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14.07.2014

12:47 Uhr

Gastbeitrag Hermann Simon

Wie Unternehmen zur Nummer eins werden

VonHermann Simon

Deutschland ist seit Sonntag die weltbeste Fußballmannschaft. Auch unter deutschen Unternehmen finden sich zahlreiche Champions. Was Marktführerschaft ausmacht und wie man an der Spitze bleibt.

Unternehmensberater und Wirtschaftsprofessor: Hermann Simon. Sein Spezialgebiet: Strategie, Marketing und Pricing. Und natürlich mittelständische Weltmarktführer. picture-alliance/ dpa

Unternehmensberater und Wirtschaftsprofessor: Hermann Simon. Sein Spezialgebiet: Strategie, Marketing und Pricing. Und natürlich mittelständische Weltmarktführer.

BonnHermann Simon ist Gründer der globalen Strategieberatung Simon-Kucher & Partners sowie Bestseller-Autor und Management-Denker. Im Rahmen der Handelsblatt-Online-Serie „Hidden Champions: Deutschlands geheime Weltstars“ schreibt der Mittelstands-Experte regelmäßig Gastbeiträge zum Thema.

Erfolgreiche Hidden Champions wollen nicht nur wachsen und immer größer werden. Sie verfolgen daneben auch die Ambition, in ihrem Markt führend zu werden und zu bleiben. Für viele von ihnen ist Marktführerschaft sogar ein identitätsbildendes Ziel, das für Selbstverständnis und Strategie eine herausragende Rolle spielt.

Sieben Lehren der Hidden Champions

1. Führung und Ziele

Hidden Champions wissen nicht nur, was sie wollen, sondern haben auch die Willensstärke und Energie, manchmal die Besessenheit, ihre Ziele in Taten umzusetzen. Führung bedeutet, dass sie dieses Feuer in vielen Menschen unterschiedlicher Nationalitäten und Kulturen entzünden.

(Quelle: Hermann Simon; "Hidden Champions des 21. Jahrhunderts")

2. Hochleistungsmitarbeiter

Hidden Champions schaffen - und profitieren von - Bedingungen, die eine extrem geringe Fluktuation erzeugen. Hochleistung erreicht man nur mit einer Mannschaft, die eine starke Motivation und Identifikation mit dem Unternehmen aufweist. Grundlage hierfür ist die Selektion der richtigen Mitarbeiter.

3. Dezentralisierung

Manche Hidden Champions stoßen mit engen Märkten und hohen Marktanteilen an Wachstumsgrenzen. Sie gehen den Schritt in die Diversifikation. Um ihre traditionellen Stärken nicht zu gefährden, wählen sie die konsequente Dezentralisierung - in der Regel bis hin zu rechtlich eigenständigen Firmen.

4. Fokus

Fokussierung bietet normalerweise die einzige Chance, Weltklasse zu werden. Hidden Champions fokussieren ihre beschränkten Ressourcen besser als andere und bleiben bei dieser Richtung, bis sie die Spitzenposition erreicht haben. Dabei ist die Definition des Spielfelds selbst Bestandteil der Fokussierung.

5. Globalisierung

Nichts verändert die Welt in den nächsten Jahrzehnten stärker als die Globalisierung. Für Unternehmen, die diesen Wandel nutzen, eröffnen sich ungeheure Wachstumschancen. Der Aufbau weltweiter Produktions- und Vertriebssysteme dauert jedoch oft genug mehrere Generationen. Zunächst internationalisieren sich die Umsätze, dann folgt das Personal und als Letztes das Management.

Die meisten Hidden Champions stecken mit ihren Strategien und dem Umsetzen in der Praxis mitten in diesem Prozess. Simon: "Um die Chance zu nutzen, muss man seine nationalen Beschränkungen ablegen und große Ausdauer mitbringen."

6. Innovation

Die meisten Hidden Champions planen massive Innovationsaktivitäten. Sie integrieren dabei Markt und Technik als gleichwertige Antriebskräfte. Diese Ausgewogenheit gelingt nur wenigen Großunternehmen. Innovation ist in erster Linie eine Frage von Kreativität und Qualität - keineswegs nur eine Sache des Geldes.

7. Kundennähe

Kundenorientierung ist für den Erfolg der Hidden Champions wichtiger als Wettbewerbsorientierung. Die langjährige Kundenbeziehung ist ihre größte Stärke. Denn es gilt: Hochleistung für Kunden führt automatisch zu Wettbewerbsvorteilen. Simon: "Topkunden ähnlich wie Topkonkurrenten als Leistungstreiber einsetzen."

Die Definition von Marktführerschaft ausschließlich über den Marktanteil wird von den meisten Hidden Champions als zu eng angesehen. Vielmehr verbinden sie mit diesem Begriff einen umfassenden Anspruch auf Führung gegenüber anderen Marktteilnehmern wie Kunden, Lieferanten oder Wettbewerbern. Die folgenden Beispiele illustrieren diesen hohen Anspruch.

  • „Wir wollen weltweit die Nr.1 sein und bleiben“, 3B Scientific ist Weltmarktführer bei anatomischen Lernmitteln
  • „Das Ziel von Chemetall ist die weltweite Technologie- und Marketing-Führerschaft“, Chemetall aus Frankfurt liefert Lithium für Batterien und Ceran- Kochplatten
  • „Als der weltweit unangefochten führende Anbieter wollen wir unseren Kunden höchstmöglichen Wert liefern. Unser Ziel ist es, der wettbewerbsstärkste Anbieter der Welt zu sein. Wir gehen weit über die momentanen Markterfordernisse hinaus, indem wir die zukünftigen Bedürfnisse des Marktes antizipieren“, Rosen-Group ist Weltmarktführer bei Pipeline-Wartungssystemen
  • „We hope to be recognized as the gold standard for therapeutic medical equipment“ („Wir möchten als der Goldstandard wahrgenommen werden im Bereich medizintechnischer Systeme“), Maquet ist weltweit führend bei Operationsräumen
  • „Wir bleiben an der Spitze, weil wir die Erwartungen unserer Kunden vorwegnehmen. Führerschaft bedeutet, dass man die Norm für andere wird. Wir setzen den Maßstab im Weltmarkt“, Sick ist Weltmarktführer bei Sensoren

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