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23.02.2011

22:08 Uhr

Fremdsprachen als Hürde

Wenn Übersetzer zu teuer sind

VonThomas Mersch

Vernünftige Übersetzungsdienstleister kommen den Mittelständler oft teuer zu stehen. Doch fehlerhafte Dokumente sind für die Kommunikation über Landesgrenzen hinweg auch nicht zuträglich. Standardisierung kann helfen.

Produkte des Herstellers für Temperaturmesstechnik Wika: Das Unternehmen betreibt hohen Aufwand wenn es um Übersetzungen geht. Quelle: ap

Produkte des Herstellers für Temperaturmesstechnik Wika: Das Unternehmen betreibt hohen Aufwand wenn es um Übersetzungen geht.

KölnDie Freude über die vermeintliche Steuerbefreiung währte nicht lange. In der technischen Dokumentation konnte der russische Kunde einer deutschen Handelsfirma für Elektromotoren zwar klipp und klar lesen: „ohne steuerliche Zusatzlasten“. Doch gemeint war etwas anderes. „Ohne axiale Zusatzlasten“ stand im Originaldokument – ein Hinweis für Techniker, nicht für das Finanzamt. Diese Bedeutung ging bei der Übersetzung ins Russische jedoch verloren. Dass seine Betriebsanleitungen im Ausland stellenweise mehr verwirrten als weiterhalfen, merkte der Motorhändler erst, als er einen unabhängigen Übersetzungsdienstleister mit der Überprüfung seiner fremdsprachigen Texte beauftragte. „Der Fehler passierte, weil dem Übersetzter jegliches technische Know-how fehlte“, sagt Michael Sticher, der für den Hamburger Anbieter 24translate tätig ist.

Der mittelständisch geprägte Maschinenbau setzt fast drei Viertel der Produktion außerhalb der Landesgrenzen ab. Neben den Produkten muss er auch mit der Kommunikation überzeugen – doch das fällt nicht immer leicht: „Kosten für Übersetzungen erweisen sich für kleinere Anbieter als ernsthafte Hürde“, sagt Thomas Kraus, Referent für Produktsicherheit beim Maschinenbauverband VDMA.

EU lässt sich nicht erweichen

Die Anforderungen sind hoch. So schreibt die EU in ihrer Maschinenrichtlinie vor, dass Betriebsanleitungen innerhalb Europas in die Sprache des Abnehmers übertragen werden müssen. Vier- bis fünfstellige Summen fallen dafür laut Kraus an – ein hoher Aufwand bei Produkten mit einer Vielzahl von Varianten. Versuche, die EU-Kommission davon zu überzeugen, dass Vertragsparteien sich darüber einigen dürfen, in welcher Sprache eine Betriebsanleitung abgefasst wird, sind laut Kraus gescheitert. Der Übersetzungsbedarf steigt in der EU nach Angaben des Bundesverbands der Dolmetscher und Übersetzer (BDÜ) jährlich um zehn Prozent.

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