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22.04.2014

11:00 Uhr

Familienunternehmen Vivil

„,Supergeil‘ gefährdet die Süßwarenbranche“

VonLisa Hegemann

ExklusivDer Bonbonmacher Vivil leidet unter der Konkurrenz von Eigenmarken. Unternehmenschef Alexander Müller-Vivil findet deshalb Edeka-Werbung nicht „supergeil“ – und erklärt, warum er wieder Werbung schaltet.

Vivil-Unternehmenschef Alexander Müller-Vivil vor der Zentrale in Offenburg: „Bedrohung für die Süßwarenbranche.“ Andy Ridder für Handelsblatt

Vivil-Unternehmenschef Alexander Müller-Vivil vor der Zentrale in Offenburg: „Bedrohung für die Süßwarenbranche.“

OffenburgAlexander Müller-Vivil findet Edeka gar nicht „supergeil“. Im Gegenteil: Der Familienunternehmer aus Offenburg betrachtet die Werbung, die im Internet mit dem Schlagwort „supergeil“ so viel Anklang gefunden hat, sogar als „Bedrohung für die Süßwarenbranche“, wie der Vivil-Chef im Interview mit dem Handelsblatt sagt. „Da wird nicht ein Produkt eines Markenherstellers erwähnt“.

Denn die große Konkurrenz auf dem Bonbonmarkt seien für Vivil längst nicht mehr nur andere Marken wie Fisherman’s Friend, Storck oder Mentos – sondern die Handelsketten mit ihren Eigenmarken (z. B. „ja!"), den sogenannten Private Labels. Jeder Euro, der für eine Handelsmarke ausgegeben werde, werde „nicht mehr für ein Markenprodukt ausgegeben“, sagt Firmenchef Müller-Vivil (das komplette Interview zum Download). Das zwingt den Unternehmer zum Umdenken.

Für Vivil läuft das Geschäft eigentlich gut. Der Umsatz liegt bei 80 Millionen Euro jährlich. In den 111 Jahren, in denen das Unternehmen existiert, hat der Mittelständler nicht ein einziges Mal Verluste geschrieben. Bis heute produziert das Unternehmen in Offenburg; in der „neuen“ Produktionsstätte, wie die Fabrik im Unterschied zum „alten“ Vertriebsgebäude genannt wird, obwohl sie bereits seit 1992 existiert.

Doch der Markt stagniert. Zahlen des Statistischen Bundesamts zeigen, dass sich die Ausgaben für Lebensmittel seit Jahren auf einem ähnlichen Niveau bewegen. Das macht auch dem Bonbonproduzenten aus Offenburg zu schaffen. Denn dadurch verstärkt sich die Konkurrenz – gerade die aus dem Billigsegment.

„In unserem Markt ist die extreme Handelskonzentration eine Gefahr“, sagt Müller-Vivil. Aldi, Lidl, Rewe und Edeka sind die größten Einzelhändler in Deutschland und decken vier Fünftel des Marktes ab. „Mit denen müssen wir zusammenkommen, sonst können wir keine Umsätze machen.“

Herr Müller-Vivil, vervollständigen Sie ...

Einen guten Mitarbeiter erkenne ich daran, ...

... dass er selbstständig arbeiten kann.

Schwach werde ich ...

... bei Vivil. Ich habe aber kein favorisiertes Bonbon. Ich nehme immer eins mit, wenn ich zum Auto gehe und esse es auf.

Niemals outsourcen würde ich ...

... meine Produktion in Offenburg.

Die wichtigste Lehre aus meinem bisherigen Geschäftsleben ist ...

... die Dinge anzupacken.

Ich würde einmal gerne Abendessen mit ...

... Mauritio Cattelan, einem der bedeutendsten Künstler weltweit. Er ist ein unheimlich kreativer Mensch. Ich kenne ihn zwar nicht persönlich, aber sowohl seine Arbeiten als auch seine Art sind ein Sinnbild für mich für Kreativität und Qualität. Er hat jetzt aufgehört, Arbeiten zu machen, weil er vermeiden wollte, in eine industrielle Produktion zu geraten.

Die Gefahr geht aber nicht nur von den großen Handelsketten aus, sondern auch vom Konsument – weil dieser immer weniger einkaufen geht. „Die Summe auf dem Kassenbon steigt, aber die Häufigkeit sinkt“, erklärt Müller-Vivil. Darunter leidet besonders die Süßwarenbranche. Denn Schokolade oder Bonbons sind „Impulsartikel“, Produkte, die der Konsument eigentlich nicht zu kaufen plant. „Sie schreiben ja nicht auf Ihren Einkaufszettel: ‚Möchte noch Bonbons kaufen.‘“

Kommentare (3)

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22.04.2014, 12:33 Uhr

Ich persönlich finde es erschreckend was in diesem Markt abgeht. Als Endkunde der mit dieser BRanche nichts zu tun hat. Früher war Lidl bekannt Markenware günstig anzubieten. Wenn man aber offenen Auges durch den Laden läuft wird man zugekotzt von minderwertiger (aus meiner sicht minderwertiger) Eigenmarkenware. Die Delux Serie ist der Abschluss, wer sich das schon mal gönnte wird beeindruckt sein von dem Dreck für viel zuviel Geld. dem normalen Anwender wird dies egal sein. Ich zumindest werde wechseln. Lidl traue ich nicht die Qualität zu einer Markenherstellers, noch nichtmal die von Aldi. Diese Art der Eigenmarkengenerierung halte ich für die fatalste Entwicklung überhaupt. Eine marke kostet ein paar tausender und wenn man den Ruf ruiniert hat kommt halt eine neue Marke. Ein Müller, Ritter oder Berenzen kann sich das nicht leisten. Wir brauchen hier dringend eine Regulierung. Hier werden Pseudomarken erzeugt die dem Endkunden Wertigkeit vorgauckeln sollen "Deluxe" und am ende bekommt man einen Vanillepudding mit Chemostreußel als Crème brûlée vorgesetzt. Schrecklich!

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22.04.2014, 12:45 Uhr

Am besten: weniger aber dafür besser essen...die Menscheit in den Industrieländern wird ohnehin zu fett von dem ganzen Drecksnahrungsmittelchemiezeug; und gibt anschließend Unsummen über die Krankenkasse und das Fitnessstudio zur Bekämpfung der Symptome aus. Ein perfiedes System.
Aber solange Formkäse und C0. vom Gesetzgeber erlaubt ist ... die Verantwortlichen in den jeweiligen Ministerien müssten zum "Zwangsfrexxxx" des Zeugs verdonnert werden.

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22.04.2014, 12:51 Uhr

Warten Sie mal ab, was TTIP uns bringt. Da werden für den Dreck von heute noch dankbar sein. Aber der Deutsche ist schon derart veramerikanisiert, der merkt eh nix mehr....

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