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26.03.2006

14:00 Uhr

Gepäcktransport

Der Koffer von morgen ist mit Bordcomputer unterwegs

VonAnna Marohn

Flughafen-Betreiber rüsten auf. Sie müssen immer mehr Passagiere mit ihren Reisetaschen und Koffern abfertigen. Gleichzeitig sind die Sicherheitsbestimmungen so scharf wie noch nie: Wo früher Stichproben ausreichten, soll nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 jeder Koffer und jede Tasche einzeln durchleuchtet werden.

KÖLN. Also investieren die Airports in modernere, effiziente Gepäcktransportsysteme. Schließlich lässt sich die Attraktivität eines internationalen Flughafens in Minuten messen: Je kürzer die Umsteigezeit, desto besser. Die neuen Sicherheitsbestimmungen haben auch der Firma Beumer aus Beckum einen Großauftrag eingebracht. Für Fraport, den Betreiber des Frankfurter Flughafens, soll das Familienunternehmen Scanner direkt in die Gepäckförderanlage integrieren.

Der Mittelständler kam auf Deutschlands größtem Flughafen zum Zuge, weil er auf Sortieranlagen spezialisiert ist. Denn in Frankfurt wird das Gepäck seit mehr als 30 Jahren in Kunststoffwannen befördert, die auf einem Metallgestell fahren. Metall lässt sich aber nicht durchleuchten. „Wir haben eigens für dieses Projekt eine Sortieranlage entwickelt, die mit Behältertrennung arbeitet“, sagt Holger Lieberwirth stolz, Beumer-Geschäftsführer für Vertrieb und Marketing. Der Kunststoffbehälter fährt dabei nach der Trennung auf einem konventionellen Band weiter. Beumer ist mit seiner Technik auf fast allen deutschen und vielen internationalen Flughäfen vertreten und hat wenig direkte Konkurrenz. „Die Markteintrittsbarrieren sind recht hoch“, sagt Lieberwirth.

Vor allem Vertrauen spiele eine große Rolle. Das bestätigt auch der Geschäftspartner Fraport. „Wenn so eine Anlage mal stehen bleiben sollte, können schnell höhere Folgekosten anfallen“, sagt Hubert Grünewald, Leiter Betrieb der Gepäckanlage bei Fraport. „Gepäcktransport ist eine sensible Angelegenheit, in diesen Bereich dürfen wir nur Leute lassen, denen wir hundertprozentig vertrauen können.“

Zudem ist die Technik ausgesprochen komplex. Sie macht lange Entwicklungszeiten und damit auch größere Investitionen notwendig. Beumer hat vor kurzem ein System entwickelt, bei dem jeder Koffer einzeln auf einem kleinen Wagen mit integriertem Bordcomputer reist: Gerade hat die Fluggesellschaft der Vereinigten Arabischen Emirate „Autover“ geordert, und auch auf dem Flughafen in Münster ist es schon in Betrieb. Autover kann zum Beispiel Staus auf den Gepäckwegen umfahren. Außerdem ist das Gepäck mit zehn Metern pro Sekunde schnell. In Zukunft soll der Gepäckshuttle noch mehr Gas geben. „Das Ende der Fahnenstange ist längst nicht erreicht", verspricht Beumer-Vertriebs-Chef Lieberwirth.

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