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15.12.2014

19:45 Uhr

Familienunternehmen Paradies

„Den Dauerbausch möglichst lange erhalten“

VonAnja Müller

Der Emir von Kuweit hüllt sich darin, so mancher Durchschnittsdeutsche auch: Das Familienunternehmen Paradies stellt Betten her. Ob kühlend oder wärmend, die beiden Chefs wissen: Auf den Dauerbausch kommt es an.

Familienunternehmen Klaus und Rolf Kremers: Lufthansa und Luxushotels kaufen bei ihnen. Paradies GmbH

Familienunternehmen Klaus und Rolf Kremers: Lufthansa und Luxushotels kaufen bei ihnen.

Die ersten Steppdecken bestanden aus alter Kleidung. Sie waren aus Reißwolle, also gereinigten und gerissenen Textilien. Heute stellt das Familienunternehmen Paradies Hightech-Betten her, aus Nylon-Fasern, die wärmen und kühlen können. In allen möglichen Breiten und Längen kann das Unternehmen vom Niederrhein liefern – seit nunmehr 160 Jahren.

Der Emir von Kuwait schlägt sein Paradies-Bettzeug, das 2,40 mal 2,60 Meter misst, noch mal unter die Matratze, wie es in der arabischen Welt üblich ist, in Deutschland sind 1,55 oder 1,35 Meter breite Bettdecken beliebt. Den Wechsel bekommen die Maschinen in der Werkhalle Neunkirchen-Vluyn und die 180 meist weiblichen Mitarbeiter hin – und es ist noch Luft nach oben: „Wenn ich die Produktion aufdrehe, dann erstickt mein Bruder in Bettdecken und Kissen, dann muss er viel verkaufen“, sagt Rolf Kremers schmunzelnd. Sein Bruder Klaus kümmert sich um Vertrieb und Marketing. Seit rund 20 Jahren führen sie das Unternehmen gemeinsam, wie es schon ihre Vorfahren getan haben. Interviews geben sie gewöhnlich nicht, zu zweit nun zum ersten Mal.

Worauf ich stolz bin - Paradies

Ich bin stolz darauf...

Klaus Kremers: ...dass wir ein 160 Jahre altes Unternehmen in fünfter Generation führen dürfen.

Rolf Kremers: Wir sind auch stolz, dass wir das schon fast 20 Jahre als Alleingesellschafter tun und dieses Unternehmen durch die Globalisierung führen.

Ihre wichtigste Lehre?

Klaus Kremers: Dass man sich immer wieder neue Ziele setzen muss, in unserer globalisierten Branche stets alert ist und dabei demütig bleibt. 

Rolf Kremers: Stillstand ist Rückschritt, das gilt für alle Themen  in der schnelllebigen Zeit.

Wenn ich nicht Unternehmer geworden wäre...

Rolf Kremers: Dann hätte ich mich in Richtung Steuern orientiert und auch Export interessiert mich. Wir sind Kinder von einem Vater, der sehr international dachte, wir haben sehr viele Länder kennengelernt und beide länger in den USA gelebt. Beide waren wir vor unserem Einstieg in unsere Familiengesellschaft in anderen Unternehmen tätig, mein Bruder in den USA und ich drei Jahre lang in einer Unternehmensberatung für mittelständische Textil- und Bekleidungsunternehmen in Deutschland.

Klaus Kremers: Ich wäre Hotelier geworden… oder Auslandskorrespondent. Ich habe fast sechs Jahre im Ausland gelebt. Aber, das muss man auch sagen, am Ende ist es schon das Schönste, selbständiger  Unternehmer zu sein.

Einen guten Mitarbeiter erkenne ich an...

Rolf Kremers: ...an Loyalität und Kritikfähigkeit.

Klaus Kremers: Ohne Zweifel, und am Einsatzwillen. Alleine können wir das nicht schaffen. Es geht immer nur in einem guten Team.

Mein unerkanntes Talent ist...

Rolf Kremers: Ich bin technisch und handwerklich begabt, mir macht es Spaß zu Hause das eine oder andere zu reparieren.

Klaus Kremers: …dazu fällt mir gar nichts ein…

Die Brüder wollen auch nichts zu Umsatz und Gewinn sagen. Der Bundesanzeiger gibt ebenfalls wenig Auskunft. Die wichtigsten Konkurrenten sind Centa Star, die Firma gehört nach einer Insolvenz in Eigenregie seit 2013 zur Frankenstolz-Gruppe, und Billerbeck mit einem Gesamtumsatz von rund 44 Millionen Euro.

Ein paar Anhaltspunkte geben die Paradies-Chefs aber doch: Die deutschen meist weiblichen Käufer sorgen für zwei Drittel des Umsatzes. Der Rest geht ins Ausland, vor allem nach Japan und in 49 weitere Länder. Auch der russische Präsident Wladimir Putin habe, jedenfalls vor der Trennung von seiner Frau, unter Paradies geschlafen, erzählt Klaus Kremers: „Zumindest wissen wir, dass sie damals bei unserem Distributeur gekauft hat.“

Schon 1854 begann das Gründerpaar Wilhelm und Gertrude Kremers mit dem Verkauf der ersten Steppdecken aus Reißwolle. „Upcycling“ sagt Klaus, aber „leider nicht atmungsaktiv“, ergänzt Rolf. Auch nach dem Zweiten Weltkrieg startete das Unternehmen wieder mit Reißwolle. Bald entwickelten die Kremers ein erstes künstliches Füllvlies aus Acryl.

Kommentare (1)

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Herr Gerd-Peter Buyken

18.12.2014, 14:12 Uhr

Guter Artikel ueber Menschen mit einer guten Einstellung und einem soliden Geschaeftskonzept.

Kleine Korrektur: der Firmenstandort liegt in Neukirchen-Vluyn (nicht: Neunkirchen-V.)

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