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01.07.2014

16:44 Uhr

Familienunternehmen Mennekes

Der Stecker, an dem kein E-Auto vorbeikommt

VonSebastian Schaal

Demnächst dürfen Elektroautos nur noch mit einem Stecker-Typ geladen werden, so will es die EU. Der Erfinder des Steckers kommt aus einem kleinen Örtchen im Sauerland. Das Patent aber hat Mennekes längst niedergelegt.

Wer ein Elektroauto wie das Tesla Model S laden will, muss zu einem Stecker greifen, der von dem sauerländischen Familienunternehmen Mennekes entwickelt wurde. Dirk Hoppe/Netzhaut für Handelsblatt

Wer ein Elektroauto wie das Tesla Model S laden will, muss zu einem Stecker greifen, der von dem sauerländischen Familienunternehmen Mennekes entwickelt wurde.

KirchhundemIn einem idyllischen Tal im südlichen Sauerland liegt das 12.000-Einwohner-Städtchen Kirchhundem. Hier begrüßt Christopher Mennekes bald Vertreter aus der Politik, von Energieversorgern, Stadtwerken und Autobauern. Denn in den Produktionshallen seines Familienunternehmens wird bald der Stecker der europäischen Elektroautoindustrie produziert – Brüssel sei dank.

Mitte April erhob die EU-Kommission den sogenannten „Typ-2-Stecker“ zum europäischen Standard. Wer ein Elektroauto laden will, der wird ab 2017 nicht mehr an der Technik von Mennekes vorbei kommen.

Doch bereits vor der EU-Entscheidung war der Auto-Ladestecker von Mennekes weit verbreitet. „Wir haben uns sehr früh mit Kunden ausgetauscht, also Autofirmen und Energieversorgern. Als Elektrotechniker verstehen wir natürlich auch selbst einiges davon“, sagt Mennekes. „So konnten wir eine Lösung finden, die den anderen technisch überlegen ist.“ Mit Erfolg: Elektroautos wie der Nissan Leaf, BMW i3 oder Tesla Model S setzen genauso auf den siebenpoligen Stecker wie zahlreiche öffentliche Ladesäulen.

Dass es überhaupt soweit gekommen ist, war auch ein unternehmerisches Risiko für den Betrieb: Als der Vater des heutigen Geschäftsführers, Walter Mennekes, im Frühjahr 2009 den Normvorschlag für den Typ-2-Stecker einreichte, legte er auch alle Patente auf seine Entwicklung nieder.

„Niemand auf der Welt hätte sich darauf eingelassen, alle Ladestecker für Elektroautos nur noch bei der Firma Mennekes zu kaufen“, sagt Sohn Christopher heute. „Deshalb haben wir das sehr schnell freigegeben, damit sich auch andere Hersteller dem Thema widmen können, was auch viele mittlerweile tun. Aber wir glauben natürlich, dass wir da anderen Firmen gegenüber einen gewissen Vorsprung haben.“

Herr Mennekes, bitte vervollständigen Sie…

Die wichtigste Lehre aus meinem Geschäftsleben ist…

… dass die Mitarbeiter das Wichtigste für ein Unternehmen sind. Mit guten Mitarbeitern lassen sich Erfolge erzielen.

Ich freue mich, wenn in meiner Familie…

… der Familienfrieden weiter so besteht, wie er in der Vergangenheit bestanden hat.

Schwach werde ich, wenn…

… wenn das Vertrauen erschüttert ist.

Mein unerkanntes Talent ist, dass…

… ich vielleicht besser Stecker verkaufen kann, als so mancher meint.

Niemals outsourcen würde ich…

… Kernkompetenzen wie Entwicklung und Produktion von wichtigen Komponenten. Das würde ich nie aus der Hand geben.

Zuletzt fit gehalten habe ich mich mit…

… Schlagzeug spielen.

Einen ähnlichen Schritt ist inzwischen auch das US-Unternehmen Tesla gegangen, das mit seinen Elektroautos wie dem Model S die arrivierten Hersteller ordentlich aufgemischt hat. Zwar ist es in diesem Fall keine formelle Niederlegung der Patente, aber Firmengründer Elon Musk kündigte an, Tesla werde keine Patentklagen gegen all diejenigen anstreben, die „in gutem Glauben unsere Technologie nutzen wollen“.

Ein Vorstoß, den der Familienunternehmer begrüßt. „Die Chancen, dass sich weitere Unternehmen mit der Materie beschäftigen, steigen. Und das belebt wiederum den Markt und treibt die Elektromobilität voran“, sagt Mennekes. „Vor allem muss nicht jeder das Rad neu erfinden.“

Kommentare (3)

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Herr Norbert Wolter

01.07.2014, 17:05 Uhr

Juhuu! Wir ham nen neuen Stecker! Die Elektrokutschen sind zwar weiterhin viel zu teuer und müssen schon nach ca. 200 km aufgeladen werden, aber egal. Über die Ladedauer fange ich erst gar nicht an zu reden
Baut mir ne Droschke mit ner Reichweite von 700 km, 100 kw/h, max. 35.000,- € und ich fange an mich für die grüne Elektropropaganda zu interessieren.

Herr peter Spirat

01.07.2014, 19:10 Uhr

hmmm, eigentlich müssen sie nach 150 km für 8 Stunden an das Netz. Es sei denn, man nutzt auch noch die Heizung / Klimaanlage oder fährt schneller als 120 km/h

Dann sind es nur noch ca. 70 km Reichweite.

Man sieht, E-Autos sind die Zukunft.

Ein Golf kostet dann ca. 40- 60.000 Euro und alle 2-3 Jahre für ca. 10.000 € eine neue Batterie (Akku). Wer wirklich die Umwelt verschmutzen will, MUSS so ein Auto fahren. Denn bei der Produktion der Akkus / Wiederaufbereitung und bei der Gewinnung der "Seltene Erden" (braucht man für die E-Motore und Akkus, fallen extrem giftige Abfälle an.

E-Auto. TV

02.07.2014, 08:54 Uhr

Und schon stehen wieder die Halbwahrheiten in den Kommentaren. Das ist so schade, insbesondere weil diese Kommentatoren mit Elektroautos vermutlich überhaupt keine Erfahrungen sammeln konnten.

Akkus halten nach vielen gesammelten Jahren bis zu 200.000 km pro Akkusatz und schon heute kostet ein neuer Akku rund 5.000 EUR, in 8-10 Jahren dann vermutlich 1.000 EUR. Das zahlt heute mancher schon für eine Inspektion.

Für ein Regionalfahrzeug ist ein E-Auto schon heute erste Wahl - sagt nahezu jeder, der es mal eine Woche gefahren hat.

Ansonsten empfehle ich einen Blick in die Faktensammlung unter http://e-auto.tv/e-fakten , auch aus Sicht Well-to-wheel-Berechnung (Stichwort Umweltverschmutzung u.a.).

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