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11.03.2014

18:50 Uhr

Familienunternehmen Bionorica

„Die Hauptversammlung bin ich“

VonMaike Telgheder

Der warme Frühlingsauftakt ist für den Hersteller des Erkältungsmittels Sinupret eine schlechte Nachricht. Bionorica-Chef Michael Popp hat dennoch stramme Wachstumsziele. Ein Übernahmeziel schnappte ihm aber Bayer weg.

Produktion der bekannten Sinupret-Tabletten: Das Unternehmen soll 2018 500 Millionen Euro machen. Lars Langemeier

Produktion der bekannten Sinupret-Tabletten: Das Unternehmen soll 2018 500 Millionen Euro machen.

NeumarktDort, wo normalerweise die Heilpflanzenbeete angelegt sind, spriesst zurzeit nur etwas wilder Löwenzahn. Denn Bauarbeiten am Standort Neumarkt haben ihre Spuren hinterlassen: Der Vorzeigegarten der Firma Bionorica muss komplett neu bepflanzt werden.

Bionorica-Chef Michel Popp ist der Enkel des Firmengründers.

Bionorica-Chef Michel Popp ist der Enkel des Firmengründers.

Nicht dass hier die Ernte für die Produktion der Naturarzneimittel eingefahren wird – die kommt aus kontrolliertem Anbau aus Bayern, Frankreich, Ungarn, Osterreich und Mallorca. Aber in Neumarkt wird produziert und gebaut. Die Anlage platzt aus allen Nähten. 26 Millionen Euro will Firmeninhaber Michael Popp in diesem Jahr in den Ausbau des Standortes stecken. Eine notwendige Investition, um das geplante ehrgeizige Wachstumsziel erreichen zu können: Bis 2018 will Bionorica seinen Umsatz auf eine halbe Milliarde Euro verdoppeln.

Seit mehr als 80 Jahren stellt das Unternehmen aus Neumarkt in der Oberpfalz unweit von Nürnberg nun schon pflanzliche Arzneimittel her. Das Erkältungsmittel Sinupret ist das bekannteste und größte Produkt des Unternehmens. Aber richtig erfolgreich wächst das Unternehmen erst, seitdem Michael Popp, der Enkel des Firmengründers, das Unternehmen führt – mit großer Entscheidungsmacht. „Die Hauptversammlung bin ich“, sagt er (das komplette Interview zum Download).

Ende der 80er-Jahre des vergangenen Jahrhunderts stieg der damals 28-Jährige in den Betrieb seiner Tante ein: Bionorica macht damals etwa 20 Millionen Deutsche Mark Umsatz. Im letzten Geschäftsjahr 2013 hat das Unternehmen seinen Umsatz um 15 Prozent auf nunmehr 233 Millionen Euro gesteigert und damit den Markt weit hinter sich gelassen.

Rein organisches Wachstum versteht sich. Mit Zukäufen tut sich Popp schwer: „Ich habe bisher kein Unternehmen gefunden, das meinen Ansprüchen an Forschung und Produktionstechnik entsprochen hat“, sagt er. Die Firma Steigerwald mit dem Top-Produkt Iberogast gegen Magen-Darm-Beschwerden fand er grundsätzlich interessant, aber die ging vergangenes Jahr für 218 Millionen Euro an den Pharmakonzern Bayer. Diese Summe hätte Popp auch nicht aufbringen können, ohne sein Unternehmen gefährlich zu belasten. Da ist der 54-jährige Firmeninhaber lieber unabhängig von den Banken und baut dank der guten Geschäfte seine Eigenkapitalquote von 70 auf fast 75 Prozent aus.

Herr Popp, bitte vervollständigen Sie ...

Einen guten Mitarbeiter erkenne ich daran, dass …

… eine offene Art besitzt, eine kritische Denkweise und seine Argumente gut vermittelt.

Es lief mir neulich kalt den Rücken herunter, ...

… als ich in einem Krankenhaus in der Ukraine Frühchen mit wenigen hundert Gramm gesehen habe, die schon Waisen sind.

Mein unerkanntes Talent ist, dass ...

… ich gerne Architekt geworden wäre – vielleicht deshalb, weil dieser Beruf ebenfalls gestaltend ist.

Ich würde gerne einmal Abendessen mit ...

… Bill Gates, weil auch er mit seiner Stiftung sehr aktiv ist: Im Kampf gegen Malaria setzt er sich - wie wir mit der Phytokids-Stiftung - ein für Kinder, die am schlimmsten von der Krankheit betroffen sind.

Zuletzt fit gehalten habe ich mich mit …

… mit meinem Trainigsgerät, welches ich in Ergänzung mit einem kardiovaskulären Training mehrfach die Woche nutze.

Niemals outsourcen würde ich …

... unseren Heilpflanzenanbau oder die Sortenentwicklung unserer Heilpflanzen.

Von der bis in den April dauernden Erkältungswelle im vergangenen Jahr hat das Unternehmen profitiert. Vor allem die Erkältungsmittel von Bionorica waren gefragt, der Umsatz in Deutschland kletterte um mehr als 23 Prozent auf rund 90 Millionen Euro. Deutlich schneller als bei den gesamten Naturarzneibranche: Der gesamte Phytopharmaka-Markt legte laut Marktforschungszahlen um fünf Prozent zu. Aber auch im wichtigsten Auslandmarkt Russland wuchs Bionorica zweistellig. 60 Prozent des Geschäfts macht Bionorica außerhalb Deutschlands. Dort ist vor allem das Harnwegspräparat Canephron gefragt.

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