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07.09.2016

07:29 Uhr

Family Business Barometer

Familienunternehmer sehen sich digital gerüstet

VonKatrin Terpitz

Deutschlands Familienunternehmen können digitalisieren – wenn sie denn wollen. Allerdings sehen nur wenige auch die Notwendigkeit dazu. Stattdessen sorgen sie sich um die Nachfolge, wie eine exklusive Studie zeigt.

Jedes zweite Familienunternehmen in Deutschland sieht das eigene Haus als proaktiven und gestaltenden Vorreiter, wenn es um die Digitalisierung geht. dpa

Digitaler Wandel

Jedes zweite Familienunternehmen in Deutschland sieht das eigene Haus als proaktiven und gestaltenden Vorreiter, wenn es um die Digitalisierung geht.

DüsseldorfDas Familienunternehmen Seca in Hamburg hat Tradition. 1840 gründete Schlossermeister A.C.C. Joachims die allererste Waagenfabrik in Deutschland. Heute ist das Unternehmen in vierter Generation mit großem Abstand Weltmarktführer für medizinische Waagen. Die Brüder Robert und Frederik Vogel könnten sich auf ihren Lorbeeren ausruhen.

Doch bevor sie Getriebene der Digitalisierung werden, treiben sie lieber den digitalen Wandel der Branche selbst voran. Viel Kraft haben sie investiert, von einer Hardware- zu einer Softwarefirma zu werden. Dafür haben sie ein völlig neues, digitales Gerät zur Bioimpedanz-Analyse entwickelt. Das misst nicht nur das Gewicht, sondern kann auch die Masse an Fett, Muskeln und Wasser im Körper bestimmen. Für die Traditionsfirma ein gewagter, aber notwendiger Schritt in die digitale Zukunft.

Damit steht Seca nicht alleine. „Die deutschen Familienunternehmen gehen mit der Digitalisierung durchaus selbstbewusst um“, sagt Lutz Goebel, Präsident des Verbands Die Familienunternehmer. 60 Prozent der deutschen Familienunternehmen sehen in ihrem Haus eine hohe Kompetenz für die digitalen Veränderungen in ihrem Unternehmen.

Das ist das Ergebnis des fünften Family Business Barometers. Die Umfrage wurde von der Beratung KPMG, dem Europäischen Verband der Familienunternehmen (EFB) und dem Verband Die Familienunternehmer durchgeführt. Europaweit beteiligten sich knapp 1000 Familienunternehmen, in Deutschland nahmen 142 Betriebe teil.

Erstmals wurden die Firmen dabei zur Digitalisierung befragt. Das Fazit: Immerhin fast jeder Zweite (46 Prozent) sieht das eigene Unternehmen als proaktiven und gestaltenden Vorreiter, wenn es darum geht, Prozesse digital anzupassen. Nur 28 Prozent betrachten das eigene Unternehmen in dieser Frage als eher reagierend und getrieben von den aktuellen Entwicklungen. Vera-Carina Elter, Bereichsvorstand Familienunternehmen bei KPMG in Deutschland, bringt es auf den Punkt: „Deutschlands Familienunternehmen können digitalisieren, wenn sie denn wollen. Aber viele glauben, dass sie es derzeit noch gar nicht müssen.“

Denn 76 Prozent der Befragten gehen davon aus, dass die Digitalisierung ihre Wertschöpfungskette aktuell gar nicht oder nur in geringem Umfang verändern wird. „Von grundlegenden Änderungen gehen derzeit nur zwölf Prozent der deutschen Familienunternehmer aus“, sagt Elter. Ein überraschendes Ergebnis, das zu denken gibt.

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