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15.10.2014

09:11 Uhr

Gastbeitrag Hermann Simon

„Marktführer wird man durch Innovation, nicht durch Imitation“

VonHermann Simon

Man muss als Unternehmer nicht immer das Rad neu erfinden. Viele Hidden Champions sind deshalb so erfolgreich, weil sie mir großer Beharrlichkeit kleinere Verbesserungen einführen – eine Strategie, die sich auszahlt.

Unternehmensberater und Wirtschaftsprofessor. Simons Spezialgebiet: Strategie, Marketing und Pricing. Und natürlich mittelständische Weltmarktführer. (Quelle: Simon-Kucher & Partners)

Unternehmensberater und Wirtschaftsprofessor. Simons Spezialgebiet: Strategie, Marketing und Pricing. Und natürlich mittelständische Weltmarktführer.

(Quelle: Simon-Kucher & Partners)

BonnHermann Simon ist Gründer der globalen Strategieberatung Simon-Kucher & Partners sowie Bestseller-Autor und Management-Denker. Im Rahmen der Handelsblatt-Online-Serie „Hidden Champions: Deutschlands geheime Weltstars“ schreibt der Mittelstands-Experte regelmäßig Gastbeiträge zum Thema.

Weltmarktführer wird man durch Innovation, nicht durch Imitation. Die Hidden Champions zeichnen sich durch eine anhaltend hohe Innovationskraft aus. Sie innovieren mit großer Beharrlichkeit. Innovationen sind die Hauptursache für die Steigerung der Marktanteile in der jüngeren Vergangenheit. Die hohe Forschungs- und Entwicklungs-Intensität (F&E) verbunden mit hoher Effektivität gibt auch für die Zukunft Anlass zu Optimismus. Denn: Weltmarktführer wird und bleibt man nur durch Innovation – reine Imitation reicht dazu nicht aus.

Sieben Lehren der Hidden Champions

1. Führung und Ziele

Hidden Champions wissen nicht nur, was sie wollen, sondern haben auch die Willensstärke und Energie, manchmal die Besessenheit, ihre Ziele in Taten umzusetzen. Führung bedeutet, dass sie dieses Feuer in vielen Menschen unterschiedlicher Nationalitäten und Kulturen entzünden.

(Quelle: Hermann Simon; "Hidden Champions des 21. Jahrhunderts")

2. Hochleistungsmitarbeiter

Hidden Champions schaffen - und profitieren von - Bedingungen, die eine extrem geringe Fluktuation erzeugen. Hochleistung erreicht man nur mit einer Mannschaft, die eine starke Motivation und Identifikation mit dem Unternehmen aufweist. Grundlage hierfür ist die Selektion der richtigen Mitarbeiter.

3. Dezentralisierung

Manche Hidden Champions stoßen mit engen Märkten und hohen Marktanteilen an Wachstumsgrenzen. Sie gehen den Schritt in die Diversifikation. Um ihre traditionellen Stärken nicht zu gefährden, wählen sie die konsequente Dezentralisierung - in der Regel bis hin zu rechtlich eigenständigen Firmen.

4. Fokus

Fokussierung bietet normalerweise die einzige Chance, Weltklasse zu werden. Hidden Champions fokussieren ihre beschränkten Ressourcen besser als andere und bleiben bei dieser Richtung, bis sie die Spitzenposition erreicht haben. Dabei ist die Definition des Spielfelds selbst Bestandteil der Fokussierung.

5. Globalisierung

Nichts verändert die Welt in den nächsten Jahrzehnten stärker als die Globalisierung. Für Unternehmen, die diesen Wandel nutzen, eröffnen sich ungeheure Wachstumschancen. Der Aufbau weltweiter Produktions- und Vertriebssysteme dauert jedoch oft genug mehrere Generationen. Zunächst internationalisieren sich die Umsätze, dann folgt das Personal und als Letztes das Management.

Die meisten Hidden Champions stecken mit ihren Strategien und dem Umsetzen in der Praxis mitten in diesem Prozess. Simon: "Um die Chance zu nutzen, muss man seine nationalen Beschränkungen ablegen und große Ausdauer mitbringen."

6. Innovation

Die meisten Hidden Champions planen massive Innovationsaktivitäten. Sie integrieren dabei Markt und Technik als gleichwertige Antriebskräfte. Diese Ausgewogenheit gelingt nur wenigen Großunternehmen. Innovation ist in erster Linie eine Frage von Kreativität und Qualität - keineswegs nur eine Sache des Geldes.

7. Kundennähe

Kundenorientierung ist für den Erfolg der Hidden Champions wichtiger als Wettbewerbsorientierung. Die langjährige Kundenbeziehung ist ihre größte Stärke. Denn es gilt: Hochleistung für Kunden führt automatisch zu Wettbewerbsvorteilen. Simon: "Topkunden ähnlich wie Topkonkurrenten als Leistungstreiber einsetzen."

Eine Innovation muss entweder einen höheren Kundennutzen und/oder niedrigere Kosten beisteuern, um erfolgreich zu sein. Daher dürfen sich Innovationsaktivitäten nicht nur auf das Produkt und die Technologie beschränken, sondern müssen auch die Prozesse beim Kunden einbeziehen. Alle Facetten der Geschäftstätigkeit bieten Ansatzpunkte für Verbesserungen und werden von den Hidden Champions tatsächlich genutzt.

In den Branchen, in denen Produktinnovationen und damit einhergehend F&E sowie Patente eine große Rolle spielen, belegen die Kennzahlen der Hidden Champions im Vergleich zur Gesamtindustrie und zu Großunternehmen eine herausragende Innovationsperformance. Auch in Prozessindustrien und im Dienstleistungsbereich treten die Weltmarktführer vielfach als Innovatoren auf. Hier gibt es allerdings keine ähnlich eindeutigen Indikatoren wie bei der Produktinnovation.

Erfolgreiche Innovation erfordert die Integration der Antriebskräfte Markt und Technik. Zwei Drittel der Hidden Champions erreichen diese Integration, bei den Großunternehmen schaffen das nur 19 Prozent.

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