternehmen wie drei ganz normale Brüder. Christian, der Älteste, ist der heimliche Chef. Er antwortet auf die Fragen, die wirklich wichtig sind, seine Sätze wirken wir vorher zurechtgelegt. Thomas, der Jüngste, hat sich dagegen auch mit 38 Jahren noch seinen Lausbubencharme erhalten. Er musste sich immer gegen zwei ältere Brüder durchsetzen, deshalb spricht er viel und schnell, reißt das Publikum an sich. Und Michael? Er ist so akkurat wie seine Frisur. Der Mittlere redet nur, wenn er direkt gefragt wird, ansonsten hält er sich zurück. Er wirkt fast schüchtern.

In die Firma passt die Dreierkonstellation hervorragend: Denn jeder der drei hat seine Stärken und Schwächen und vor allem Aufgaben, die sich ganz klar vom Arbeitsbereich der anderen abgrenzen - die Brüder sind somit auf sich angewiesen und gleichzeitig doch selbstständig. Christian, der heimliche Chef, Michael, der Macher, Thomas, der Finanzmann: Die Strategie hat sich bewährt: "Klar ist man mal anderer Meinung und das diskutieren wir auch", sagt Thomas. "Aber einen richtigen Streit hatten wir noch nicht."

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