Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

31.12.2013

16:33 Uhr

Familienunternehmer William Verpoorten

„Meine Hündin kriegt keinen Eierlikör“

VonCarina Kontio

William Verpoorten führt eine Likör-Dynastie in fünfter Generation – mit einer hochprozentigen Leidenschaft. Der Unternehmer über die Verjüngung des Produkts und die Frage, ob Hunde an Silvester Alkohol bekommen sollten.

Fit hält sich William Verpoorten nicht mit Eierlikör, sondern mit einem täglichen Spaziergang am Rhein, bei dem ihn seine Hündin Lizzy begleitet. Christoph Papsch für Handelsblatt

Fit hält sich William Verpoorten nicht mit Eierlikör, sondern mit einem täglichen Spaziergang am Rhein, bei dem ihn seine Hündin Lizzy begleitet.

Bonn„Ein bisschen Facebook geht nicht“, sagt William Verpoorten und streicht sich langsam über seine dotterfabene Krawatte. „Wir wollen das von Anfang an richtig machen. Man muss sehr gut präpariert sein, bevor man den Flaschenhals öffnet. Denn wenn der Geist erstmal raus ist, kriegt man ihn nicht mehr so schnell eingefangen.“

Bis jetzt ist der Geist beim Eierlikör-Hersteller aber in der Flasche geblieben, das Unternehmen hat keine Facebook-Seite. Das Beispiel zeigt: Der 57-jährige Chef und Eigner tut sich schwer damit, sein Produkt etwa wie Jägermeister – einst Inbegriff des Muffigen und Spießigen, heute der röhrende Party-Hirsch – beim Jungvolk zu vermarkten.

Denn im Laufe seiner 137 Jahre hat sich Verpoorten so gut wie nicht verändert: Immer derselbe Slogan („Ei, ei, ei Verpoorten, ob hier und allerorten“) dieselbe Flasche, dasselbe Etikett. Sogar der Umsatz ist seit Jahren gleich (siehe: Worauf ich stolz bin).

Verpoorten blickt dennoch nicht neidisch auf das gelungene Revival von Jägermeister, bei dem er nach seiner Lehre bei der Deutschen Bank als Trainee gearbeitet hat. „Das ist für uns kein Vergleich. Unsere Marketingstrategie geht in eine andere Richtung“, so Verpoorten. Nur ganz zaghaft arbeitet der Firmenchef in fünfter Generation daran, den Eierlikör für die Nachwuchstrinker bewusst von seinem spießigen Ruf zu befreien – aus Angst die Stammtrinker zu verprellen. Er hört es aber gar nicht gerne, wenn man das Getränk als das ideale Mitbringsel für die Großtante im Pflegeheim bezeichnet.

Fakten zu Verpoorten

Gründungsjahr

Das Unternehmen wird im Jahr 1876 – als Fertigsuppen, Milchschokolade, Waschpulver und das Telefon erfunden werden – durch den Destillateur Eugen Verpoorten in Heinsberg bei Aachen gegründet, dem Ururgroßvater des jetzigen Eigentümers und Unternehmenslenkers William Verpoorten. Bis heute wird der Verpoorten-Eierlikör nach dem Original-Rezept hergestellt.

Geschichte

Das Unternehmen verlagert mehrfach seinen Standort. Nach dem 1. Weltkrieg verlegt Willi Verpoorten, Vertreter der 3. Generation, den Firmensitz im Jahr 1920 nach Berlin. Abgelöst wird der Standort 1948 durch eine Niederlassung in Straubing an der Donau, die zur Sicherung der Rohstoffbasis in den dreißiger Jahren zunächst nur als vorübergehende Zweigestelle errichtet worden war. Im Jahr 1953 verlegt Viktor Verpoorten, Sohn Willi Verportens und seit 1948 Mitinhaber, den Firmensitz nach Bonn. Der endgültige Durchbruch kommt 1961 mit dem Slogan „Ei, ei, ei, Verpoorten…“ – damit ist die Familien-Dynastie in aller Munde und hält bis heute einen Bekanntheitsgrad von über 90 Prozent. Im Jahr 2003 stirbt Victor Verpoorten im Alter von 81 Jahren und sein Sohn William Verpoorten übernimmt in der 5. Generation die Geschäftsleitung.

Eigner und Führung

Unternehmensleiter ist in fünfter Generation William Verpoorten. Das Unternehmen befindet sich zu 100 Prozent in Familienbesitz.

Produkte

Die Produktpalette wird im Laufe der Jahre immer wieder ergänzt. So vergibt Verpoorten seit 1999 auch Lizenzen an Markenhersteller aus der Back- und Süßwarenindustrie, die den Eierlikör in ihren Produkten weiterverarbeiten  – etwa 15 Prozent des Umsatzes macht das Unternehmen damit. Seit 1965 macht Verpoorten auch gute Umsätze mit dem Nebenprodukt Eiweiß, das in veredelter Form an die Back- und Süßwarenindustrie für Waffeln und Schokoküsse verkauft wird. Und neben der Marke Verpoorten produziert ein Tochterunternehmen für Handelsmarken Bananenlikör, Amaretto und Tomatensaft.

Geschäftsentwicklung

Laut den aktuellsten veröffentlichten Zahlen erwirtschaftete Verpoorten im Geschäftsjahr 2011/2012 einen Überschuss von 1,4 Millionen Euro. Im vergangenen Jahr ist der Absatz des Unternehmens um zwölf Prozent gewachsen; mehr als der Branchentrend. Der Umsatz liegt seit Jahren stabil bei 50 Millionen Euro. 75 Prozent davon macht Verpoorten in Deutschland, 25 Prozent im Ausland.

Beschäftigte und Standorte

Verpoorten hat seinen Stammsitz in Bonn. Hier werden täglich bis zu 150.000 Flaschen Verpoorten Original abgefüllt. Exportiert wird weltweit in 30 Länder. Verpoorten beschäftigt derzeit insgesamt rund 100 Mitarbeiter.

„Eierlikör ist überhaupt kein spießiges Produkt und wird von allen Generationen geschätzt“, erzählt Verpoorten im Gespräch mit Handelsblatt Online (Volltext zum Download). „Vor allem junge Leute mixen damit Drinks, verfeinern ihr Dessert oder backen Muffins und Cupcakes mit Eierlikör als Topping.“ Und fügt hinzu: „Wir haben in allen Altersgruppen eine relativ gleichmäßige Konsumenten-Verteilung.“

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×