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11.02.2014

06:27 Uhr

Familienunternehmen German Pellets

„Meine Tochter muss 20 Prozent mehr leisten“

VonMartin Dowideit

Peter Leibold hat den Weltmarktführer für Holzpellets geschaffen. Doch einige Erfolgsgeschichten mit erneuerbaren Energien haben zuletzt herbe Dämpfer erlitten. Ein Vergleich mit Prokon sei aber „völlig unangebracht“.

Kathrin Leibold mit Vater Peter: Weltmarktführer im Pellets-Geschäft. Johannes Arlt für Handelsblatt

Kathrin Leibold mit Vater Peter: Weltmarktführer im Pellets-Geschäft.

WismarPeter Leibold ist ein Dealmaker. Als der Fotograf um einige Minuten mehr für ein weiteres Motiv bittet, stimmt der Familienunternehmer unter einer Bedingung zu: In die Sägespan-Lagerhalle in Wismar muss ein 40-Tonner mit einem riesigen Logo von Leibolds Firma German Pellets auf der Seitenwand in den Hintergrund rangiert werden. Vielleicht schafft es das Bild ja ins Handelsblatt? „Trommeln gehört zum Handwerk“, sagt der 57-Jährige und lacht. Geduldig posiert er mit seiner Tochter, die Chefin einer Firmensparte ist.

Dass es ein anderes Bild geworden ist, ist nur ein kleiner Rückschlag in der Wachstumsstory der Firma. Erst 2005 hat der ehemalige Zeitungsmanager und Chef eines Sägewerks den Pellet-Produzenten hier in Wismar gegründet. Und seitdem hat er über viele Zukäufe, einem Gespür für neue Absatzwege und durch Großinvestitionen in Übersee einen Weltmarktführer geschaffen – Statustsymbole inklusive. Ein Firmenjet steht auf dem Lübecker Flughafen.

Keiner verarbeitet so viele Späne und Baumstämme zu fest gepressten Holzbällchen in Zäpfchengröße wie German Pellets: Für Kaminöfen in Deutschland werden sie etwa unter dem Markennamen „FireStixx“ verkauft. Im industriellen Maßstab werden sie in Biomasseanlagen in Österreich verbrannt, aber auch in umgewidmeten Kohlekraftwerken in England.

Etwa 600 Millionen Euro Umsatz hat die Firma im vergangenen Jahr gemacht, vier Jahre zuvor war es gerade mal ein zweistelliger Millionenbetrag. Finanziert wurde das Wachstum unter anderem über zwei Mittelstandsanleihen – einem Segment, in dem zuletzt jede zehnte Anleihe wegen Firmenpleiten ausgefallen ist. Die German-Pellets-Papiere notieren aber deutlich über dem Ausgabekurs.

German Pellets - Fakten zum Unternehmen

Gründungsjahr

Gegründet wurde German Pellets erst im Jahr 2005 in Wismar. Zuvor hatte Leibold bereits als Geschäftsführer eines Sägewerks Erfahrung in der Holzindustrie gesammelt.

Geschichte

Vor allem durch Zukäufe ist German Pellets in relativ kurzer Zeit stark gewachsen. Dabei profitierte das Unternehmen unter anderem davon, dass Holzpellets als CO2-neutral gelten. Das ist ein Grund, weshalb etwa die Anschaffung von Pellet-Heizungen gefördert wird.

Im Jahr 2016 kollabiert die Firma, sie meldet im Februar Insolvenz an.

Geschäftsentwicklung

Die Firma verzeichnete bis zum Zusammenbruch ein rasantes Wachstum und kratzte zeitweise an der 600-Millionen-Euro-Umsatzmarke. Im Jahr 2011 waren es noch 286 Millionen Euro.

Eigner und Führung

German Pellets gehörte zu 60 Prozent Peter Leibold und zu 40 Prozent seiner Frau Anna Kathrin. Peter Leibold arbeitete als Geschäftsführer, seine Frau hatte sich aus dem operativen Geschäft zurückgezogen. Tochter Kathrin Leibold führte eine Tochterfirma, die Tiereinstreu vermarktete.

Beschäftigte und Standorte

German Pellets beschäftigte 650 Mitarbeiter. Die Zentrale liegt in Wismar in unmittelbarer Nähe zum Hafen, dort ist auch eine Pellets-Produktion. Weitere 13 Standorte sind in Deutschland verteilt, die beiden größten im Land sind neben Wismar Herbrechtingen und Ettenheim (beide Baden-Württemberg).

Im Jahr 2013 ging die größte Fabrik aber in den USA an den Start mit einer Produktionskapazität von 550.000 Tonnen Pellets pro Jahr (fast ein Viertel der Gesamtkapazität). Ein noch einmal doppelt so großes Werk entstand in Louisiana.

Produkte

Die Firma produziert Holzpellets. Dazu werden Holzspäne unter hohem Druck zu zäpfchengroßen Stäbchen gepresst. Diese werden zur Verbrennung in Kaminöfen, Heizungen, Biomassekraftwerken und als Beimischungen in fossilen Kraftwerken eingesetzt. Die Marke „FireStixx“ gehört zum German-Pellets-Portfolio.

Leibolds Erfolgsgeschichte stammt aber aus der Welt der erneuerbaren Energien – einer Branche, in der es zuletzt Könige gegeben hat, die über Nacht zu Knappen wurden. Solarworld-Strahlemann Frank Asbeck schrammte knapp an der Pleite vorbei, beim Windkraftunternehmen Prokon stehen Zehntausende Anleger vor einem Totalverlust ihrer Investition in Genussrechte. Auch German Pellets begibt Genussrechte und zahlt – wie Prokon versprochen hatte – acht Prozent Zinsen.

„Ein Vergleich mit Prokon ist völlig unangebracht“, so Leibold im Gespräch mit Handelsblatt Online (Wortlaut zum Download im Kaufhaus der Weltwirtschaft). Prokon habe 1,4 Milliarden Euro über Genussrechte eingesammelt, German Pellets bislang 30 Millionen Euro. Die Genussrechte seien eine Beimischung. „Da wir keine fremden Kapitalgeber ins Unternehmen holen wollten, war das ein Weg, die Passivseite der Bilanz zu stärken“, erklärt Leibold, dem 60 Prozent der Firma gehören. Die restlichen Anteile hält seine Frau. „Wir haben schon dreimal Zinsen gezahlt und werden es in Kürze zum vierten Mal tun.“

Kommentare (12)

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pro-d

11.02.2014, 07:36 Uhr

Man sieht also, es geht auch ohne den Staat und den damit dann verbunden Betrugsabsichten.

Glückwunsch an diesen Unternehmer.

Account gelöscht!

11.02.2014, 08:26 Uhr

Warum sollte man in diesem Land auch mal einfach jemanden erfolgreich sein lassen, wo es doch Handelblatt & Co. gibt?

mon_yburns@central.banktunnel.eu

11.02.2014, 08:27 Uhr

Erinenrt sich noch jemand an die "Frauen in Aufschtsräte" Diskussion. Wie vile der weiblcih bestzten Aufsichtsratsposten sind ererbt? Wie viele kommen nur per Frauenquoten in Politik oder Gewerkschaft zustande?
Es genügt sich die Patetnamledungen nach Geschlecht anzusehen.

http://zummannseingeboren.wordpress.com/2011/12/21/patentanmeldungen/

> 90% aller Erfindungen werden - trotz Frauenförderung und ausbremsen der Mönner per Quote - weiterhin von Männern gemacht.

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