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13.06.2012

12:37 Uhr

Gastbeitrag

Mit der gekauften Firma eine Existenz gründen

VonUdo Goetz

Warum mühsam neu gründen, wenn man sich auch eine kerngesunde Firma kaufen kann? Viele Mittelstandsbetriebe stehen zum Verkauf - das macht den Start in die Selbstständigkeit zu einem kalkulierbaren Risiko.

Ein besonderer Vorteil beim Unternehmenskauf ist auch das schon vorhandene, eingespielte Mitarbeiter-Team. dpa

Ein besonderer Vorteil beim Unternehmenskauf ist auch das schon vorhandene, eingespielte Mitarbeiter-Team.

OldenburgViele kerngesunde Unternehmen des Mittelstandes stehen aus Altersgründen und mangels familieninterner Lösungen zum Verkauf. Damit haben Existenzgründer heute die Wahl, ob sie ein Unternehmen neu gründen oder eher übernehmen wollen.

Die Neugründung hat den Charme der vollen Gestaltungsfreiheit. Vorgaben gibt es nicht und auf Bestehendes muss keine Rücksicht genommen werden. Allerdings befinden sich in vielen Branchen die Unternehmen in einem harten Verdrängungswettbewerb, was den Start in die Selbständigkeit zu einem schwer zu kalkulierenden Risiko macht.

Udo Goetz, Vorstand der Axanta AG. (Bild: Axanta)

Udo Goetz, Vorstand der Axanta AG. (Bild: Axanta)

Die Übernahme eines etablierten, am Markt gut eingeführten Unternehmens kann hier eine echte Alternative sein. Ein überzeugendes Argument ist die vorhandene Kundenbasis. Die Umsätze beginnen für den Jungunternehmer sofort mit der Übernahme. Diese Grundlage schafft Sicherheit und damit Spielraum für kreative Weiterentwicklungen, denn bestehende Unternehmen können sehr wohl ausgebaut werden. Platz für Innovationen ist immer, am besten gedeihen diese jedoch auf einem soliden Fundament.

Worauf es bei der Nachfolge ankommt

Zeitplan beachten

Eine geordnete Übergabe braucht Zeit, egal ob ein familieninterner oder externer Nachfolger zur Verfügung steht. Experten gehen für die Übergangszeit von drei bis fünf Jahren aus. Viele Unternehmer fühlen sich jedoch unentbehrlich und halten erst mit 60+ nach einem Nachfolger Ausschau. Ein so später Zeitpunkt erschwert die Nachfolge meist. Die frühzeitige Regelung der Nachfolge verbessert zudem das qualitative Rating, das von Banken und Sparkassen für eine Kreditvergabe zugrunde gelegt wird.

Quelle: Unternehmensnachfolge. Die optimale Planung. Hrsg. Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie.

Realistischer Kaufpreis

Viele Seniorunternehmer gehen mit zu hohen Erwartungen in die Verhandlungen für die Nachfolge. Der ideelle Wert spielt aber keine Rolle. Eine Bewertung durch Unternehmens-, Rechts- oder Steuerberater sollte den realistischen Wert der Firma ermitteln, um den Kapitalbedarf richtig einzuschätzen.

Neugründung: Pro und Contra

Es ist nicht unbedingt leichter ein bestehendes Unternehmen zu übernehmen. Oft verhält es sich umgekehrt. Bei Neugründungen kann der angehende Unternehmer seinen Betrieb von Anfang an nach seinen Vorstellungen aufbauen, muss aber Mitarbeiter auswählen, den Markt für sein Produkt erobern und sich dort etablieren. Aber er wächst Zug um Zug mit seinem Unternehmen.

Nachfolge: Pro und Contra

Bei der Übernahme, also der Fortführung eines Unternehmens, muss der Nachfolger auf den bestehenden Vorgaben aufbauen. Er muss von Anfang an sein Können auf allen Schauplätzen des bereits gewachsenen Betriebs unter Beweis stellen. Viele mittelständischen Unternehmen sind durch die Persönlichkeit des Seniorunternehmers geprägt. Der neue Chef muss sich das Vertrauen von Mitarbeitern, Kunden und Lieferanten erst erarbeiten. Die Übernahme bringt aber auch viele Vorteile: Das Unternehmen ist bereits etabliert, die Beziehungen zu Kunden und Lieferanten existieren, das Team ist eingespielt und der Junior baut auf den Erfahrungen des Vorgängers auf.   

Vorsicht vor der Traditionsfalle

Nachfolger müssen die persönlichen, unternehmerischen und fachlichen Anforderungen in jedem Fall erfüllen, um erfolgreich zu sein. Ein Nachfolger, der sich allein aus Traditionsbewusstsein für die Karriere im Familienbetrieb entscheidet, hat schlechte Karten. Auch die Tatsache, künftiger Erbe des Betriebs zu sein, qualifiziert nicht automatisch für die Unternehmensnachfolge. Ein ausreichendes Know-how ist wichtig.

Berater ins Boot holen

Eine Unternehmensnachfolge ist keine Kleinigkeit. Die vielen und unterschiedlichen Detailfragen und der Kaufpreis sollten in jedem Fall rechtzeitig mit Fachexperten (Anwälte, Wirtschaftsprüfer, Steuerberater) besprochen werden. Vor allem Finanzierung und Businessplan sollten intensiv geprüft werden.

Konfliktpotenzial

Senior- und Juniorunternehmer sollten gemeinsam mit Beratern eine Übergabestrategie und einen genauen Fahrplan entwickeln. Kein Wechsel in der Unternehmergeneration verläuft ohne Reibungen. Gegensätze sollten konstruktiv, im Interesse beider Parteien, ausgeglichen werden. Die Phase des Übergangs, die gemeinsame Unternehmensleitung, sollte gut geplant, aber auch nicht zu lang sein. Oft führt diese Phase zu Kompetenzüberschneidungen und Irritationen im Unternehmen und bei Geschäftspartnern.

Der Senior muss loslassen

Emotionen spielen bei der Unternehmensnachfolge eine große Rolle. Oft sind sie der Grund für das scheitern des Vorhabens. Viele Seniorunternehmer haben zwar rational durchaus die Notwendig für die Übergabe erkannt, können ihr Lebenswerk aber emotional nicht loslassen. Wenn der ehemalige Chef aber immer mal wieder reinschaut, nach dem Rechten sieht und sich sogar ungebeten einmischt, kann das die Arbeit seines Nachfolgers erheblich belasten. Oft kritisiert der Senior Entscheidungen des Juniors, greift in die Unternehmensführung ein, was in der Regel zu Auseinandersetzungen führt, die dem Unternehmen schaden.

Varianten der Familiennachfolge

Bei der Familiennachfolge gibt es mehrere Varianten. In den meisten Fällen geht das Unternehmen in Form der vorweggenommenen Erbfolge bzw. Schenkung auf die nächste Generation über. Der Nachfolger erhält dabei den Betrieb unentgeltlich. Es gibt aber auch Varianten, in denen es sinnvoll oder sogar notwendig ist, dass der Nachfolger eine Gegenleistung für das Unternehmen erbringen muss. Ist etwa die Altersversorgung der Eltern nicht durch sonstiges Vermögen sichergestellt, so sollte gewährleistet sein, dass diese durch wiederkehrende Zahlungen, zum Beispiel eine Rente, versorgt sind. Geht das Unternehmen auf den Sohn, die Tochter oder ein anderes Familienmitglied über, erfolgt die Übergabe des Unternehmens entweder im Rahmen:  

  1. einer schrittweise Übertragung durch Beteiligung an einer Personen- oder Kapitalgesellschaft
  2.  der vorweggenommenen Erbfolge bzw. Schenkung
  3. der Erbfolge per Testament oder Erbvertrag
  4. der gesetzlichen Erbfolge
MBO und MBI

Wenn Mitarbeiter des Unternehmens „ihren“ Betrieb kaufen und dies vor allem aus Eigenmitteln finanzieren, wird dies als Management-Buy-out (MBO) bezeichnet. Wird das Unternehmen von externen Führungskräften eines anderen Unternehmens übernommen, spricht man von Management-Buy-in (MBI). Wird der Kauf jeweils überwiegend mithilfe von Fremdkapital finanziert, spricht man zusätzlich von Leveraged-Buy-out (LBO).

Für den Käufer: Genau hinschauen!

Dass sich der zukünftige Nachfolger ein genaues Bild vom Unternehmen machen muss, liegt auf der Hand. Schließlich geht es darum, festzustellen, wie viel das Unternehmen wert ist. Aus diesem Grund sollte auch der Inhaber sein Unternehmen noch einmal genau „unter die Lupe nehmen“. Natürlich kennt er sein Unternehmen in- und auswendig, aber dennoch: Manche Einschätzung ist vielleicht doch zu positiv und muss korrigiert werden. Andererseits werden vielleicht bislang verborgene Werte entdeckt.

Wichtig ist, dass sowohl Nachfolger als auch Unternehmer über denselben Wissensstand verfügen, um bei den anstehenden Verhandlungen einen angemessenen Preis auszuhandeln. Der Käufer sollte v.a. folgende Aufgabegründe des Unternehmers prüfen:

  1. Der Unternehmer möchte sich zur Ruhe setzen
  2. Der Unternehmer ist krank
  3. Der Unternehmer ist gestorben, die Erben
  4. verkaufen das Unternehmen
  5. Der Unternehmer sucht eine neue Tätigkeit
  6. Der Unternehmer benötigt Geld
  7. Das Unternehmen ist „heruntergewirtschaftet“
Die Rechtsform: Wer haftet?

Das Thema Rechtsform ist sowohl für den Nachfolger als auch für den übergebenden Unternehmer von Bedeutung. Inhaber und Nachfolger müssen entscheiden, ob es sinnvoll ist, die bestehende Rechtsform zu behalten oder umzuwandeln. Welche Steuerbelastungen fallen je nach Rechtsform an? Welche Entscheidungsstrukturen entstehen? Wie reagiert die Hausbank?

Für den Fall, dass Nachfolger und Übergeber eine gemeinsame Übergangsphase planen, kann es sinnvoll sein, das Unternehmen von einem Einzelunternehmen in eine GmbH oder Personengesellschaft umzuwandeln. Je nach Rechtsform sind bei der Übertragung wichtige Fragen zur Haftung und Zustimmung evtl. weiterer Gesellschafter verknüpft. Inwieweit haftet beispielsweise der Käufer für Schulden, die vor der Übertragung entstanden sind? Inwieweit haftet der Verkäufer nach der Übertragung für zurückliegende Verbindlichkeiten?

Die entscheidenden Kriterien bei der Wahl der Rechtsform sind vor allem Haftung, Steueroptimierung, die Finanzierung beim Kauf und die Eignung für eine schrittweise Nachfolge.

Eigene Ressourcen müssen in der Startphase nicht ausschließlich auf die Neukundengewinnung konzentriert werden. Der Aufbau einer oft zeit- und nervenraubenden Infrastruktur entfällt ebenfalls. Bürokratische Hemmnisse, wie die formale Gründung eines Unternehmens, sind aus dem Weg geräumt. Vom langjährigen Steuerberater, über eine solide Buchhaltung und Fakturierung bis hin zu einer funktionierenden EDV ist alles bereits am ersten Tag einsatzbereit. Der Existenzgründer kann sich ganz um seine eigentliche Aufgabe kümmern, das Erzielen von Umsätzen.

Existenzgründung in Berlin

Das Geschäft mit den Start-Ups

Existenzgründung in Berlin : Es geht auch anders - Existenzgründer in Berlin

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Von besonderem Vorteil ist dafür auch das schon vorhandene, eingespielte Mitarbeiter-Team. In Zeiten des Fachkräftemangels ist dieser Pluspunkt nicht zu unterschätzen. Vieles spricht also für die Übernahme eines bestehenden Unternehmens.

Gastbeitrag: Karriere machen als Immobilienmakler

Gastbeitrag

Karriere machen als Immobilienmakler

Viele Jobs und gutes Gehalt: Existenzgründern mit unternehmerischem Denken und minimalem Kapital ermöglicht die Immobilienbranche gute Chancen. Auch Quereinsteiger können eine Karriere als Makler machen.

Eine Hürde ist hier allerdings die Finanzierung des Kaufpreises. Jungunternehmer verfügen in der Regel nicht über nennenswerte Eigenmittel. Unternehmen mit langjähriger Historie sind allerdings deutlich einfacher zu finanzieren als der Investitionsbedarf für eine Neugründung. Denn es liegen Bilanzen und betriebswirtschaftliche Auswertungen vor, die die Werthaltigkeit des Unternehmens belegen.

Alternative Geldquellen für Gründer

Venture-Capital-Gesellschaften

Ist die Aussicht auf Geschäftserfolg mehr als riskant, benötigt ein Start-up Wagniskapital - das wird auch hierzulande englisch "Venture Capital" (VC) genannt. Das Geld stellen VC-Beteiligungsgesellschaften bereit, die kurzfristig in eine Unternehmensgründung investieren, um irgendwann mit einer Rendite wieder auszusteigen.

Das muss keineswegs zum Nachteil des Unternehmers sein: Der Kapitalgeber unterstützt das Management beim Aufbau eines Netzwerks oder bei der Suche nach Personal - nicht zuletzt, um den Erfolg der eigenen Investition sicherzustellen.

Wie man an Venture-Capital-Gesellschaften kommt

Die Beteiligung von Venture Capitalists an Start-ups liegt zumeist bei weniger als 30 Prozent. Der Bundesverband Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften (BVK) bietet zur Suche nach VC-Gebern eine Online-Datenbank an und hilft, einen Businessplan zu erstellen: www.bvkap.de.

Business Angels

Business Angels nennen sich erfahrene Unternehmer, Manager oder Investoren, die ihr institutionelles oder privates Portfolio um ein paar riskantere Geschäfte bereichern wollen. Der Vorteil, einen Business Angel an der Hand zu haben, liegt im Engagement seines Investments: Während der Gründungsphase unterstützen sie den Jungunternehmer nicht nur mit Kapital, sondern auch mit ihrer Erfahrung und den nötigen Kontakten.

Wie man an Business Angels kommt

In Deutschland gibt es etwa 40 Clubs von Business Angels, die regelmäßig Unternehmensgründer einladen, um ihre Businesspläne vorzustellen. Hier finden Interessierte Clubs in der Nähe und Tipps zur Einladung: www.business-angels.de.

Öffentliche Fördergelder

Die sicherste Art, an Geld zu gelangen, ist, die Fördertöpfe von Ländern, Bund oder der EU anzuzapfen. Der Nachteil: Es dauert oft Monate, bis das Geld fließt. Denn die Zuschüsse können in den meisten Fällen nur die eigenen Hausbanken beantragen, die bürokratischen Mühlen tun ihr Übriges, um auch die beste Geschäftsidee vorübergehend zum Stillstand zu bringen. Allerdings sind die Töpfe auch in Krisenzeiten stets gut gefüllt. Deshalb sind sie es somit wert, von Gründern unter die Lupe genommen zu werden.

Wie man an öffentliche Fördergelder kommt

Einen Überblick über öffentlich geförderte Finanzierungsmöglichkeiten bietet die Förderdatenbank des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie: www.foerderdatenbank.de

Zu einer erfolgreichen Übernahme gehört allerdings auch die Auswahl des M&A-Beraters. Zuviel steht auf dem Spiel, denn schließlich soll der Schritt in die Selbständigkeit eine langfristige Erfolgsgeschichte werden. Die Qualität eines guten M&A-Beraters zeichnet sich durch seine Fachkompetenz, sein Branchenwissen und eine über Jahrzehnte erworbene Erfahrung aus. Er prüft und qualifiziert vorab die zum Verkauf stehenden Unternehmen und begleitet den gesamten Kaufprozess aktiv.

Aller Anfang ist schwer, speziell für Existenzgründer. Sie können sich aber den Einstieg in eine erfolgreiche Zukunft als Unternehmer einfacher machen, wenn sie die Alternative einer Übernahme prüfen. Denn die Vorteile gegenüber einer Neugründung können mehr als reizvoll sein.

Der Autor des Fachbeitrags, Udo Goetz, ist Vorstand der Axanta AG. Das Oldenburger Unternehmen ist in Deutschland einer der Marktführer unter den Beratungsgesellschaften für den Kauf und Verkauf von Unternehmen, Nachfolgeregelungen und Unternehmensbeteiligungen.

Kommentare (3)

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Armin_Mueller

13.06.2012, 13:56 Uhr

Klasse Beitrag, wirklich hilfreich, angesichts der großen Zahl von Unternehmen, die zum Verkauf stehen, dürften die Käufer hier durchaus am längeren Hebel sitzen. Ich werde auf jeden Fall für meine geplante Existenzgründung auch den Kauf einer Firma in Betracht ziehen.

okri

13.06.2012, 14:46 Uhr

Überraschend wie offensichtlich im Handelsblatt Werbung als redaktioneller Beitrag (nebst wohlwollendem Kommentar) bemäntelt wird...Das finde ich sehr schade!

gk_online

13.06.2012, 16:19 Uhr

Ich habe ziemlich gute Erfahrungen mit dem Kauf einer Firma zur Existenzgründung gemacht. Es hat zwar am Anfang etwas mit bereits vorhandenen Mitarbeitern geknirscht, aber die Idee hat sich bezahlt gemacht. Insofern trifft der Beitrag ziemlich genau meine insgesamt recht positiven Erfahrungen. Ist außerdem gut geschrieben und aus meiner Sicht kompetent. Ein paar mehr Angaben für hilfreiche Kontakte bei der Unternehmensgründung bzw. - übernahme wäre nicht schlecht gewesen.

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