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10.04.2006

15:00 Uhr

Firmenratings

Noten für das Management

VonPeter Köhler

"Nach Rating drängt, am Rating hängt doch alles" könnte man in Abwandlung von Goethes "Faust" ausrufen. Kaum etwas bewegt die Banken und den Mittelstand derzeit so sehr wie die Bonitätsnoten für die Unternehmen. Dabei ist das Thema nicht gerade leichte Kost für die Firmenlenker, die Unübersichtlichkeit ist groß.

FRANKFURT. Es fängt schon damit an, dass es einerseits interne Beurteilungen der Banken gibt, andererseits externe Ratings der professionellen Agenturen. Doch damit nicht genug: Jede Bank hat - ebenso wie die Finanzverbünde der Sparkassen und Genossen - ihr eigenes System entwickelt, es fehlt ein einheitlicher Standard. "Das Problem ist die Verschiedenheit der einzelnen Ratingmodelle. Ein externes Rating ist grundsätzlich nicht mit einem bankinternen Rating vergleichbar. Und wer ein Rating bei einer Großbank hat, wird es bei den Sparkassen nicht unbedingt anerkannt bekommen", sagt Stefan Hirschmann, Ratingfachmann vom Kölner Bank-Verlag.

Einig sind sich die meisten Experten, dass das interne Rating für den breiten Mittelstand in der Regel maßgeblich und für 95 Prozent der Firmen ausreichend ist. Nur wer an den Kapitalmarkt will oder Eigenkapital von Finanzinvestoren anstrebt, muss sich auch um externe Ratings von Standard & Poor?s, Moody?s oder Fitch kümmern. Das ist nicht zuletzt eine Preisfrage. Ein ordentliches externes Rating kostet durchschnittlich rund 30 000 Euro.

Dagegen sind die internen Noten der Banken mit den neuen Eigenkapitalvereinbarungen (Basel II) unabdingbar geworden. Die Höhe des zu hinterlegenden Eigenkapitals durch Banken wird nicht mehr pauschal festgelegt, sondern von den individuellen Risiken der einzelnen Geschäftsverbindungen abhängig gemacht. Ein präzises - im Fachjargon "trennscharf" genanntes - Rating ermöglicht den Instituten eine risikogerechte Festlegung des Zinssatzes. Vor diesem Hintergrund sammeln etwa die Sparkassen, die hier zu Lande nach eigenen Angaben gut 43 Prozent der mittelständischen Kreditversorgung bestreiten, schon seit rund einem Jahr die Firmendaten von ihren Instituten und den Landesbanken. "Wir haben heute für rund 800 000 Unternehmen insgesamt 1,5 Millionen Ratings vergeben. Viele Unternehmen sind bereits mehrfach geratet worden", sagt Ralf Goebel, Geschäftsführer der Sparkassen Rating und Risikosysteme GmbH. Auf der Grundlage von Ausfallwahrscheinlichkeiten werden die Firmen bei den Sparkassen in 18 Klassen eingeteilt.

In die Ratings fließen quantitative Faktoren wie Bilanzen sowie Gewinn- und Verlustrechnungen ein. Sehr wichtig sind auch die qualitativen Beurteilungen über die Produkte, den Markt und die Wertschöpfung. "Das A und O ist aber die Qualität des Managements", erläutert Goebel. Diese machen die Sparkassen neben der fachlichen Ausbildung beispielsweise an Fragen zur Marktsituation fest. Hat das Management ein Konzept, wo das Unternehmen im Markt steht und wohin es sich entwickeln will, wird das positiv bewertet. Auch so selbstverständliche Dinge wie Debitorenmanagement und Investitionsrechnungen seien wichtige Kriterien, ergänzt Goebel.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Das große Geheimnis der Banken.

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