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09.01.2010

09:00 Uhr

Franchise-Systeme

Wenn Philosophen zu Pizza-Bäckern werden

VonTil Knipper

Franchisesysteme wachsen in der Krise kontinuierlich und bieten Akademikern den vereinfachten Schritt in die Selbstständigkeit. Insbesondere Geisteswissenschaftler, deren Aussichten auf dem Arbeitsmarkt eher schlecht sind, können sich Chancen ausrechnen. Entscheidend: Gesucht werden Unternehmer und keine Filialleiter.

Von der Stange, aber lecker: Franchise-Systeme bieten Jungunternehmern gute Einstiegschancen. ap

Von der Stange, aber lecker: Franchise-Systeme bieten Jungunternehmern gute Einstiegschancen.

DÜSSELDORF. Zwölf Stunden hat Elisabeth Mertes gestern wieder am Ofen gestanden und Pizzen gebacken. Die 25-jährige Studentin der Theaterwissenschaften hat sich 2006 in Gießen parallel zu ihrem Studium als Franchisenehmerin von Joey?s Pizzaservice selbstständig gemacht. Sie hat sechs fest angestellte Mitarbeiter und einen Azubi und erwirtschaftet mit Pizza, Pasta und Salaten einen Jahresnettoumsatz von 600 000 Euro. Nächstes Jahr will sie ihr Studium beenden und spielt bereits mit dem Gedanken, dann einen zweiten Joey?s-Laden zu eröffnen.

Mertes ist eine von über 100 000 Franchisenehmern in Deutschland. Diese Form der Selbstständigkeit wird immer populärer. Zu den bekanntesten Franchisenehmern gehört Henry Maske, der im Rheinland mehrere McDonald?s-Restaurants betreibt. Die Branche wächst seit Jahren und erweist sich selbst 2009 als äußerst krisenresistent. Nach Prognosen des Instituts für Markenfranchise steigt der Umsatz der Branche dieses Jahr um 7,6 Prozent auf 67,2 Milliarden Euro. Franchise wird auch für Hochschulabsolventen und Berufseinsteiger immer attraktiver. Zumal die Prognosen auf dem Arbeitsmarkt auch für 2010 eher düster sind.

Auch wenn Franchise hierzulande oft als Unternehmertum zweiter Klasse belächelt wird, bietet es Existenzgründern Vorteile. Gegen die Zahlung einer einmaligen Lizenzgebühr am Anfang und einer prozentualen Umsatzbeteiligung an den Franchisegeber, kann der Gründer dessen erprobtes Geschäftsmodell und eine bekannte Marke übernehmen.

In der Regel sind die Investitionskosten überschaubar und Banken finanzieren lieber Franchisenehmer, weil die Ausfallrisiken geringer sind als bei anderen Gründern. "Deswegen ist es auch gerade für Absolventen sinnvoll, sich mit einem guten System selbstständig zu machen, weil man auf ein bewährtes Konzept zurückgreift und nicht alles selbst erfinden muss", sagt Felix Peckert, der sich mit seiner Unternehmensberatung auf Franchise spezialisiert hat.

Schlechte Aussichten für Geisteswissenschaftler auf dem Arbeitsmarkt waren auch für Elisabeth Mertes die Hauptmotivation, ihr Heil in der Selbstständigkeit zu suchen. "Mein Lebensgefährte hat sich für eine akademische Laufbahn entschieden, da musste ich ja etwas Handfestes machen", sagt die pragmatische Mertes.

Kommentare (4)

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B. Giertz

09.01.2010, 12:35 Uhr

Es gibt ein ganz einfaches Kriterium !
Der Franchise-Geber wird am Umsatz beteiligt,
egal ob der Franchise-Nehmer Gewinn macht oder nicht !!
Und das ist in meinen Augen einfach betrug + Ausbeutung - Punkt !!!

Würde der F-Geber nur am Gewinn beteiligt, dann würde er sich die F-Nehmer auch gebauer anschauen und vor allem besser beraten.
Er wäre dann auch bei den Prognosen vorsichtiger.
Dazu braucht man aber eine gesetzliche Regelung.

Klanck

09.01.2010, 21:05 Uhr

Was bitte ist ein bDA-Konto?

Maxi

09.01.2010, 22:28 Uhr

Die Aussagen von Herrn Peckert sind nicht nach vollziehbar. Es gibt Systeme, die so kleine und schlechte Gebiete habe, so dass ca. von 60 FN nur 10 davon leben kann. Hier können die 50 FN nicht alle unfähig sein. Ein System muss mindestens 70-80% Prozent der FN soweit bringen, das diese gut damit zurecht kommen. Das System, das ich meine kommt aus der bausanierung.

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