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07.01.2010

16:11 Uhr

Granville Baird

Pannen, Pleiten, Private Equity – ein Lehrstück

VonSönke Iwersen

Der Finanzinvestor Granville Baird ist mit mehr als 20 Transaktionen eine der aktivsten Private-Equity-Gesellschaften in Deutschland und feiert sich in der Öffentlichkeit als Helfer des Mittelstands. Ein Blick hinter die Kulissen zeigt ein anderes Bild.

In der Klemme: Der Finanzinvestor Granville Baird steht in der Kritik. Caepsele

In der Klemme: Der Finanzinvestor Granville Baird steht in der Kritik.

HAMBURG. Die Nerven in der Private-Equity-Branche liegen blank. Großpleiten wie Edscha, TMD Friction und Stankiewicz, allesamt in Händen von Finanzinvestoren, haben das Image der Branche in Deutschland beschädigt. Das bewährte Geschäftsmodell, Unternehmen beim Kauf mit Schulden zu beladen, um so die Rendite des eingesetzten Kapitals nach oben zu hebeln, kann in Krisenzeiten wie diesen gefährlich werden. Hinzu kommt, dass mancher in der Branche das Image mit einer eigentümlichen Kommunikation zusätzlich schädigt.

Granville Baird ist mit mehr als 20 Transaktionen in den vergangenen zehn Jahren eine der aktivsten Private-Equity-Gesellschaften im deutschen Mittelstand. Doch der Versuch, mit Wolfgang Alvano, dem Deutschland-Chef von Granville Baird, ins Gespräch zu kommen, scheitert. Ein Interview sagte dessen Anwalt 24 Stunden vor dem Termin ab. Stattdessen weisen die Rechtsvertreter des in Hamburg ansässigen Investors darauf hin, dass durch eine Berichterstattung über den Zustand des Fonds wirtschaftliche Schäden entstehen könnten. Entschädigungsansprüche würden unverzüglich angemeldet.

Auf den Einschüchterungsversuch folgen Lügen. Zwar würden die meisten Industrieunternehmen, an denen die Gesellschaft beteiligt ist, 2009 Umsatzrückgänge verzeichnen, heißt es in einer Meldung, die Granville Baird einen Tag nach dem Anwaltschreiben verschickt. Doch aufgrund ihrer guten Marktposition würden sämtliche Unternehmen einen operativen Gewinn erwirtschaften. Und wörtlich: „Seit April dieses Jahres spürt Granville Baird bei all seinen Unternehmen einen stetigen Aufwärtstrend.“

Der Druck auf Granville-Chef Alvano und sein Team führt offensichtlich zu Realitätsverlust. Zu den Unternehmen, an denen man sich beteiligt hat, gehört die Schorndorfer Firma Alvo. Granville kaufte den erfolgreichen Metallverarbeiter 2007. Granville-Partner Olaf Kensy sagte 2008: „Mit frischem Geld und unserer Expertise werden wir das Wachstum vorantreiben.“ Am 29. Mai 2009 meldete Alvo Insolvenz an. Inzwischen hat das Unternehmen einen neuen Eigentümer.

Ganz ähnlich ging es dem Druckereispezialisten Vits. Granville kaufte das Düsseldorfer Unternehmen 2006. Auch bei Vits machten sich die Mittelstandsexperten von Granville ans Optimieren. Vom Aufwärtstrend, den die Fondsvertreter seit April 2009 ausmachen, ist aber auch bei Vits nichts zu spüren. Im Gegenteil: Am 20. Mai 2009 eröffnete der Insolvenzverwalter von Vits das Insolvenzverfahren. Grund: Überschuldung.

Drittes Beispiel: Berkenhoff. Der Drahthersteller aus der hessischen Gemeinde Heuchelheim im Landkreis Gießen ist nicht insolvent – vor allem dank einer gerade gesicherten Landesbürgschaft. Für Granville Baird ist die Beteiligung aber trotzdem ein Desaster, das vor allem eines veranschaulicht: Überheblichkeit. In einer 2007er-Broschüre des Granville-Investors MPC Capital heißt es, Berkenhoff sei ein gesundes Unternehmen, einst sogar das profitabelste im ganzen Thyssen-Krupp-Konzern. Es habe sich dort aber niemand recht darum gekümmert. Nach MPC-Ansicht habe jemand gefehlt, der das Unternehmen so richtig vorantreiben könne.

Kommentare (4)

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Dr. Sebastian Friedrich

08.01.2010, 01:19 Uhr

Gut recherchierter Artikel. bei Granville baird gibt es noch 5 sehr angeschlage Unternehmen, deren Existenz unsicher ist, wie aus aktuellen Monatsberichten zu der Liquiditaet und Ergebnissituation hervorgeht. Man kann als Anlagen nur einen Ratschlag geben. Geld herausnehmen und ander Anlagealternativen suchen. Achtung es besteht hohe Verlustgefahr, wie man auch schon in berlin weiss.

Dr. Sebastian Friedrich

08.01.2010, 01:20 Uhr

Gut recherchierter Artikel. bei Granville baird gibt es noch 5 sehr angeschlage Unternehmen, deren Existenz unsicher ist, wie aus aktuellen Monatsberichten zu der Liquiditaet und Ergebnissituation hervorgeht. Man kann als Anlageempfehlung nur einen Ratschlag geben. Geld herausnehmen und ander Anlagealternativen suchen. Achtung es besteht hohe Verlustgefahr, wie man auch schon in berlin weiss.

Twieder

03.02.2010, 12:59 Uhr

Oberflächlich recherchierter beitrag. Fakten: Per Ultimo 2008 wurde das Portfolio auf 82 Prozent des ursprünglich, und zwar 2006-2007, eingeworbenen Kapitals taxiert (vermutlich würde dieser Wert bei Secondaries-Transaktionen derzeit sogar noch geringer liegen). im Vergleich zu investmentfonds mit Ausrichtung auf deutsche Mittelstands-Unternehmen, etwa aus M- oder SDAX, ist dies in der Perspektive seit 2006 gleichwohl ein überdurchschnittliches Ergebnis. Zudem führt sich der Autor mit der Tatsache, dass liquide Mittel vorgehalten (die „begehrlichkeiten“ wecken sollen) und somit eben nicht im Krisenzeitraum 2008-09 investiert wurden, in der bewertung von Gb selbst ad absurdum. Durch die Vorhaltung der Liquidität können nun antizyklische investments genutzt werden. Die Mittel wurden eben nicht in vermeintlichen boomzeiten 2007 bereits voll investiert. Sonstiges: ein gewisser Anteil mehr oder minder angeschlagener Unternehmen in einem Private-Equity-Portfolio entspricht der Orientierung auf turn-around-Situationen (deren Eintritt aber stets fraglich ist). Selbst beim Totatausfall solcher investments kann gleichwohl die Gesamtrendite des diversifizierten Portfolios längerfristig sehr positiv ausfallen. So viel dürften eigentlich auch Wirtschaftslaien in berlin verstehen. Ob deren beliebig vermehrbare Staatsanleihen im Vergleich zu Private Equity und anderen Realinvestitionen für Anleger längerfristig Sinn machen, sei dahingestellt. Unternehmenskommunikation von Gb, gleich jur. Schritte thematisieren usw. Dies dürfte tatsächlich nicht gerade professionell sein. Fluktuation im Gb-Management: auch nicht gerade vertrauensstärkend, aber letztlich nicht PE-untypisch.

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