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18.06.2012

09:50 Uhr

Gründer-Ausbildung

Privat schlägt Staat

VonStefani Hergert

Die neue Generation junger Unternehmer kommt zum Großteil von Privathochschulen. Aber nicht, weil dort das Studium besser ist. Sondern weil die Unis etwas beherrschen, womit sie unternehmerisch denkende Studenten locken.

Start-up-Pionier und WHU-Absolvent Oliver Samwer. PR

Start-up-Pionier und WHU-Absolvent Oliver Samwer.

DüsseldorfWenn Oliver Samwer während der jährlichen Gründerkonferenz an seiner Alma Mater auftritt, ist der Saal an der privaten WHU - Otto Beisheim School of Management nahe Koblenz bis auf den letzten Platz gefüllt. Samwer hat 1999 mit seinen Brüdern das Internet-Auktionshaus Alando und später den Klingeltonanbieter Jamba erst groß und dann damit Kasse gemacht. Heute finanzieren die Brüder andere Start-ups; für viele ist Oliver Samwer ein Vorbild.

Knapp eine Stunde redet er an dem Oktobertag 2011, sagt Sätze wie: „Wir sind geboren im Goldzeitalter - oder im Schlaraffenland für Unternehmer.“ Die Botschaft an die jungen Zuhörer ist klar: Gründet selbst! Damit hat er schon in der Vergangenheit überzeugt. Etliche WHU-Absolventen zählen zu den Jungunternehmern der deutschen Internetszene.

Die WHU ist eine der Hochschulen mit der lebendigsten Gründerszene. Und bestätigt damit eine Regel: Wenn sich überhaupt in Deutschland Hochschulen als Ausbildungsstätten für Jungunternehmer profilieren, dann sind sie meist privat geführt. Den kleinen privaten Hochschulen, die serienmäßig Start-up-Gründer hervorbringen, stehen allenfalls ein paar wenige staatliche Universitäten gegenüber. Entrepreneurship, also Unternehmertum, haben WHU, Handelshochschule Leipzig (HHL) oder die EBS Universität für Wirtschaft und Recht in Wiesbaden zum Steckenpferd erkoren: Gründer-Lehrstühle, Vorlesungen, Businessplan-Seminare, Planspiele und - ganz wichtig - Gespräche mit Gründern gehören dazu. Denn sie haben erkannt: Neben inhaltlicher Kompetenz kommt es vor allem auf die Kontakte an.

Den Unternehmergeist wollen die Vorbilder wecken

Genaue Zahlen, wie viele Gründer welche Uni hervorgebracht hat, gibt es nicht. Die Onlineplattform Gründerszene.de hat aber eine einzigartige Datenbank mit 1.400 Gründern in Deutschland - vor allem aus dem Internetbereich - und zusammen mit dem Handelsblatt einmal genauer geschaut, wo die wichtigsten Köpfe der Szene studiert haben.

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Ein Zentrum für die nächste Managergeneration: Jährlich 40 Schüler nimmt das Unternehmergymnasium in Bayern an. Bisher ist es das einzige seiner Art in ganz Deutschland. Nun will der Schulleiter das Konzept ausweiten.

Die WHU in Vallendar liegt als Hochschule bei den gelisteten Gründern vorne, mehr als 90 von ihnen haben hier studiert. An der WHU machen sich laut Schätzungen rund 15 Prozent eines Jahrgangs selbstständig. In Deutschland gründen nicht einmal zwei Prozent der Gesamtbevölkerung. Rund 50 beziehungsweise 35 Webgründer haben an der EBS und HHL studiert. Die staatlichen Universitäten in Berlin und München können absolut zwar mithalten, rund 110 Gründer machten einen Abschluss an einer der Unis in der Bundeshauptstadt, mehr als 70 in der bayerischen Metropole. Doch die Privaten haben gerade einmal ein paar Hundert bis 1.000 Studenten und nicht mehrere Zehntausend wie die großen staatlichen Unis.

Für die Hochschulen ist die Gründerlehre ein Spagat zwischen akademischem Anspruch und praktischer Anleitung. „Da zeigt sich das Problem staatlicher Professoren“, sagt Stephan Uhrenbacher, erfolgreicher Seriengründer, der mit dem Bewertungsportal Qype bekannt geworden ist und an der Universität Kaiserslautern sowie in Kanada studiert hat. „Sie sind zu weit weg von der Wirtschaft.“ Der Vorteil für die privaten: Kontakte zu den Unternehmen sind nicht nur erlaubt, sondern ausdrücklich gewünscht. Unternehmerisch zu denken und zu arbeiten ist an den privaten Wirtschaftshochschulen quasi Pflicht. Kein Wunder, dass dort auch Ende der 90er-Jahre die ersten deutschen Gründerlehrstühle entstanden sind.

Kommentare (12)

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MartinH

18.06.2012, 10:20 Uhr

Dumm nur das der großteil an Privatenhochschulen die entsprechneden Geldgeber hinter sich haben.
Bafög-Empfänger werden sich da wohl ehr selten aufhalten.

Also ist das wohl ein völlig falscher Vergleich.

Account gelöscht!

18.06.2012, 10:47 Uhr

Da muss ich Ihnen glücklicherweise widersprechen, MartinH. Wie ich zumindestens von der WHU weiß, gibt es dort sowohl Teil- oder sogar komplette Erlässe für Bafög-Empfänger. Außerdem bezieht ein Großteil der Studenten die Studiengebühren über den sog. umgekehrten Gerationenvertrag. Dabei zahlt man später für eine bestimmte Zeit einen bestimmten Anteil seines späteren Einkommens zurück. Zudem erhält ein signifikanter Anteil ein Stipendium (z.B. Studienstiftung).

Natürlich lässt sich nicht verneinen, dass viele Studenten in gut situierten Umfeldern aufgewachsen sind. Ansonsten kann ich Ihnen immer einen Besuch empfehlen. Um über etwas fachkundig urteilen zu können, sollte man sich auf jeden Fall vorher richtig informieren.

aber

18.06.2012, 11:14 Uhr

Ahh, es gibt immer noch diese Menschen, die denken, dass sie ohne das geringste Wissen zu den Privaten was sagen können. Ich fange diesen September an der WHU an, mit BAFÖG, mit Vollstipendium und ohne eine superreiche Familie im Hintergrund. Klar ist eine sehr gute Bildung Vorraussetzung, aber wer erwartet denn, dass Menschen ohne Bildung gründen?

Kritik gerne, aber bitte mit wirklich fundierten Nachweisen.

Das von einem 20 Jährigen, der sich Mühe gegeben hat - An einen evtl. 40 Jährigen, der seinen Senf abgeben wollte.

Noch ein Versuch bitte.

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