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26.01.2005

12:12 Uhr

Familienunternehmen vertraut „Made in Germany“

Frommholz setzt auf deutschen Standort

Die Hersteller von Möbel in Deutschland sitzen – wirtschaftlich betrachtet – nicht gerade komfortabel. Die Kosten bei der personalintensiven Fertigung drücken, ausländische Hersteller drängen auf den deutschen Markt. Die Polstermöbelhersteller waren davon besonders betroffen: ein Viertel der Produktion sind von 2001 bis 2003 abgebaut worden, zahlreiche Arbeitsplätze gingen verloren.

sgr KÖLN. Zwei Drittel der hierzulande verkauften Polstermöbel kommen inzwischen aus Billiglohnländern. Da kommen einem die Zahlen des Familienunternehmens Frommholz aus dem ostwestfälischen Spenge wie ein Märchen vor

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Mit einem Umsatz von 18,2 Mill. Euro, 181 Mitarbeitern und einer Exportquote von 16,3 Prozent hat das 1859 in Danzig gegründete Familienunternehmen, das von Dirk-Walter Frommholz, 56, seit 22 Jahren in der fünften Generation geführt wird, seine Hausaufgaben gemacht. Und die beschreibt Frommholz so: „Wir haben uns für das qualitative Wachstum entschieden.“ Was bedeutet: Nur mit hochwertigen Qualitäten behauptet sich Frommholz in der Marktnische für mittlere bis hochwertige Sitzmöbel. Praktisch alles wird selbst gemacht: „Wir verfügen über eine hohe Fertigungstiefe.“

Frommholz hält nicht viel von ausländischen Standorten: „Wir haben in unserer Republik politische und wirtschaftliche Stabilität, die dem Unternehmen gut tun.“ Und zählt weitere Pluspunkte auf: sozialer Frieden, keine Arbeitskämpfe, Rechtssicherheit. Dazu zählt nicht zuletzt eine Infrastruktur mit Zulieferbetrieben der Schaumstoffkonfektion, der Federkern-Produktion oder Machinen- und Vorrichtungsbau. „Damit treten wir den Beweis an, dass eine Produktion hochwertiger Polstermöbel in Deutschland machbar ist.“

Gleichwohl weiß das Traditionsunternehmen, das sich seit 1928 auf Polstermöbel konzentriert hat und zwischenzeitlich auch schon mal Kinderwagen oder Matratzen hergestellt hat, dass es ohne Marketing nicht geht. Diesem Bereich nimmt sich der Juniorchef, Gero-Walter Frommholz, 29, an, der die sechste Generation des Spenger Familienunternehmens repräsentiert. Er ist für die Positionierung der Marke, den Export und die Erschließung neuer Märkte verantwortlich. Mit dem Markenzeichen „Made in Germany“ wollen die „Frommholzer“ vor allem in den Benelux-Ländern, Österreich, der Schweiz und Osteuropa punkten. Die Messlatte für 2005: 20 Mill. Euro Umsatz, wobei der Exportanteil auf zwanzig Prozent steigen soll.

Das Frommholz’sche Verkaufskonzept zielt dabei auf die Altersgruppe „50 plus“, für die es auch zunehmend ein Stück Lebensqualität und Wohlbefinden bedeutet, auf schönen und bequemen Polstermöbeln im eigenen Heim zu sitzen.

Den Trend zu mehr Qualität, für die die Kunden bereit sind, etwas mehr ausgegeben, erkennt auch Dirk-Uwe Klaas, Hauptgeschäftsführer des Verbands der Deutschen Möbelindustrie: „Luxus spielt wieder eine Rolle. Die Leute werden zunehmend die Geiz-ist-geil-Angebote leid. Sie merken, dass sie doch nur auf Lockvogelangebote reinfallen.“ Klaas’ Standpunkt zum Standort Deutschland: „Die Möbelindustrie wird nicht der Textilindustrie folgen.“ Vielmehr sieht er die Stärken der vielen Inhaber geführten Möbelhersteller in Deutschland: „Frommholz ist nur ein Beispiel der Stärke für die mittelständisch geprägte Möbelindustrie hierzulande.“

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