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15.07.2011

11:51 Uhr

Gastbeitrag

Wie Sie Finanzierungsrisiken richtig einpreisen

Wie viel ist Ihre Firma wert? Die Turbulenzen an den Kapitalmärkten haben sich nachhaltig auf die Methoden der heutigen Unternehmensbewertung ausgewirkt. Ein Gastkommentar von Christian Weibrecht.

Während der Finanzkrise konnten an den Kapitalmärkten Effekte beobachtet werden, die bislang weder in der Bewertungspraxis noch -theorie Einzug fanden. Der Grund: Für die jüngsten Bewertergenerationen waren diese mangels Erfahrung schlicht kaum vorstellbar. Durch den Einfluss von Finanzwerten auf die Börsen und die Realwirtschaft gab es innerhalb kürzester Zeit zum Teil dramatische Kursverluste. Auch die Zahlungsunfähigkeit ganzer Länder war bis dahin kaum vorstellbar. Hinzu kam die sehr kurze Zeitspanne, innerhalb derer sich eine teils dramatische Neubewertung von „Risiken“ vollzog.

Verursacht wurde dies durch in allen Sektoren gestiegene Ausfallrisiken oder dem bislang nicht gekannten Quasi-Ausfall der Geldversorgung der Banken untereinander. Die propagierte Trennung zwischen Finanz- und Realwirtschaft war spätestens dann nicht mehr zu halten, als sich sowohl bei guten wie schlechten Bonitäten die Refinanzierungskonditionen kurzfristig erheblich verteuerten oder eine Refinanzierung nicht mehr möglich war. Während der Krise kam es daher zum Teil zu erheblichen Veränderungen der am Markt beobachtbaren Parameter, was Basiszinsen, Risikoprämien oder Betas betraf. Ausgelöst wurde dies unter anderem durch das „Fluten der Märkte mit billigem Geld“.

Die im Rahmen der bislang gängigen Bewertungsannahmen zugrunde gelegten Basiszinsen entsprachen nicht mehr den am Markt beobachtbaren Werten und waren zu hoch angesetzt. Die Marktrisikoprämien stiegen in kürzester Zeit rasant an, fielen jedoch nach rund einem Jahr auf das Niveau vor der Krise. Die Volatilität war erheblich. Es stellt sich daher für Bewertungsstichtage, die in diesen Zeitraum fallen, die Frage, ob diese Periode erheblicher Schwankungen auszublenden oder zu berücksichtigen ist?

Erhebliche Schwankungen

Bei der Beta-Ermittlung zeigte sich ebenfalls, dass diese deutlich schwankten. Je nachdem, ob ein längerer oder kürzerer Zeitraum zugrunde gelegt ist, konnte der Einfluss verstärkt oder abgeschwächt werden, was Auswirkungen auf den Wert hat. Die bisherige Praxis, ein Beta nur im Rahmen der Eigenkapitalkosten zu berücksichtigen, gilt darüber hinaus mittlerweile ebenfalls als zu kurz gegriffen. Aufgrund genannter Aspekte ist für die Ermittlung des Unternehmenswertes von einem Debt-Beta auszugehen, welches zusätzlich zu berücksichtigen ist.

Es hat sich daher gezeigt, dass im Rahmen der Unternehmensbewertung – neben der Berücksichtigung der originären Risiken des jeweiligen Unternehmens – auch in erheblichem Maße Markt- und Finanzierungsrisiken einzupreisen sind. Diese können, selbst bei operativ gesunden Unternehmen ein erhebliches Risiko bis hin zur Insolvenz darstellen.

Der Autor:

Christian Weibrecht, Diplom -Betriebswirt (BA), ist Prokurist bei der Seneca Corporate Finance GmbH.

Christian.Weibrecht@seneca-cf.de

Von

Christian Weibrecht

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