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17.06.2014

10:37 Uhr

Gastbeitrag Hermann Simon

„Hidden Champions haben kühne Ziele und Visionen“

VonHermann Simon

Kontinuierlich wachsen als Ziel: Das spielt in der Entwicklung erfolgreicher Champions eine entscheidende Rolle. Wachstum allein ist aber kein Allheilmittel. Ohne eine klare Vision schafft es keiner an die Weltspitze.

Unternehmensberater und Wirtschaftsprofessor: Hermann Simon. Sein Spezialgebiet: Strategie, Marketing und Pricing. Und natürlich mittelständische Weltmarktführer. picture-alliance/ dpa

Unternehmensberater und Wirtschaftsprofessor: Hermann Simon. Sein Spezialgebiet: Strategie, Marketing und Pricing. Und natürlich mittelständische Weltmarktführer.

BonnHermann Simon ist Gründer der globalen Strategieberatung Simon-Kucher & Partners sowie Bestseller-Autor und Management-Denker. Im Rahmen der Handelsblatt-Online-Serie „Hidden Champions: Deutschlands geheime Weltstars“ schreibt der Mittelstands-Experte regelmäßig Gastbeiträge zum Thema.

Am Anfang großer Erfolge stehen immer Ziele. Man kann auch sagen: Visionen. Ambitiöse Ziele spielen für die Entwicklung der Hidden Champions eine entscheidende Rolle. Dazu gehören zwei wesentliche Aspekte: Zum einen muss man wissen, was man in welcher Zeit erreichen will. Und zum anderen bedarf es der Energie, das Ziel dann auch durchzusetzen.

Sieben Lehren der Hidden Champions

1. Führung und Ziele

Hidden Champions wissen nicht nur, was sie wollen, sondern haben auch die Willensstärke und Energie, manchmal die Besessenheit, ihre Ziele in Taten umzusetzen. Führung bedeutet, dass sie dieses Feuer in vielen Menschen unterschiedlicher Nationalitäten und Kulturen entzünden.

(Quelle: Hermann Simon; "Hidden Champions des 21. Jahrhunderts")

2. Hochleistungsmitarbeiter

Hidden Champions schaffen - und profitieren von - Bedingungen, die eine extrem geringe Fluktuation erzeugen. Hochleistung erreicht man nur mit einer Mannschaft, die eine starke Motivation und Identifikation mit dem Unternehmen aufweist. Grundlage hierfür ist die Selektion der richtigen Mitarbeiter.

3. Dezentralisierung

Manche Hidden Champions stoßen mit engen Märkten und hohen Marktanteilen an Wachstumsgrenzen. Sie gehen den Schritt in die Diversifikation. Um ihre traditionellen Stärken nicht zu gefährden, wählen sie die konsequente Dezentralisierung - in der Regel bis hin zu rechtlich eigenständigen Firmen.

4. Fokus

Fokussierung bietet normalerweise die einzige Chance, Weltklasse zu werden. Hidden Champions fokussieren ihre beschränkten Ressourcen besser als andere und bleiben bei dieser Richtung, bis sie die Spitzenposition erreicht haben. Dabei ist die Definition des Spielfelds selbst Bestandteil der Fokussierung.

5. Globalisierung

Nichts verändert die Welt in den nächsten Jahrzehnten stärker als die Globalisierung. Für Unternehmen, die diesen Wandel nutzen, eröffnen sich ungeheure Wachstumschancen. Der Aufbau weltweiter Produktions- und Vertriebssysteme dauert jedoch oft genug mehrere Generationen. Zunächst internationalisieren sich die Umsätze, dann folgt das Personal und als Letztes das Management.

Die meisten Hidden Champions stecken mit ihren Strategien und dem Umsetzen in der Praxis mitten in diesem Prozess. Simon: "Um die Chance zu nutzen, muss man seine nationalen Beschränkungen ablegen und große Ausdauer mitbringen."

6. Innovation

Die meisten Hidden Champions planen massive Innovationsaktivitäten. Sie integrieren dabei Markt und Technik als gleichwertige Antriebskräfte. Diese Ausgewogenheit gelingt nur wenigen Großunternehmen. Innovation ist in erster Linie eine Frage von Kreativität und Qualität - keineswegs nur eine Sache des Geldes.

7. Kundennähe

Kundenorientierung ist für den Erfolg der Hidden Champions wichtiger als Wettbewerbsorientierung. Die langjährige Kundenbeziehung ist ihre größte Stärke. Denn es gilt: Hochleistung für Kunden führt automatisch zu Wettbewerbsvorteilen. Simon: "Topkunden ähnlich wie Topkonkurrenten als Leistungstreiber einsetzen."

Erfolgreiche Unternehmer haben kühne Ziele und Visionen. In einem bestimmten Stadium ihrer Entwicklung entsteht in ihrem Inneren eine zunehmend konkreter werdende Vorstellung von den langfristigen Zielen, die sie mit ihrem Unternehmen erreichen wollen. Dabei ist weniger entscheidend, ob diese Vorstellung schriftlich ausformuliert, explizit kommuniziert oder bis ins letzte Detail durchdacht ist. All dies wird zu Anfang typischerweise nicht der Fall sein.

Abbildung 1: Seit 1995 sind Hidden Champions im Schnitt um knapp zehn Prozent pro Jahr gewachsen. (Quelle: Simon-Kucher & Partners)

Abbildung 1: Seit 1995 sind Hidden Champions im Schnitt um knapp zehn Prozent pro Jahr gewachsen.

(Quelle: Simon-Kucher & Partners)

Ziele und Visionen konkretisieren sich stattdessen erst im Zuge ihrer Realisierung: Der Unternehmer lernt, er fühlt sich durch Erfolge bestätigt, oder Rückschläge zwingen ihn zu einer Anpassung seiner ursprünglichen Absichten. Misserfolge lassen ihn das Vorgehen ändern und leiten zur Vorsicht an. Erfolg hingegen macht den Unternehmer im Zeitablauf mutiger. Bei den Hidden Champions stehen zwei Ziele im Vordergrund: zum einen Wachstum, zum anderen Marktführerschaft.

Betrachten wir zunächst die auf kontinuierliches Wachstum bezogenen Ziele. Wachstum ist für die meisten Hidden Champions ein enorm wichtiges Ziel, das oft schon früh und äußerst ambitioniert formuliert wird.

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