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22.12.2016

11:39 Uhr

German Pellets

Gründerfamilie kauft insolvente Werke in Sachsen

VonGertrud Hussla

Die Familie des German-Pellets-Gründers Peter Leibold steigt wieder in das Geschäft ein. MPV, geführt von Leibolds Tochter, übernimmt die insolventen Woodox-Werke. Sie waren indirekt mit German Pellets verbunden.

Gemeinsam posierten Vater und Tochter Kathrin (heute Kathrin Wiedmer) in besseren Zeiten für den German Pellets-Konzern Johannes Arlt für Handelsblatt

Peter Leibold und Tochter Kathrin

Gemeinsam posierten Vater und Tochter Kathrin (heute Kathrin Wiedmer) in besseren Zeiten für den German Pellets-Konzern

DüsseldorfEs war ein enger Bieterwettstreit bis zum Schluss. Nun hat die Tochter von German-Pellets-Gründer Peter Leibold, Kathrin Wiedmer, den Sieg davon getragen: Die von  ihr gegründeten Mitteldeutsche Pellets Vertrieb GmbH (MPV) übernimmt die drei ehemaligen Woodox-Werke in Sachsen und Sachsen-Anhalt. Die drei Pellets-Werke mit insgesamt 70 Mitarbeitern waren vor der Insolvenz von German Pellets indirekt mit dem Imperium von Peter Leibold verbunden und ebenfalls pleitegegangen. Insolvenzverwalter Lucas Flöther hat den Verkauf der Werke am Abend bestätigt.

Der Brennstoffhersteller German Pellets musste im Februar 2016 Insolvenz anmelden. 17.000 Anleger hatten dem Konzern rund 270 Millionen Euro anvertraut, überwiegend in Form von Anleihen. German Pellets hatte die Woodox-Werke einst betrieben. Auch die vormaligen Eigentümer der pleite gegangenen Woodox-Werke sind alte Bekannte. Die Werke gehörten zuvor einer österreichischen Gesellschaft, deren Hauptgeschäftsführer auch Vorstand der Pele Stiftung war. Dieser Stiftung hatte German Pellets einst Darlehen in Höhe von rund 100 Millionen Euro gewährt, vermutlich aus Anlegergeld. Begünstigte der Stiftung ist Leibolds Ehefrau Kathrin.

German Pellets: Chronik einer Pleite

Wie alles begann

2005 gründet Peter Leibold im Alter von 47 Jahren in Wismar an der Ostsee ein Werk für Holzpellets. Die aus Sägespänen und Holzresten gepressten Stifte werden vor allem als Brennmittel in Heizöfen verwendet.

Exzessives Wachstum

2012: German Pellets hat FireStixx übernommen und betreibt inzwischen mehrere Werke. Das Unternehmen erhöht den Umsatz angeblich von 286,1 Millionen (2011) auf 519,1 Millionen Euro. Nach einer ersten Anleihe, mit der das Unternehmen 80 Millionen Euro einsammelte, begibt der Brennstoffhersteller nun verstärkt (eigenkapitalähnliche) Genussrechte. Das Volumen an Genussrechten steigt in den kommenden Jahren von fünf auf 44 Millionen Euro.

Private US-Geschäfte

2013: Familie Leibold eröffnet ein Werk in Texas (USA) und startet den Bau des US-Werks Louisiana, das 2015 in Betrieb geht. German Pellets sammelt mit einer neuen Anleihe 72 Millionen Euro ein und begibt Genussrechte für 13,2 Millionen Euro. Das Anleihevolumen steigt später auf mehr als 226 Millionen Euro.

Die Krise beginnt

Sommer 2015: Peter Leibold meldet zum Halbjahr ein Umsatzplus um elf Prozent auf 294 Millionen und einen operativen Gewinn von 26 Millionen Euro. Doch das Unternehmen hat inzwischen 443 Millionen Euro Schulden. German Pellets braucht frisches Eigenkapital. Im Herbst will der Brennstoffhersteller Anleger dazu verleiten, ihre (vorrangigen) Anleihen in (nachrangige) Genussrechte zu wandeln. Creditreform errechnet eine Eigenkapitalquote von nur noch 5,4 Prozent.

Der Insolvenzantrag

10. Februar 2016: German Pellets beantragt Insolvenz in Eigenverwaltung. Das Amtsgericht Schwerin lehnt ab und ordnet vorerst ein klassisches Verfahren an. Bettina Schmudde wird vorläufige Verwalterin. Mehrere Töchter und das US-Werk Louisiana sind später ebenfalls insolvent. Zuvor hatten Lieferanten und Mitarbeiter vergeblich auf Geld gewartet. Die Finanzaufsicht Bafin untersagte dem Unternehmen den Handel mit Genussrechten. Eine für 10. Februar angesetzte Gläubigerversammlung sagte German Pellets kurzfristig ab.

Der Wirtschaftskrimi

12. Februar 2016: Die Staatsanwaltschaft Rostock ermittelt gegen Peter Leibold wegen Verdachts auf Unterschlagung. Der Wiener Finanzier MCF Commodities hatte Strafanzeige gestellt, weil ihm wegen unbezahlter Rechnungen angeblich ein Schaden in Höhe von 27 Millionen Euro entstanden sein soll. Peter Leibold schweigt zu den Vorwürfen. Es gilt die Unschuldsvermutung.

Leibolds Tochter hat nun den Zuschlag vor den Betreibern von Wismar Pellets GmbH gewonnen, die ebenfalls für die Woodox-Werke geboten hatten. Wismar Pellets ist das frühere Hauptwerk von German Pellets in Wismar. Es wurde von einer Investorengruppe gekauft. Die drei Woodox-Werke in Osterfeld, Oranienbaum (beide Sachsen-Anhalt) und Löbau (Sachsen) verfügen insgesamt über eine Produktionskapazität von 225 000 Tonnen Holzpellets im Jahr. Das entspricht in etwa der Kapazität von Wismar. Hätten die Wismarer Bieter den Zuschlag bekommen, hätte sich damit also doppelt so viel Holzpellets produzieren können wie bisher. Der Kaufpreis für die ehemaligen Woodox-Werke war nach Handelsblatt-Informationen ein höherer einstelliger Millionenbetrag. Offenbar gelang es der Leibold-Familie, das Geld in letzter Minute aufzutreiben und die Wismarer knapp zu überbieten.

In der Branche sorgt das für Stirnrunzeln. Kathrin Wiedmer hat einst mit ihrem Vater Peter Leibold gemeinsam auf Presse-Fotos von German Pellets posiert. Sie war unter Leibold in den German-Pellets-Konzern eingebunden und hat ein Tochterunternehmen gemanagt. Im Rahmen der German-Pellets-Insolvenz ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen Peter Leibold wegen möglicher Insolvenzverschleppung und anderer Delikte. Die Insolvenzverwalterin von German Pellets. Bettina Schmudde, sprach schon früh von Hinweisen auf eine „Kriminalinsolvenz“, also einer Insolvenz mit kriminellem Geschäftsmodell oder kriminellen Begleitumständen. Leibold hat zu dem Verdacht und den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft bislang keine Stellung genommen.

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

22.12.2016, 13:09 Uhr

Pleite kauft Pleite und hofft weiter auf staatliche Subventionsunterstützung.
Diese sog. Erneuerbare Energiebranche ist massiv auf politische/staatliche Subventionen angewiesen. Marktwirtschaftlich sind Holz Pellets und Hackschnitzel nicht tragbar bzw. ein Nischenprodukt.
Oel, Gas und Kohle bestimmen den Markt. Das ist FAKT!

Account gelöscht!

22.12.2016, 17:56 Uhr

"Herr Fritz Porters - 18.11.2016, 11:43 Uhr

@ Herr Hoffmann

ich habe nicht diesen enormen politischen Sachverstand wie Sie, aber die von Ihnen beschriebene "Grünen-Sozialistischen Vernichtungspolitik".... ist das sowas wie ein "Gemüseauflauf"? :-D
Herrlich, die Kommentare sind echt Comedy... einige Artikel im HB sind echt besorgniserregend, aber die Kommentare können einem das Lachen zurückzaubern. Danke ...muss weiter arbeiten...aber nachher schaue ich noch mal in die Kommentare...will doch auch später noch was zu schmunzeln haben..."

@Porters

VIELEN DANK Herr Porters,
es ist wirklich ein immenser Zeitaufwand, von morgens bis abends zu jedem Artikel so witzige Kommentare zu schreiben.
Bei manchen Artikeln sogar mehrere.
Schön das Sie das zu schätzen wissen.

Aber die Ehre gebührt nicht mir alleine. An den Comedy-Kommentaren sind noch weitere Leute beteiligt die auch gewürdigt sein wollen:
Paff, von Horn, Vinci Queri, Delli, Bollmohr, Caruso, Mücke, Ebsel, Dirnberger....

ohne sie wäre ich hier sehr einsam !

Aber besonders erwähnen möchte einen, der wirklich den ganzen Tag, und damit meine ich von morgens bis abends, aber auch wirklich jeden Artikel kommentiert (er ist fleisiger als ich), und auch die meisten Artikel mehrmals kommentiert.....

das ist unser geliebter

SPIEGEL

Danke

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