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01.10.2013

15:10 Uhr

Fernsehhersteller

Loewe jetzt in der Insolvenz

Der Luxus-Fernsehhersteller Loewe reicht einen Insolvenzantrag ein. Bei der Sanierung setzt das Unternehmen auf den Einstieg eines Investors. Mit einigen Entscheidungen hat sich die Firma für die Rettung aufgehübscht.

Schalter an einem Loewe Flachbildfernseher: Mit Preissenkungen will die Firma das Geschäft ankurbeln. dpa

Schalter an einem Loewe Flachbildfernseher: Mit Preissenkungen will die Firma das Geschäft ankurbeln.

MünchenDer traditionsreiche TV-Hersteller Loewe ist pleite. Das Amtsgericht Coburg stimmte einem Insolvenzverfahren in Eigenregie zu, wie das oberfränkische Unternehmen am Dienstag mitteilte. Noch hofft Loewe-Chef Matthias Harsch auf einen rettenden Investor für die Firma mit ihren rund 650 Mitarbeitern. Die Verhandlungen mit Interessenten liefen, sagte er der Nachrichtenagentur Reuters. „Ohne Investor ist es natürlich aus.“ Loewe leidet unter einer Absatzflaute und der harten Konkurrenz asiatischer Hersteller wie Samsung und LG Electronics aus Korea. Seit Jahren werden Verluste geschrieben.

Im Gegensatz zu einer herkömmlichen Pleite wird dem 90 Jahre alten Erfinder des elektronischen Fernsehens kein externer Insolvenzverwalter an die Spitze gesetzt. Die Geschäftsführung darf unter den Augen eines Sachwalters selbst versuchen, die Wende zu schaffen. Harsch sieht gute Chancen für eine Rettung in letzter Minute. In Frage kommen reiche Familienunternehmer oder auf Deutschland spezialisierte Finanzinvestoren.

„Wir haben sechs Angebote von Investoren, über die wir in den kommenden vier Wochen entscheiden“, sagte Harsch. „Es gibt eine extrem hohe Wahrscheinlichkeit, dass wir bis Ende Oktober einen neuen Investor haben werden.“ Dem Gläubigerausschuss werde ein Sanierungsplan vorgelegt, in dem ein neuer Geldgeber vorgesehen sei. Das operative Geschäft sei bis etwa Jahresende finanziert. An der Börse flohen die Anleger in Scharen, die Loewe-Aktie sackte um ein Drittel auf gut vier Euro ab. Um sich für den Investoren-Einstieg attraktiver zu machen, hat das Unternehmen zuletzt den Abbau von 150 weiteren der zuletzt 800 Arbeitsplätze angekündigt. Schon in den vergangenen Jahren hatte das Unternehmen immer wieder Stellen abgebaut.

Diese Unternehmen haben das Schutzschirmverfahren genutzt

Ablauf

Das Unternehmen hat im Schutzschirmverfahren maximal drei Monate Zeit einen Insolvenzplan aufzustellen. Der muss dann vom Gericht und vom Sachwalter abgenickt werden.

Voraussetzungen

Voraussetzung für das Schutzschirmverfahren ist, dass eine Zahlungsunfähigkeit droht oder das Unternehmen überschuldet ist. Das Unternehmen darf aber nicht bereits zahlungsunfähig sein und die angestrebte Sanierung muss aussichtsreich sein. Ein Wirtschaftsprüfer, Rechtsanwalt oder Steuerberater muss bescheinigen, dass diese Voraussetzungen erfüllt sind.

Suhrkamp

Einer der prominentesten Unternehmen, die das Schutzschirmverfahren genutzt haben, ist der Traditionsverlag Suhrkamp. Im Mai schlüpfte er unter den Schirm, Anfang August folgte dann der Eintritt in die Insolvenz. Laut Sanierungsplan soll die Kommanditgesellschaft in eine Aktiengesellschaft umgewandelt werden, um den Einfluss der Gesellschafter zu reduzieren. Die Streitereien unter den Unternehmenseignern gelten als Grund für die Schieflage des Unternehmens.

Loewe

Der Fernsehgerätehersteller Loewe hat Mitte Juli Gläubigerschutz beantragt und schlüpfte unter der Schutzschirm. Nun hofft er auf die Hilfe asiatischer Investoren, um binnen der drei Monate 50 Millionen Euro aufzutreiben. Findet Loewe unter dem Schutzschirmverfahren keinen neuen Geldgeber, steht das Ende bevor.

Centrotherm

Im Juli 2012 hatte der Maschinenbauer als eines der ersten Unternehmen ein sogenanntes Schutzschirmverfahren beantragt. Es folgte ein Insolvenzverfahren. Anfang Juni 2013 hob das Amtsgericht Ulm das Verfahren auf, die Sanierung des Unternehmens geht weiter.

Hein Gericke

Im August 2012 beantragte Hein Gericke die Aufnahme in ein Schutzschirmverfahren. Mithilfe eines Sanierungskonzeptes wollte der Händler von Motorrad-Zubehör alle 288 Arbeitsplätze im In- und Ausland sichern.

Solarwatt

Solarwatt musste im Juni 2012 das Schutzschirmverfahren beantragen. Das Unternehmen war überschuldet. Zunächst vollzog das Unternehmen einen Schuldenschnitt und setzte das Grundkapital auf null herab. Der bereits vorher beteiligte BMW-Erbe Stefan Quandt bot schließlich ein Gesellschafterdarlehen von fünf Millionen Euro an und hält heute 90 Prozent der Anteile.

IVG Immobilien

Die Immobilienfirma hat am 20. August 2013 ein Schutzschirmverfahren begonnen. Grund: Eine Einigung über einen Forderungsverzicht mit einer Vielzahl an Gläubigern war nicht zustande gekommen.

Bereits im Sommer drohte den Kronachern, die seit Jahren Verluste schreiben, das Geld auszugehen. Loewe legte daher am 16. Juli ein Schutzschirmverfahren beantragt. Auch wenn der Name aber Anderes suggeriert: Dieses Verfahren endet meistens in der Eröffnung der Insolvenz. Dennoch hat das Schutzschirmverfahren im Vergleich zum konventionellen Insolvenzverfahren Vorteile. Die Unternehmensleitung darf unter dem Schutzschirm weiter die operativen Geschäfte führen und kann den Sanierungsplan innerhalb des drei Monate währenden Verfahrens selbstständig aufstellen. Gleichzeitig ist die Firma vor dem Zugriff der Gläubiger geschützt.

Mit der nun folgenden Planinsolvenz ist Loewe seine Gläubiger los, das Unternehmen formal entschuldet. Im Gegensatz zu einer herkömmlichen Pleite wird dem Erfinder des elektronischen Fernsehens kein Insolvenzverwalter an die Spitze gesetzt. Die Geschäftsführung darf unter den Augen eines Sachwalters selbst versuchen, die Wende zu schaffen. (Die Unterschiede von Insolvenz- und Schutzschirmverfahren erklärt)

Kommentare (12)

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Account gelöscht!

01.10.2013, 11:26 Uhr


Zitat : Loewe jetzt in der Insolvenz

- das Geschäftsmodell der Design-Veredelung der immer schnelllebigen Elektronik hat sich wohl überholt !

Eine edle Verpackung mit einem minderwertigen Inhalt läßt sich immer schlechter verkaufen !

maui

01.10.2013, 11:35 Uhr

Hatte viele Jahre lang einen Loewe-Fernsehen und war damit sehr zufrieden. Als irgendwann doch Ersatz fällig war, traf ich beim Markt-Screening auf Prohibitivpreise bei Loewe. So ist es dann, obwohl ich eigentlich gern europäische Anbieter unterstütze, ein Sony Bravia geworden. In Design und Technik auf gleichem Level, aber 60 Prozent billiger... Fazit: Wer Preispolitik nicht beherrscht und die Schraube überdreht, verschwindet vom Markt. Schade um die Produkte und schade für die Mitarbeiter.

Tiger

01.10.2013, 11:41 Uhr

Gut gebrüllt LOEWE!

Wer kauft schon Fernseher für mehrere Tausen EURO, hä?!

Design ist nicht alles!!!

Abgesehen davon, auch die deutlich preiswerteren Geräte aus Fernost haben schickes Design.

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