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28.01.2014

17:51 Uhr

Familienunternehmer Streletzki

Ein Hotel, das seinen Namen trägt

VonCarina Kontio

Das Estrel ist Deutschlands größtes Hotel. Mit Mut und Größenwahn hat Ekkehard Streletzki („E-Strel“) es vor 20 Jahren in Berlin gebaut. Ein Gespräch über geklautes Porzellan, tolle Autobahnen und den Flughafen BER.

Ihm gehört das größte Hotel Deutschlands: Ekkehard Streletzki führte sein Haus abseits der Touristenströme zum Erfolg. Marc-Steffen Unger für Handelsblatt

Ihm gehört das größte Hotel Deutschlands: Ekkehard Streletzki führte sein Haus abseits der Touristenströme zum Erfolg.

Düsseldorf„Sehen Sie die Raben dort?“, fragt Ekkehard Streletzki, der in der 17. Etage seines Hotels über den Dächern von Berlin aus dem Fenster schaut. „Die picken ständig vom Dach kleine Steinchen auf und schmeißen sie auf das Glasdach vom Atrium. Das ärgert mich.“ Der 73-jährige Familienunternehmer atmet einmal tief durch, bevor er den dünnen weißen Vorhang wieder zu zieht und uns weiter durch die Präsidentensuite von Deutschlands größtem Hotel führt.

Die Suite bietet drei Schlafzimmer, zwei Kinderzimmer, zwei Bäder, einen Konferenzraum, ein Wohnzimmer und eine eigene Küche und steckt von der Teppichkante bis zum Deckenrand voll mit Streletzkis Erinnerungen. Der gelernte Statiker hat hier oben selbst mal für ein paar Monate gelebt. Damals, als er direkt nach der Wende mit Sack und Pack von München nach Berlin umgezogen ist und noch auf der Suche nach einem neuen Zuhause für seine Familie war.

Beim Rundgang durch die riesigen Zimmer berührt er einige der Antiquitäten, mit denen er die Suite – die laut Liste 1.950 Euro pro Nacht kostet – bestückt hat. Angst um die wertvollen Kunststücke hat Streletzki nicht, er traut den Gästen. „Aber es zwickt schon, wenn sich Teile unseres Meissner-Porzellans verflüchtigen“, sagt er.

Als er anfing, vor 20 Jahren im Berliner Problembezirk Neukölln neben einem Schrottplatz ein 4-Sterne-Hotel zu bauen, lachten ihn viele aus. „Die dachten, ich bin verrückt“, erinnert sich der gebürtige Westerwälder, der beim Spatenstich 1994 von der Hotelbranche fast keine Ahnung hatte. Aber er ließ sich nicht beirren. Streletzki war so überzeugt von seiner Idee, dass er das Hotel sogar nach sich selbst benannte (E = Ekkehard, Strel = Streletzki).

Herr Streletzki, vervollständigen Sie...

Mein unerkanntes Talent ist ...

...dass ich sehr gut zuhören kann. Die Meinung von anderen Menschen ist mir sehr wichtig und ich gehöre nicht zu denjenigen Leuten, die von vornherein alles besser wissen.

Einen guten Mitarbeiter erkenne ich ...

...nichts Bestimmtem, das sich an irgendwelchen Kriterien festmachen lässt. Ob jemand ein guter oder ein schlechter Mitarbeiter ist, kann ich letztlich nur dann beurteilen, wenn ich jemanden eine Weile kenne. Ich finde es ganz dramatisch, wenn man einfach nach nur einem Gespräch ein Urteil abgibt, das man anschließend revidieren muss.

Schwach werde ich ...

...bei einem Stück Kuchen am Nachmittag. Das gehört für mich einfach zum Leben dazu. Ich übertreibe das aber auch nicht. Am liebsten mag ich Obstkuchen und ich habe auch nichts dagegen, wenn da ein kleines Häufchen Sahne oben drauf ist.

Die wichtigste Lehre aus meinem bisherigen Geschäftsleben ist ...

...dass man immer ordentlich miteinander umgehen muss. Dazu gehört für mich auch, möglichst nicht nachtragend zu sein und nicht immer alles besser zu wissen.

Fit gehalten habe ich mich zuletzt mit...

...joggen. Das mache ich seit 35 Jahren zwei Mal in der Woche. In der Winterzeit schaffe ich es dann manchmal nur an einem Tag, aber dann gehe ich auch bei richtigem Sauwetter raus. Ich laufe keinen Marathon oder so, sondern immer nur eine halbe Stunde lang vier bis fünf Kilometer; die laufe ich aber nonstop durch. Danach mache ich ein paar Stretchübungen und das war’s. Dann bin ich richtig durchgeschwitzt und fühle mich gut.

Entstanden ist die Idee aus Frust. Streletzki, der beruflich ab und zu in Berlin übernachten musste, war so empört über die überzogenen Hotelpreise nach der Wende, dass er beschloss, selber zu bauen. „Ich dachte mir, wenn man da so viel Geld verdienen kannst, dann machst du das auch“, erinnert sich der Quereinsteiger.

Fünf Jahre später legt der Vollblutunternehmer nach und erweitert das Hotel für damals 100 Millionen Mark um ein Kongresszentrun, das Platz für bis zu 6000 Gäste bietet und auch als Konzerthalle dient. Plötzlich sind in der unwirtlichen Gegend Weltkonzerne wie L’Oreal, Siemens, Daimler-Chrysler und Adidas zu Gast. Es finden riesige Parteitage, Box-Weltmeisterschaften und Fernsehaufzeichnungen wie „Wetten, dass..?“ und die Bambi-Verleihung statt.

Das katapultiert den Umsatz des Hauses im ersten Halbjahr 2000 um rund 72 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf ein neues Niveau. Auf Tagungen, Unterhaltung und Übernachtungen zu setzen, zahlt sich für Streletzki aus. Er verdient nach eigenen Angaben schon bei einer Auslastung von 35 Prozent Geld. „Wir haben schon vom ersten Monat an Zins und Tilgung zahlen können“, erinnert sich der Unternehmer.

Kommentare (2)

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pro-d

28.01.2014, 18:32 Uhr

Respekt vor diesem deutschen Unternehmer, der unsere wahren Werte verkörpert und es geschafft hat, dass er in so kurzer Zeit geschafft hat.

Danke an das HB, dass hier auch etwas Positives gebracht wird.

BITTEkaufMICH

28.01.2014, 19:58 Uhr

war da nicht was???

wie wär es denn uns mitzuteilen mit wieviel zig,oder warns noch mehr millionen,sich die steuerzahler neben immensen subventionen in den anfangsjahren durch forderungsverzicht von (landes)banken am bau beteiligt hBEN:
streletzki is o.k. keine frage.

aber nur als dicker freund von helmut kohl hatte er das standing gegenüber finanziers

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