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07.01.2008

14:40 Uhr

Familienunternehmen

Zurück in Familienhand

VonBert Fröndhoff

Vorbild Otto: 45 Jahre hielt das Bündnis, doch zuletzt überwog der Streit. Vorigen Mittwoch gaben der Hamburger Versandhändler Otto und der Essener Zeitungskonzern WAZ ihre Trennung bekannt. Der Fall ist keine Seltenheit. Viele Unternehmer entledigen sich ungeliebter Mitgesellschafter. Ihr Ziel ist Unabhängigkeit und Kontrolle.

DÜSSELDORF. Für geschätzte eine Mrd. Euro kauft die Familie Otto den 25-Prozent-Anteil zurück, den die WAZ seit dem Einstieg 1962 noch hielt. Für Michael Otto, langjähriger Vorstandschef und Sohn des Firmengründers, dürfte dies ein ersehnter Befreiungsschlag sein: 58 Jahre nach Gründung ist die Otto-Gruppe wieder komplett in Familienbesitz.

Ähnliches verfolgen derzeit einige deutsche Familienunternehmen, viele haben den Rückkauf von Anteilen von Minderheitsgesellschaftern bereits durchgesetzt und ihre Firma wieder unter alleinige Kontrolle der Familie gebracht. Meist stecken Unstimmigkeiten über die Ausrichtung dahinter, wie der auf Familiengesellschaften spezialisierte Unternehmensberater Arnold Weissman beobachtet. „Oft prallen in solchen Konstellationen aber auch sehr verschiedene Welten aufeinander“, sagt Weissman, der sich wundert, dass es „nicht öfters kracht“.

Familienunternehmen stecken in einem Dilemma: Einerseits sind viele von ihnen auf fremdes Kapital angewiesen und holen sich Minderheitsgesellschafter an Bord – bis hin zu eher kurzfristig orientierten Finanzinvestoren. Andererseits haben Familienfirmen sehr individuelle Innenleben, sie verfolgen spezielle Werte und Ziele – und die beißen sich oft mit denen der Mitgesellschafter. Otto und die WAZ etwa stritten seit vielen Jahren über die Gewinnausschüttung des Versandhändlers.

Wer es sich leisten kann, der kauft ungeliebte Gesellschafter heraus. Der Unternehmer Stefan Messer hat dies geschafft: Der traditionsreiche Gasehersteller Messer Group ist seit 2005 wieder komplett in Familienhand. „Wir sind froh, dass wir als Familie wieder hundertprozentig selbst das Unternehmen bestimmen können und wir keine nervösen Anteilseigner mehr haben“, sagt Messer. Gemeint sind Finanzinvestoren, die in den Jahren zuvor die Geschicke der Firma bestimmten. Messers Erfahrung lautet: Das schnelle Profitstreben von Private Equity beißt sich mit der langfristigen Ausrichtung eines Familienunternehmens. Er will nun dauerhaft die Unabhängigkeit der Firma sichern, die sein Großvater Adolf 1893 gegründet hat.

Das Ziel der absoluten Unabhängigkeit schreiben sich immer mehr Familienunternehmen in ihre Verfassung, beobachtet Experte Weissman. „Für dieses Ziel verzichten viele sogar auf die Nutzung von Wachstumschancen“, sagt er. Der Rückkauf von Anteilen wird aus seiner Sicht derzeit dadurch unterstützt oder erst ermöglicht, dass wegen der guten Konjunktur die Finanzierung besser gestemmt werden kann.

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