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08.11.2014

11:22 Uhr

Gründen im Osten und Westen

Der kleine Unterschied

Im Osten wie im Westen gründen heutzutage mehr Frauen Unternehmen als vor 25 Jahren. Unterschiede gibt es zwischen den Regionen auch nach dem Mauerfall allerdings noch immer – nicht nur bei der Art der Unternehmen.

Im Osten sollen Frauen im Arbeitsleben gleichwertig behandelt werden – im Westen aber nicht. dpa

Im Osten sollen Frauen im Arbeitsleben gleichwertig behandelt werden – im Westen aber nicht.

BerlinAls Ingrid Weinhold Anfang der 90er Jahre für ihr Maschinenbau-Unternehmen zu potenziellen Kunden in den Westen reist, wird sie für die Sekretärin gehalten. „Die haben mich gefragt, wann der Chef kommt“, erinnert sich die 56-Jährige, die 1991 gemeinsam mit vier Mit-Gesellschaftern die MABA Spezialmaschinen GmbH in Sachsen-Anhalt gründete. „Das war ich aus Ostdeutschland nicht gewohnt. Dort wurden Frauen im Arbeitsleben gleichwertig behandelt.“

Auch 25 Jahre nach dem Mauerfall haben sich die Verhältnisse noch nicht vollständig angeglichen. „Im Osten gründen etwa 0,7 Prozent aller Frauen im erwerbsfähigen Alter, im Westen rund 1,1 Prozent“, sagt René Leicht vom Institut für Mittelstandsforschung der Universität Mannheim. In absoluten Zahlen sei das ein beachtlicher Unterschied: „Wäre die Quote von Frauen im Osten genauso hoch wie im Westen, dann hätten wir dort pro Jahr statt 29.000 Neugründungen durch Frauen etwa 44.000.“

Aus Leichts Forschungsergebnissen ergibt sich auch, dass Ost- und Westdeutsche andere Arten von Unternehmen gründen: So tendieren Frauen im Westen eher dazu, sich im Bereich der wissensintensiven Berufe selbstständig zu machen. Dazu zählen etwa Steuer- und Unternehmensberaterinnen, Rechtsanwältinnen, Ingenieurinnen, Journalistinnen und Medizinerinnen.

So verschieden sind Ost und West

Wirtschaft

„Blühende Landschaften“ gibt es im Osten eher wenige. Die Wirtschaftskraft liegt ein Drittel unter dem Niveau der westdeutschen Länder. Und: Die Lücke schließt sich seit einiger Zeit kaum noch. (Quelle: dpa)

Verdienst

Ostdeutsche verdienen viel weniger. So betrug der mittlere Bruttomonatslohn im Westen zuletzt 3094 Euro, im Osten nur 2317 Euro.

Arbeitslose

Die Kluft zwischen Ost und West wird immer kleiner. In Ostdeutschland ist die Arbeitslosenquote auf dem tiefsten Stand seit 1991. Trotzdem beträgt sie noch 9,1 Prozent, im Westen 5,8 Prozent.

Rente

Wegen des früheren Berufseinstiegs in der DDR sind Renten im Osten meist höher. Zuletzt bekamen Männer im Schnitt 1096 Euro, Frauen 755 Euro. Im Westen: Männer 1003 Euro, Frauen 512 Euro.

Vermögen

Ostdeutsche besitzen nicht einmal halb so viel. Während Erwachsene im Westen im Schnitt über 94 000 Euro verfügen, sind es im Osten nur 41 000 Euro. Der Durchschnittswert selbst genutzter Immobilien liegt im Westen bei 151 000, im Osten bei 88 000 Euro.

Kinderwunsch

In Westdeutschland ist der Kinderwunsch deutlich ausgeprägter. Nach einer Forsa-Umfrage möchten 63 Prozent der jungen Erwachsenen hier auf jeden Fall Kinder, im Osten nur 47 Prozent.

Kinderbetreuung

In der DDR gehörte die Krippe zum Alltag, das wirkt bis heute nach. 2013 war die Betreuungsquote im Osten mit 49,8 Prozent noch mehr als doppelt so hoch wie in den westdeutschen Ländern mit 24,2 Prozent.

Verkehrstote

Ostdeutsche Straßen sind gefährlicher - und besonders gefährlich sind die in Brandenburg. Bei Verkehrsunfällen starben 2013 dort 69 Menschen pro eine Million Einwohner, in Sachsen-Anhalt 61. Im Bundesdurchschnitt waren es gerade mal 41.

Musik

Ob Helene Fischer oder Tim Bendzko: Musik mit deutschem Text ist im ganzen Land beliebt, nach einer Umfrage im Osten (84 Prozent) aber noch deutlich stärker als im Westen (74 Prozent).

Sterbehilfe

Rund 82 Prozent der Ostdeutschen wünschen sich einer Forsa-Umfrage zufolge bei einer schweren Erkrankung Sterbehilfe. In Westdeutschland sind es nur 67 Prozent.

Studenten

Sie können sich im Osten wegen niedrigerer Mieten mehr leisten. Laut Umfrage zahlt jeder zweite weniger als 300 Euro Miete, im Westen nur jeder dritte. Für Ausgehen oder Hobbys geben Studenten im Osten im Schnitt 178 Euro aus, 16 Euro mehr als die Kommilitonen im Westen.

Kirche

Die historisch gewachsene Kluft bleibt groß: 2011 waren noch 25 Prozent der Menschen im Osten Mitglied der katholischen oder evangelischen Kirche, im Westen 70 Prozent.

Stimmung

Nach einer Umfrage von Infratest dimap bewerten etwa 75 Prozent der Ostdeutschen die Wiedervereinigung positiv. In Westdeutschland sieht dagegen nur rund die Hälfte der Befragten (48 Prozent) mehr Vor- als Nachteile.

Während im Osten 35 Prozent der Selbstständigen diese Art von Dienstleistungen anböten, seien es im Westen 39 Prozent. Ostdeutsche Gründerinnen seien dagegen häufiger im Bereich der persönlichen Routinedienstleistungen anzutreffen – also etwa im Handel, im Gastgewerbe oder als Kosmetikberaterin und Friseurin. „Bildung hat im Osten einen geringeren Einfluss darauf, ob sich eine Frau selbstständig macht“, sagt Leicht.

Kommentare (1)

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Herr Andreas Schilling

10.11.2014, 09:48 Uhr

Das Gründungsthema wird sich in den nächsten 10 Jahren fundamental verändern, was primär an den Biografien der Gründer/innen liegt und der Rolle der Frau in der Gesellschaft OST/WEST liegt (siehe www.alg-zuschuss.de zur Gründung aus der Arbeitslosgkeit). Bereits heute ist eine Selbständigkeit oder der regelmässige Wechsel zwischen Selbständigkeit und Festanstellung wachsend. Sieht man sich das Wachstum der Projektbörsen und Auftragsnetzwerke an, wird sich der Arbeitsmarkt fundamental - dann aber für die Brainworker verändern.

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