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21.01.2009

14:00 Uhr

Genossenschaftsbank

Die Aufmüpfigen von Plankstetten

VonFrank M. Drost und Yasmin Osman

Vor zehn Jahren verhinderte Elmar Weiß die versprochenene Fusion der Raiffeisenbank Plankstetten mit einer benachbarten Genossenschaftsbank. Seitdem schwelt der Kleinkrieg zwischen der kleinsten Genossenschaftsbank im Freistaat und dem Genossenschaftsverbandes (GVB). Nun hat der GVB die Rebellen sogar aus seinen Reihen ausgeschlossen.

BERLIN/PLANKSTETTEN. Eigentlich sieht Plankstetten friedlich aus an diesem frostigen Vormittag. Das 880 Jahre alte Benediktiner-Kloster thront über dem 350-Seelen-Ort zwischen dem vereisten Ludwig-Donau-Kanal und der waldigen Anhöhe des Altmühltals. Das Kloster ist hier der größte Arbeitgeber, gefolgt von der Raiffeisenbank. Wer einkaufen will, kann zwischen der Bio-Ware des Klosterladens und einer winzigen Bäckerei wählen, die in einem Wohnhaus untergebracht ist. Mehr ist nicht.

Die Idylle trügt. Plankstetten ist das Zentrum eines Kleinkriegs zwischen der örtlichen Raiffeisenbank und dem Genossenschaftsverband Bayern (GVB). Nun schreibt eine der kleinsten Genossenschaftsbanken des Freistaats sogar Bankgeschichte: Der GVB schloss das Institut aus seinen Reihen aus. Das hat es unter Volks- und Raiffeisenbanken noch nie gegeben.

Entsprechend streitlustig ist die Stimmung in dem hellblau gestrichenen frisch renovierten Bank-Gebäude. "Wir werden seit Jahren vom Verband trotz bester Geschäftszahlen bekämpft", schimpft Elmar Weiß, der Vorstandsvorsitzende der Bank. Gegen den Rauswurf will der 47-jährige Niederbayer jetzt rechtlich vorgehen. Das ist nicht alles. In die Streitereien ist jetzt sogar die Aufsicht BaFin verwickelt, die eine Sonderprüfung plant. Auch dagegen wollen die Plankstetter vorgehen.

Es ist der vorläufige Höhepunkt eines Zwistes, der nun fast zehn Jahre währt. 1999 war die Bank in Plankstetten ökonomisch fast am Ende. Der Bayern-Verband, so schildert es Plankstetten, drängt auf die Ablösung des Vorstandschefs, möglichst geräuschlos. Dabei schlägt der GVB eine hohe Abfindung vor, die Plankstetten nicht allein hätte tragen können.

Das hätte Zwangsfusion bedeutet. "Wir waren vom GVB schon der benachbarten Raiffeisenbank Berching versprochen", sagt Weiß. Der Aufsichtsrat lehnt ab, die Mitglieder schassen den Vorstand. Ohne Abfindung, ohne Fusion. Seither ist Elmar Weiß im Amt, die Bank legt regelmäßig gute Zahlen vor. Im Streit sieht Weiß den Versuch, ein widerspenstiges, aber erfolgreiches Institut mundtot zu machen.

Ganz anders sieht es der Bayern-Verband. "Wir üben keinen Fusionsdruck aus", sagt ein Sprecher. Vielmehr ließen die Vorstände ihre Bücher nicht ordnungsgemäß prüfen, verstießen gegen Gesetze und hegten eine "grundsätzlich feindselige Haltung gegenüber dem Prüfungsverband". Genossenschaftsbanken müssen sich vom Verband durchleuchten lassen und wählen ihren Wirtschaftsprüfer nicht selbst. "Wenn Sie Pech haben, bekommen sie einen Erbsenzähler", sagt ein altgedienter Genosse.

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