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03.06.2013

17:21 Uhr

Frühjahrsumfrage

Familienunternehmen werden skeptischer

VonTobias Döring

ExklusivDie schwächere Wirtschaftsdynamik kommt bei den familiengeführten Firmen an, sie beurteilen ihre Lage zunehmend schlechter. Auch international aufgestellte Unternehmen haben es schwerer. Vieles hängt an der Euro-Krise.

Wasserhahn von Hansgrohe: „Im Vergleich zum dynamischen Wachstum hat sich das Geschäft ein Stück weit normalisiert“. picture-alliance / Patrick Seege

Wasserhahn von Hansgrohe: „Im Vergleich zum dynamischen Wachstum hat sich das Geschäft ein Stück weit normalisiert“.

DüsseldorfHansgrohe verkauft Armaturen und Brausen in aller Welt. Dank seiner internationalen Ausrichtung ist das Familienunternehmen bislang gut durch die Krise gekommen – doch das Geschäft wird schwieriger: „Wir sind 2013 auch gut unterwegs, aber im Vergleich zum dynamischen Wachstum hat sich das Geschäft ein Stück weit normalisiert“, sagt ein Unternehmenssprecher. Vor allem in den Krisenländern Europas sei es äußerst schwierig, Zuwächse zu erzielen. In Spanien und Italien habe man Einbußen. „Doch noch können wir das mit unserem übrigen Europa-Geschäft kompensieren“, sagt der Sprecher.

Damit ist Hansgrohe ein Paradebeispiel, denn die größten familiengeführten Firmen beurteilen die wirtschaftliche Lage zunehmend schlechter. Das geht aus der Frühjahrsbefragung der Deutschen Bank und des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI) hervor, die Handelsblatt Online exklusiv vorliegt. 54 Prozent schätzen die Lage als „gut“ oder „sehr gut“ ein – das sind gut fünf Prozentpunkte weniger als im Herbst. Rund 41 Prozent gehen von „befriedigenden“, gut fünf von „schlechten“ oder „sehr schlechten“ Geschäften aus.

Im Vergleich zum Vorjahr wird die Skepsis besonders deutlich: Damals sprachen noch 73 Prozent von einer „guten“ oder „sehr guten“ Lage. „In einigen Branchen gibt es bereits eine Abkühlung, der Frost ist aber noch nicht angekommen“, sagt Professor Brun-Hagen Hennerkes, Vorstand der Stiftung Familienunternehmen, Handelsblatt Online.

Die Stabilisierung der Wirtschaft in der Euro-Zone geht langsamer als erhofft voran, das merken die Unternehmen. Auch EZB-Chef Mario Draghi gesteht ein: „Die wirtschaftliche Situation im Euro-Raum ist weiterhin schwierig, aber es gibt ein paar Anzeichen für eine mögliche Stabilisierung“, sagte Draghi am Montag auf einer Konferenz in Shanghai. Die Europäische Zentralbank (EZB) gehe daher weiterhin von dem Szenario aus, dass gegen Ende des Jahres eine Erholung „sehr allmählich“ einsetzen werde. Mehrere Institute haben ihre Prognosen für das deutsche Wirtschaftswachstum nach unten korrigiert, zuletzt schraubte auch der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) die Vorhersage herunter.

Die Euro-Krise bleibt daher das bestimmende Thema, obwohl sie weniger Familienunternehmen bei ihren Geschäften beeinflusst. Gut die Hälfte der befragten Firmen stellt immer noch einen negativen Einfluss der Krise auf ihre Geschäftstätigkeit fest, das sind aber zehn Prozentpunkte weniger als vor einem halben Jahr. Der Erhalt des Euro steht bei den Unternehmen an erster Stelle der wirtschaftspolitischen Handlungsfelder. Für vier von fünf befragten Firmen hat die Stabilisierung der Gemeinschaftswährung eine „hohe“ oder „sehr hohe“ Priorität. Die Firmen wünschten sich „ein reibungslos funktionierendes Währungssystem ohne verdeckte Kosten“, sagt Hennerkes.

Kommentare (10)

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neueswachstumnotwendig

03.06.2013, 17:35 Uhr

Die Familienunternehmer wissen doch längst, wo das Hauptproblem in Deutschland liegt...

Zur Absicherung der Zukunft Deutschlands mit neuem Wachstum ist nunmehr auch die Finanzpolitikwende dringend erforderlich. Deshalb ist ein “Schlanker Staat“ wichtiger als Steuererhöhungen. Das gilt mit oder ohne den EURO.

Die zügellose Plünderung der Staatskassen durch den aufgeblähten Politik- und Beamtenapparat, der seit Jahrzehnten reformunwillig zur Wahrung von Eigeninteressen seinen Personalstand und seine Bezüge aufstockt, führt nach den weltweiten volkswirtschaftlichen Erkenntnissen auch bei uns zum Staatsbankrott. Der dringende Reformbedarf bei unseren verkrusteten und viel zu teuren staatlichen Strukturen in der BRD wird mit der Wende in der Finanzpolitik nunmehr angepackt. Zielsetzung ist die Reduzierung der Staatsquote von heute über 50% auf verträgliche 30% wie in anderen wirtschaftlich erfolgreichen und fortschrittlichen Staaten.


1--Die Gehälter aller Staatsbediensteten werden in dem 4-jährigen finanzpolitischen Wende- Programm pro Jahr um 10% gekürzt auf insgesamt 60% der heutigen Personalkosten. Das entspricht dem Zielwert von 100 Milliarden EURO statt unverantwortliche 160 Milliarden EURO aktuell.

2--Von den jährlich eingesparten 60 Mia Euro wird eine Hälfte (30 Mia EURO) in die überfällige Entschuldung unserer Staatsfinanzen und in den dringend erforderlichen Autobahnneubau investiert.

3--Die übrigen 30 Mia EURO werden in Steuersenkungen zum Ausgleich der seit Jahren am Parlament vorbei und illegal abkassierten Steuern durch die Kalte Progression investiert.

Dann werden die flexiblen unter den Staatsbediensteten von sich aus wertschöpfende Jobs in der freien Wirtschaft annehmen. Der verbliebene unflexible Bodensatz wird dann deutlich kostengünstiger und effizienter mit den nötigen Verwaltungsaufgaben beschäftigt.

Account gelöscht!

03.06.2013, 17:46 Uhr

"Der Erhalt des Euro steht bei den Unternehmen an erster Stelle der wirtschaftspolitischen Handlungsfelder."

Dann sollen sie bitte auch die Kosten dafuer tragen und nicht zusehen, wie Steuerzahler, Sparer und Menschen mit ihrer Altersvorsorge dafuer aufkommen muessen.

Account gelöscht!

03.06.2013, 17:49 Uhr

Der mündige deutsche Bürger, Wähler und Steuerzahler, soweit er sich noch nicht zum bloßen Steuermichel vertrotteln ließ, ist schon seit längerer Zeit skeptisch, sogar schon länger als die Familienunternehmer, die erst jetzt merken, wohin die Reise im Tunnel geht. Da ist kein Licht am Ende desselben.

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