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28.07.2012

10:02 Uhr

Gastbeitrag

Existenzgründung durch Betriebsübernahme

VonMichael Grote

Viele Führungskräfte träumen ein Leben lang von der eigenen Selbstständigkeit - ohne dass die Umsetzung jemals in greifbare Nähe rückt. Das es auch anders geht, weiß Michael Grote, Experte für Unternehmensnachfolge.

Damit man das passende Unternehmen findet, sollte man viel Zeit einplanen. dpa

Damit man das passende Unternehmen findet, sollte man viel Zeit einplanen.

HamburgViele Führungskräfte und High Potentials fragen sich: Soll ich mein Engagement und meine Energie nicht besser in ein eigenes Unternehmen investieren? In diesen Fällen begleitet der Traum den Wunschunternehmer sein ganzes Leben lang, ohne dass die Umsetzung auch nur annähernd in greifbare Nähe rückt. Der Grund dafür ist ebenso einfach wie stichhaltig: Es fehlt die Zeit, sich neben Beruf und Familie um ein weiteres zeitintensives Thema zu kümmern.

Tatsächlich berichten erfolgreiche Unternehmenskäufer von jahrelangen Suchen mit höchstem persönlichem Einsatz. Selten war die Suche unter drei Jahren erfolgreich, häufig haben sich die potentiellen Käufer die Suche nach einer Unternehmensnachfolge als Vollzeitjob auf die Fahne geschrieben, um endlich das passende Unternehmen zu finden.

Vor und Nachteile beim Unternehmenskauf

Kosten

Kosten der Unternehmensnachfolge sind häufig niedriger als empfunden. Noch immer lassen sich viele Existenzgründer vom vermeintlich hohen Finanzierungsbedarf eines Unternehmenskaufs abschrecken und gründen stattdessen lieber ein Start-up. Die Gründer vergessen bei ihrer Betrachtung jedoch meist die Anlaufverluste. Während das Start-up häufig zwei bis drei Jahre lang Verluste produziert, generiert das gekaufte Unternehmen von Anfang an Gewinne. Je nach Branche und individueller Situation des Unternehmens sollte der jährliche Vorsteuergewinn zwischen 15 Prozent und 30 Prozent des Kaufpreises liegen, der Kaufpreis sollte sich somit selbst finanzieren.

Geschäftsmodell

Unternehmensnachfolge schließt ein erprobtes Geschäftsmodell ein: Während sich das neue Geschäftsmodell des Gründers erst in der Praxis bewähren muss und auch die Kunden- und Lieferantenbeziehungen noch ungefestigt sind, kann der Käufer im Rahmen einer Unternehmensnachfolge auf ein erprobtes Geschäftsmodell aufsetzen. Überraschungen sind zwar auch bei der Unternehmensnachfolge nicht ausgeschlossen, aber wesentlich unwahrscheinlicher als bei der Unternehmensgründung.

Organisation

Bestehende Organisation bietet Vor- und Nachteile: Auch hinsichtlich der Unternehmensorganisation und der Mitarbeiterschaft kann der Käufer auf bestehende Strukturen zurückgreifen. Zu den Vorteilen –eingespielte Abläufe, gewachsene Teamstrukturen und gefestigte Beziehungen der Mitarbeiter zu Kunden und Lieferanten – gesellen sich in diesem Bereich allerdings potentielle Probleme. So kommt es häufig zu Problemen bei der Anpassung an den neuen Eigner. Auch können sich vorhandene Mitarbeiter in eingefahrenen Strukturen bequem eingerichtet haben, so dass Modernisierungspläne oder neue Wege zunächst nicht immer auf Begeisterung stoßen.

Finanzierung

Herausforderung Finanzierung der Unternehmensnachfolge: In den seltensten Fällen wird der zukünftige Unternehmer aus eigener Kraft das nötige Eigenkapital für eine Übernahme aufbringen können. So wird in der Regel ein Bankdarlehen der wesentliche Finanzierungsbaustein für die Zukunft sein. Aber es gibt auch Alternativen, beispielsweise ist die Zusammenarbeit mit einer privaten Beteiligungsgesellschaft denkbar, die dem Jungunternehmer neben dem Kapital auch mit Erfahrung, Know-how und aktiver Beratungsleistung zur Seite steht. Außerdem stellen die 18 Bürgschaftsbanken in den einzelnen Bundesländern Fördermittel bereit und begleiten das Finanzierungsvorhaben mit Bürgschaften und Bankgarantien.

Das sogenannte Earn-out-Modell ist eine weitere Möglichkeit zur Firmenübernahme. Hierbei zahlt der Käufer nur einen Teil des Kaufpreises sofort. Im Gegenzug behält der Verkäufer eine Minderheitsbeteiligung an seinem Unternehmen. Im Kaufvertrag werden dann weitere Zahlungen festgelegt, deren Höhe von den zukünftigen Gewinnen abhängt. Im Regelfall dauert die Earn-out-Periode maximal fünf Jahre.

Risiko

Unternehmensnachfolge minimiert das Risiko: Insgesamt überwiegen also bei einer Unternehmensübernahme die Vorteile für den Nachfolger. Er übernimmt einen bestehenden Kunden- und Lieferantenstamm, erfahrenes Personal und eingespielte Prozesse, die sich in der Regel über Jahre hinweg bewährt haben. Die Aussichten für eine erfolgreiche Fortführung des Unternehmens sind – fachliche und persönliche Eignung des Nachfolgers vorausgesetzt – auf dieser Grundlage exzellent und Erfolg versprechend.

Ein Weg, der nur den wenigsten Käufern offensteht, will doch die Familie versorgt und der Lebensunterhalt verdient sein. Genau an diesem Punkt enden die meisten Suchen auch schon wieder. Ein kurzes Strohfeuer von Aktivität verpufft ergebnislos, zurück bleibt der ewige Gedanke, etwas verpasst zu haben.

Will der Nebenerwerbssuchende erfolgreich sein, so muss er eine realistische Planung aufstellen. Die wichtigste Einsicht: Die Suche nach einer Unternehmensnachfolge dauert mindestens ein bis zwei Jahre. Das Vorgehen muss so angelegt sein, dass der Suchende das Zusatzpensum über diesen langen Zeitraum bewältigen kann. Das kann nur gelingen, wenn der suchende Unternehmer frühzeitig die Hilfe eines erfahrenen Beraters in Anspruch nimmt und die Suche weitestgehend automatisiert abläuft.

Gastbeitrag: Mit der gekauften Firma eine Existenz gründen

Gastbeitrag

Mit der gekauften Firma eine Existenz gründen

Warum mühsam neu gründen, wenn man sich auch eine kerngesunde Firma kaufen kann? Viele Mittelstandsbetriebe stehen zum Verkauf - das macht den Start in die Selbstständigkeit zu einem kalkulierbaren Risiko.

So kontrovers die Diskussion über die Qualität von Beratern im Allgemeinen auch geführt werden mag, fest steht: Der Neuling sollte sich an einen Branchenexperten wenden. Unternehmenssuche und -kauf sind ein eigenes Geschäft mit eigenen Spielregeln. Das Salär eines qualifizierten Beraters wird letztlich immer geringer ausfallen als die Kosten des eigenen Versuchs und Irrtums.

Gemeinsam mit dem Berater können Potentiale, Ziele und Wünsche des potentiellen Käufers systematisch erfasst werden: Auf dieser Basis lässt sich dann ein Profil passender Zielunternehmen erstellen und eine systematische Suche einleiten.

Kommentare (3)

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LowPlusPlusPotential

28.07.2012, 13:24 Uhr

Wer einen Berater dafür braucht, sollte sich fragen, ob er für seine Ideen geeignet ist.

DrCoaleonesErbengemeinschaft

28.07.2012, 16:52 Uhr

Die allererste Frage die ein Berater anbringt, auf die müssen sich die ExistenzgründerINnen immer gefaßt machen, sind Sie für eine Selbständigkeit geeignet. Dazu gehört in fast allen Fällen das oK der Ehefrau bzw. der Familie oder Freundin/Lebensgefährtin.

Anders herum wird ein Schuh draus. Der Ihnen eine solche Frage stellt, dem brauchen Sie die Frage, ober der Berater für seine Ideen geeignet ist, erst gar nicht zu stellen.

Im Bedarfsfall lehnt er nämlich eine Zusammenarbeit ab.

bernd

28.07.2012, 22:58 Uhr

Wir beraten MBI`s/MBO´s für KMU (ab 1.0 Mio. € KP und ab 500 T€ pers. EK) seit 1999 und haben ca. 10 Jahre M&A-Erfahrung aus Konzern. Mitglied im BDU e.V./IACVA e.V.. Nach unserer Erfahrung realisieren nur ca. 1–2% aller latenten MBI`s ihren Traum einer Unternehmensnachfolge / -kaufes, d.h. ca. 98-99% scheitern an:

(a) Eigenkapital
(b) persönlich-unternehmerischen Fähigkeiten für KMU
(c) strategischem - methodischem Vorgehen zur Geschäftsübernahme
(d) Einsicht und Möglichkeiten in die eigene Selbstständigkeit auch erheblich Zeit + Geld investieren zu müssen bzw. zu können
(e) Unverständnis der geschäftsnormalen Realität als KMU-Unternehmer

a) Die Mehrheit unterschätzt den Gesamtkapitalbedarf aus Kaufpreis + Besicherung Umlaufkapital + Kaufkosten eines „nachhaltig ertragreichen“ Unternehmens

b) Die Mehrheit unterschätzt die fachübergreifenden Anforderungen der GS-GF in KMU, i.e. technische + kaufmännische Leitung der Firma, auch ohne oder bedingter 2ter und 3ter Führungsebene

c) Die Mehrheit ist nicht in der Lage, persönliches Erfahrungs- + Fähigkeitsprofil, inkl. Branchen-know-how, in einen strukturierten Auswahl- + Suchprozess für geeignete Unternehmen „umzusetzen“.

d) Die Mehrheit unterschätzt den zeitlichen / finanziellen Aufwand zur Auswahl, Suche, Vorprüfung, Due Diligence, Verhandlungen, Vertragsschreibung und Finanzierung eines KMU, insbesondere zu den „externen“ Kosten, i.e. Steuer-, Rechts-, M&A-, Bank-, Notarkosten, ggf. auch Steuern.

e) Die Mehrheit unterschätzt, dass man als KMU-GS-GF mit persönlichem Geld arbeitet. Jeder verdiente/versemmelte € die persönliche Geldbörse betrifft und das ggf. zusätzlicher Kapitalbedarf nicht vom Konzern bereit gestellt wird.

Es ist hierbei erschreckend, dass auch langj. aktive TOP-Manager, zum Thema MBI in KMU, wie Berufsanfänger agieren, also kein Konzept, k. Plan, k. Realitäts-Check, k. fundiertes M&A-Wissen, k. professionellen Berater als first/second opinion.

www.berndrueegg.de

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