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13.01.2010

13:56 Uhr

Familienunternehmen

Händler EP misslingt Generationswechsel

VonChristoph Schlautmann

Wieder mal geht ein Generationenwechsel bei einem familiengeführten Konsumgüteranbieter schief: Der geschäftsführende Gesellschafter Oliver Haubrich räumt überraschend den Chefsessel von Electronic Partner - obwohl der 41-Jährige auf gute Zahlen verweisen kann. Grund ist ein Streit mit dem eigenen Onkel um die Unternehmensführung.

Oliver Haubrich: Der Chef und Mitinhaber der Elektronikhandelskette EP tritt überraschend ab. Pressebild

Oliver Haubrich: Der Chef und Mitinhaber der Elektronikhandelskette EP tritt überraschend ab.

DÜSSELDORF. Steilmann, Haribo, Berentzen - und jetzt Electronic Partner (EP): Die Geschichte familiengeführter Konsumgüteranbieter ist um einen gescheiterten Generationswechsel reicher. Wie einen Blitz aus heiterem Himmel traf die Nachricht die Belegschaft am Stammsitz in Düsseldorf. Oliver Haubrich, Mitinhaber und seit fünf Jahren Chef des Elektronikhändlers Electronic Partner, ziehe sich aus der operativen Führung zurück, teilte das Unternehmen mit. Über die Hintergründe der überraschenden Entscheidung hüllt sich die Firma seitdem in eisernes Schweigen, nicht einmal ein Wort des Dankes fand das Unternehmen zum Abschied des 41-Jährigen.

Rauswurf ist der Endpunkt eines Streites mit dem eigenen Onkel

Wie das Handelsblatt in Firmenkreisen erfuhr, markiert der Rauswurf den Endpunkt eines Streits zwischen dem Geschäftsführer und dessen Verwaltungsratschef Hartmut Haubrich. Der 70-jährige Onkel Oliver Haubrichs hatte bis 2005, unterstützt von seinem Bruder Edgar, selbst die Geschicke des 1937 gegründeten Elektronikhändlers geleitet - immerhin 36 Jahre lang. Mit der Unternehmensführung durch seinen Neffen, einen begabten Verkäufer und eloquenten Pfarrerssohn, zeigte sich der gerne schroff auftretende Vorgänger in den letzten Monaten nicht mehr einverstanden. Schon früher soll ihm "Olli", wie Mitarbeiter ihren Chef nannten, deshalb den Rücktritt angeboten haben.

Im Streit mit dem Onkel nützte es dem Junior wenig, dass er selbst einen Anteil von 11,7 Prozent am Unternehmen hält und mit seinem Familienstamm auf ein Drittel der EP-Stimmrechte kommt. Im vergangenen Jahr hatten die Gesellschafter EP in eine europäische Aktiengesellschaft (SE) gewandelt - und dabei die sogenannte "monistische Variante" nach angelsächsischem Vorbild gewählt. Sie sieht vor, dass ein mächtiger Verwaltungsrat die Geschäftspolitik bestimmt, während die "geschäftsführenden Direktoren" lediglich mit der Führung der laufenden Geschäfte betraut sind.

Wirtschaftliche Misserfolge seien es kaum, die sich Oliver Haubrich anzukreiden habe, erzählen Mitarbeiter in der Konzernzentrale. In der Wirtschaftskrise habe sich EP vergleichsweise gut gehalten. Zahlen für 2009 sollen im Februar folgen. 2008 hatte das Unternehmen noch ein Umsatzwachstum von 1,4 Prozent erzielt, 2007 - für das der letzte vollständige Geschäftsbericht vorliegt - schaffte EP bei 1,4 Milliarden Euro Binnenumsatz eine ordentliche Rendite von drei Prozent bezogen auf die gewöhnliche Geschäftstätigkeit.

In den vergangenen Jahren hatte der Junior das Geschäft mit der Belieferung von über 5 000 selbständigen EP-Händlern erfolgreich ausgebaut, durch den Zukauf von 16 "Makro"-Märkten der Gebrüder Wegert die eigene Fachmarktkette "Medimax" ausgebaut - und zeitweise sogar Mediamarkt/Saturn beim Wachstum überholt. Im letzten Jahr investierte der scheidende Chef zudem Millionen in ein neues SAP-System.

Das Geschäft mit den selbständigen Händlern wurde kräftig ausgebaut

Zusammen mit den selbstständigen Fachhändlern, die üblicherweise das grüne "EP"-Logo in ihrem Firmennamen tragen, vereinten die Düsseldorfer 2008 europaweit einen Außenumsatz von geschätzten 3,2 Milliarden Euro auf sich. Nur Wettbewerber Euronics markierte mit 3,35 Milliarden Euro einen kleinen Vorsprung, während sich die Händlervereinigung Expert (2,85 Milliarden Euro) mit einem dritten Platz begnügen musste.

Sprecher der Geschäftsführung wird ab sofort Jörg Ehmer, 43, der erst im April von E-Plus ins Unternehmen kam. Während auch Vizechef Sven-Olaf Krauß das Unternehmen verlässt, soll Martin Rusterholz die Geschäftsführung ergänzen. Der ehemalige Spitzenmanager der Media-Saturn-Holding soll nun auch zusätzlich die Medimax-Fachmärkte leiten.

Kommentare (2)

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Ursula

15.01.2010, 19:32 Uhr

Als Mitarbeiterin bei ElectronicPartner bin ich über das Ausscheiden "Oli" sehr betroffen. Auch wenn mich dies meinen Job kostet: Er hat sich für seine Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen eingesetzt - auch wenn es Geld gekostet hat. ich wusste, er war und stand 100%ig nicht nur gewinnbringend hinter seinem Unternehmen, sondern auch gewinnbringend hinter seinen Angestellten. Viele Mitarbeiter bei EP: sind tief betroffen!

Roland

04.03.2010, 10:34 Uhr

ich stelle fest: es ist ja nach wie vor kein überzeugender Grund für "Olis" Rauswurf zu finden.
Jedoch: hat Hartmut Haubrich nicht auch einen Sohn im passenden Alter?!?
Würde mich nicht wundern, wenn Herr Oliver Haubrich für diesen seinen Stuhl räumen musste.

Wir dürfen gespannt bleiben.
Ein Mitarbeiter

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