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22.11.2014

11:51 Uhr

Familienunternehmen

Wenn der Abschied schwerfällt

Viele Unternehmer in Deutschland stecken in der Klemme: Sie suchen händeringend Nachfolger und finden keine. Das gefährdet Arbeitsplätze. Künftig dürfte sich die Lage noch weiter zuspitzen.

Schlüsselübergabe: Vielen Unternehmern fehlen jedoch die Nachfolger der jüngeren Generation. Imago

Schlüsselübergabe: Vielen Unternehmern fehlen jedoch die Nachfolger der jüngeren Generation.

Düsseldorf/BerlinAm Ende ihrer Laufbahn stehen viele Familienunternehmer vor dem gleichen Problem: Jahrzehntelang haben sie geackert und viel Herzblut in den Aufbau ihrer Firma gesteckt - doch wer soll das Lebenswerk in die Zukunft führen?

Der Nachfolger-Notstand lässt Wirtschaftsverbände Alarm schlagen, und Abhilfe ist nicht in Sicht - im Gegenteil: Ein schwacher Gründergeist in Deutschland, der demografische Wandel und die Digitalisierung der Wirtschaft dürften die Probleme künftig weiter verschärfen.

Rund 135.000 Familienunternehmen mit insgesamt zwei Millionen Beschäftigten müssen sich nach Schätzungen des Instituts für Mittelstandsforschung in diesem und den kommenden vier Jahren nach einem neuen Chef oder einem Käufer umsehen.

In manchen Branchen übersteigt ihre Zahl um ein Vielfaches die der potenziellen Nachfolger, beklagt der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK). Am drängendsten sind die Probleme demnach in der Industrie, wo auf fünf Alteigentümer ein potenzieller Übernehmer kommt.

So profitieren Mittelständler von der Globalisierung

Wachstumstreiber

Die Weltexporte sind weitaus stärker gestiegen als die nationalen Bruttoinlandsprodukte. Die Globalisierung war und bleibt auch in Zukunft ein Wachstumstreiber.

(Quelle: Hermann Simon, "Hidden Champions - Aufbruch nach Globalia")

Kaufkraft

Die Musik wird weiterhin in Amerika und Europa spielen. Das gilt nicht nur für die Höhe der Bruttoinlandsprodukte, sondern auch für deren absolute Zuwächse. Hinzu kommt China als dritter Pol mit dem größten Zuwachs an Kaufkraft. Viele weitere Regionen werden an Bedeutung gewinnen, aber dennoch im Jahr 2025 deutlich hinter diesen drei Polen der Weltwirtschaft zurückbleiben.

Marktposition

Deutsche Mittelständler, die im globalen Wettbewerb mithalten wollen, müssen die erste Priorität darauf legen, ihre Marktpositionen in Europa und den USA zu halten beziehungsweise in vielen Fällen die Position in den USA zu stärken.

Marktstellung

An zweiter Stelle steht der Aufbau starker Marktstellungen in China und Indien.

Perspektive

ASEAN, Osteuropa/Russland, Lateinamerika und längerfristig Afrika bieten ebenfalls attraktive Wachstumsperspektiven. Die treibende Kraft in Afrika ist dabei die Bevölkerungsexplosion. Die Nutzung all dieser Chancen beinhaltet für Mittelständler eine Herkulesaufgabe.

Rückschläge

Trotz der grundsätzlich optimistischen Einschätzung lassen sich Rückschläge in der Globalisierung - insbesondere im Zuge von Krisen - nicht ausschließen. Protektionismus, Globalisierungsgegner oder die Bevorzugung nationaler Champions können den freien Handel behindern.

Die richtige Balance

Die Welt ist zwar "flacher" als vor 20 Jahren, aber "flach" ist sie bis heute nicht. Regionale, nationale und lokale Unterschiede werden weiter bestehen. Es geht deshalb auch in Zukunft darum, die richtige Balance zwischen Standardisierung und Differenzierung zu finden. Mittelständler dürften hier im Vorteil sein, da sie im Hinblick auf die resultierenden Anpassungsnotwendigkeiten flexibler sind als Großunternehmen.

Das liegt vor allem am hohen Kapital- und Investitionsbedarf: Wenn der alte Chef abtritt, müssen häufig Maschinenparks modernisiert, Produktsortimente umgestellt und Geschäftsmodelle überarbeitet werden, sagt DIHK-Experte Marc Evers.

Zusätzliche Herausforderungen bringt die Industrie 4.0 mit ihren vernetzten Produktionsprozessen und ganz neuen Kundenbeziehungen. Aber auch Handel, Gastronomie und Verkehrsgewerbe haben zu kämpfen - dort liegt das Verhältnis zwischen Altunternehmern und potenziellen neuen Chefs bei knapp zwei zu eins.

Kommentare (1)

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Herr Bernd Rüegg

26.11.2014, 18:09 Uhr

Geschätzt deutlich über 80% aller formal nachfolgebedürftigen KMU-Unternehmen in Deutschland werden keinen Nachfolger(sprich Käufer) finden, wenn aus der Familie etc. selbst (dann als i.d.R. Schenkung oder weitgehend kostenlose Übertragung) niemand übernehmen will.

Die hier verkäuferseitig erwarteten Kaufpreise sind fast ausschließlich im "realwirtschaftlich vernunftfreien" Bereich, d.h. sind nicht einmal initial verhandlungsfähig

Sehr mehrheitlich dominieren auch völlig absurde Vorstellungswelten der Verkäufer zu eigenen Vorleistungen, Aufwand und Kosten eines Unternehmensverkaufs die zielführende Kommunikation mit latenten Käufern



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