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18.02.2016

20:22 Uhr

German Pellets

Mitarbeiter haben Pleite kommen sehen

Letzte Woche kam die Pleite – doch schon seit längerem scheint sich die Schieflage des Brennstoffherstellers German Pellets abgezeichnet zu haben. Die Belegschaft jedenfalls sah deutliche Anzeichen dafür.

WismarFür die Beschäftigten des insolventen Holzverarbeiters German Pellets hat sich der Niedergang des Unternehmens schon seit längerem abgezeichnet. Reparaturen an den Produktionsmaschinen seien meist nur notdürftig, oft gar nicht mehr erfolgt, berichteten Mitarbeiter auf einer Gewerkschaftsveranstaltung am Donnerstagabend in Wismar. Dazu eingeladen hatte die IG Metall, die auch für Arbeitnehmer in der Holzverarbeitung zuständig ist, um die Beschäftigten über Rechte und Pflichten im Insolvenzfall zu informieren.

Das Unternehmen, nach eigenen Angaben weltgrößter Produzent und Händler von Holzpellets, hatte seinen Expansionskurs mit Anleihen finanziert. Zum 1. April wird eine Anleihe mit einem Volumen von 52,4 Millionen Euro fällig. Am Mittwoch voriger Woche sagte das Unternehmen kurzfristig eine Gläubigerversammlung ab und stellte einen Insolvenzantrag. German Pellets ist bei Anlegern über zwei weitere, ebenfalls mit 7,25 Prozent verzinste Anleihen mit weiteren 172 Millionen Euro in der Schuld. Tausende Geldgeber fürchten nun um ihre Anlagen. Die Anleihen verloren zuletzt dramatisch an Wert.

Wie am Donnerstag bekannt wurde, haben die rund 150 German- Pellets-Mitarbeiter in Wismar ihre Löhne nahezu pünktlich erhalten. Die Zahlungen seien angesichts der noch ausstehenden Verfahrenseröffnung als Vorschuss auf das Insolvenzgeld geleistet worden, sagte ein Sprecher der vorläufigen Insolvenzverwalterin Bettina Schmudde.

German Pellets - Fakten zum Unternehmen

Gründungsjahr

Gegründet wurde German Pellets erst im Jahr 2005 in Wismar. Zuvor hatte Leibold bereits als Geschäftsführer eines Sägewerks Erfahrung in der Holzindustrie gesammelt.

Geschichte

Vor allem durch Zukäufe ist German Pellets in relativ kurzer Zeit stark gewachsen. Dabei profitierte das Unternehmen unter anderem davon, dass Holzpellets als CO2-neutral gelten. Das ist ein Grund, weshalb etwa die Anschaffung von Pellet-Heizungen gefördert wird.

Im Jahr 2016 kollabiert die Firma, sie meldet im Februar Insolvenz an.

Geschäftsentwicklung

Die Firma verzeichnete bis zum Zusammenbruch ein rasantes Wachstum und kratzte zeitweise an der 600-Millionen-Euro-Umsatzmarke. Im Jahr 2011 waren es noch 286 Millionen Euro.

Eigner und Führung

German Pellets gehörte zu 60 Prozent Peter Leibold und zu 40 Prozent seiner Frau Anna Kathrin. Peter Leibold arbeitete als Geschäftsführer, seine Frau hatte sich aus dem operativen Geschäft zurückgezogen. Tochter Kathrin Leibold führte eine Tochterfirma, die Tiereinstreu vermarktete.

Beschäftigte und Standorte

German Pellets beschäftigte 650 Mitarbeiter. Die Zentrale liegt in Wismar in unmittelbarer Nähe zum Hafen, dort ist auch eine Pellets-Produktion. Weitere 13 Standorte sind in Deutschland verteilt, die beiden größten im Land sind neben Wismar Herbrechtingen und Ettenheim (beide Baden-Württemberg).

Im Jahr 2013 ging die größte Fabrik aber in den USA an den Start mit einer Produktionskapazität von 550.000 Tonnen Pellets pro Jahr (fast ein Viertel der Gesamtkapazität). Ein noch einmal doppelt so großes Werk entstand in Louisiana.

Produkte

Die Firma produziert Holzpellets. Dazu werden Holzspäne unter hohem Druck zu zäpfchengroßen Stäbchen gepresst. Diese werden zur Verbrennung in Kaminöfen, Heizungen, Biomassekraftwerken und als Beimischungen in fossilen Kraftwerken eingesetzt. Die Marke „FireStixx“ gehört zum German-Pellets-Portfolio.

Zur finanziellen Situation des Unternehmens machte der Sprecher keine Angaben. Laut „Handelsblatt“ (Donnerstag) soll die Insolvenzverwalterin nur 5000 Euro in den Firmenkassen vorgefunden haben. Derlei Berichte würden nicht kommentiert, hieß es.

Schmudde selbst informierte am Donnerstag die Belegschaft erneut über den Stand der Dinge. Dem Vernehmen nach sagte sie eine zügige Bestandsaufnahme zu, um das Verfahren möglicherweise doch schon Anfang April eröffnen zu können. Zuvor war auch Mai im Gespräch. Allerdings läuft das Insolvenzgeld nur bis Ende März.

Nach Angaben der Beschäftigten fehlt im Wismarer Betrieb seit Monaten das Holz für die Produktion der für Heizzwecke genutzten Pellets. „Wir haben weder Rohstoff, noch Diesel, um die Produktion fortzusetzen“, sagte einer der Mitarbeiter.

Von

dpa

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