Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

03.03.2016

15:40 Uhr

Gründer im Europa-Vergleich

Deutschen Start-ups fehlen die Frauen

VonMiriam Schröder

Eine Start-up-Studie zeichnet ein buntes Bild der europäischen Gründerlandschaft: Spanier und Italiener sind die größten Teamplayer, die Schweden haben die ältesten Gründer – und die Deutschen die wenigsten Frauen.

In Deutschland gründen Frauen nur selten ein Unternehmen.

Start-ups

In Deutschland gründen Frauen nur selten ein Unternehmen.

BerlinE-Commerce ist out. Galt es vor zehn Jahren noch als revolutionär, einfach immer neue Produkte, seien es Schuhe, Kosmetik oder Hundefutter, im Internet zu verkaufen, konzentrieren sich die europäischen Start-ups heute auf innovativere Geschäftsmodelle. Die größte Gruppe, nämlich 16,4 Prozent, setzt auf sogenannte SAAS-Lösungen, die Kurzform für Software as a Service. Der Unterschied zu herkömmlicher Software besteht vor allem daran, dass man sie nicht kaufen muss, sondern via Cloud darauf zugreifen kann - und nur dann bezahlt, wenn man etwas nutzt. Sechs von zehn Start-ups konzentrieren sich auf den B-to-B-Markt.

Das ist eines der Ergebnisse des ersten European Start-up Monitors (ESM), der am Donnerstag in Berlin vorgestellt wurde. Für die Studie, erstellt von der Universität Essen im Auftrag des deutschen Start-up-Verbands, wurden 2300 Start-ups in 28 Ländern in Europa und Israel befragt. Als Start-ups definiert der ESM dabei Unternehmen, die nicht älter sind als zehn Jahre, mit innovativen Technologien oder Business-Modellen arbeiten, und ein signifikantes Wachstum vorweisen oder planen.

Die 10 besten Ratschläge für Unternehmer

Hab Spaß

„Das Leben ist ein Marathon und kein Sprint“, sagt Thorsten Reiter, dessen Buch „Start up – Jetzt! Endlich loslegen und es richtig machen“ gerade im Campus-Verlag erschienen ist. Genauso verhält es sich auch mit dem Bestreben als Unternehmer. Reiter: „Wer lange durchhalten will, sollte Spaß an der Sache entwickeln, der er täglich nachgeht, und vor allem daran, wie er es tut.“

Glaub an dich

Unternehmer sollten sich laut Reiter darauf konzentrieren, ihre Marke auszubauen sowie ihre Arbeit zu erledigen, und aufhören, über sich und ihr potentielles Versagen nachzudenken. „Wenn sie eines Tages scheitern, werden sie es schon merken und haben genug Zeit, im Nachhinein darüber nachzudenken.“

Glück ist eine Einstellungssache

„Jeder Gründer sollte sich entscheiden, stets Glück zu haben“, rät Thorsten Reiter. Seiner Lebensphilosophie nach liegt es in den eigenen Händen, Glück zu haben. Dabei ist für den Gründer-Experten genauso richtig, dass jeder einzelne der Herr seines Schicksals ist wie der Glaube daran, dass alles, was wir erleben, durch etwas oder jemanden vorherbestimmt ist.

Versuchen ist gut, machen ist besser

Reiter rät jungen Unternehmern nicht zu „entscheiden“, wann sie gescheitert sind. „Scheitern passiert und es bleibt keine andere Wahl, als das Scheitern zu akzeptieren und daraus zu lernen.“ Getreu dem Motto von Meister Yoda in Star Wars: „Do or do not. There is no try!“.

Nutze alle Ressourcen

Haben Sie Spaß daran, Teil von etwas zu sein und nutzen Sie das für sich. Als Unternehmer erhalten Sie Zugang zu Ressourcen, für die man sonst große Summen bezahlen müsste. Reiter: „Ein Marketingplan-Wettbewerb an einer lokalen Hochschule beispielsweise gibt der Einrichtung sowie ihren Studierenden Stoff, um sich weiter zu qualifizieren“, und Ihnen als Unternehmer einen enormen Pool an neuen Ideen.

Manchmal hilt nur: Zähne zusammenbeißen!

Jungunternehmer sollten sich schnell daran gewöhnen, die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit nicht nur auszutesten, sondern sie regelmäßig zu überschreiten. Thorsten Reiter: „Nur so können sich Gründer und Erfolgssuchende sicher sein, wo sie verlaufen.“ Und: „Im gemütlichen Nine-to-Five-Sessel lassen sich keine Märkte revolutionieren und keine Konsumentenerfahrungen erschaffen, die zu wahren Ereignissen im Leben der Kunden werden.“

Gib dein Wissen weiter

Behalten Sie niemals die Dinge, die Sie auf Ihrem Weg gelernt haben, für sich. Teilen Sie, wann immer sie können, lautet die Empfehlung des Start-Up-Experten Reiter. Halten Sie also Vorträge, geben Sie Workshops oder seien sie selbst ein Mentor für andere Entrepreneure. Reiter: „Dadurch wird auch der Gründer selbst besser, versteht seine Herangehensweisen und erhöht sein Exposure.“

The winner shares it all

Steuern Sie auf Ihrem Weg gezielt Win-Win-Win-Effekte an und ermöglichen Sie es so einer größeren Anzahl von Menschen, sich mit Ihrer Idee und der Sache, für die Sie stehen, zu identifizieren. Keine Angst, das bedeutet nicht, dass Sie etwas vom Kuchen abgeben müssen; es bedeutet, so Reiter, dass alle am Ende mehr haben. Wenn jemand also einen WLAN-produzierenden Baum entwickeln würde, wäre der zusätzliche Klimafaktor solch ein Effekt.

Verändere das Spiel der Könige

Was hat Unternehmertum mit Schach zu tun? Reagieren Sie im Business nicht nur auf die Züge des Gegners, sondern gehen Sie einen Schritt weiter über die Grenzen des Bretts hinaus, rät Thorsten Reiter. So werden die Regeln des Spiels neu definiert, das Feld wird erweitert und die Möglichkeiten sind plötzlich unzählig. Wer als Unternehmer gelernt hat, das Spiel zu durchschauen, hält einen Trumpf in der Hand, der die Konkurrenz ins Chaos stürzen kann. Reiter: „Manchmal ist ein vermeintlich irrationaler Zug der entscheidende Schlag, und was von außen wie Chaos erscheint, ist lediglich die strategische Wendung hin zum eigenen Competitive Advantage und ein echter Game Changer.“

Finde deine Antworten

Sind Sie ein Unternehmer? Haben Sie den Mut dazu, Ihr Leben – egal ob angestellt oder selbstständig – nachhaltig zu verändern? Ist das der richtige, der einzige Weg? Diese Fragen möchten Thorsten Reiter jedem potentielen Gründer mit auf den Weg geben, denn er kann lediglich Denkanstöße geben. Die Antworten darauf muss jeder für sich selber finden. Reiter: „Ob du ins Abenteuer Unternehmertum aufbrechen wirst, ob diese Reise für dich bestimmt ist, kannst nur du selbst sagen. Nur du kannst diese Antworten geben.“

Verglichen mit anderen Regionen, so die Studie, liegt Europa in Sachen Unternehmertum noch zurück: Während in Asien oder Nordamerika 13 Prozent der erwachsenen Bevölkerung aus Gründern bestehe, seien es in Europa nur 7,8 Prozent. Dabei wird deutlich, dass Europa von den Start-ups profitieren könnte: Die befragten Firmen haben im Durchschnitt 13 Arbeitsplätze nach 2,5 Jahren geschaffen und sie planen, innerhalb der nächsten zwölf Monate sieben weitere Stellen zu schaffen. Einer Drittel aller Beschäftigten arbeitet nicht in dem Land, in dem sie geboren wurden.

Die meisten Jobs, nämlich durchschnittlich 15 pro Firma, wurden in Deutschland geschaffen. Zudem schaffen die Start-ups Innovationen. Zwei Drittel schätzen ihr Produkt oder Dienstleistung als Neuerung auf dem europäischen Markt ein.

14,7 Prozent der befragten Gründer sind weiblich. Den größten Anteil weiblicher Gründer hat Schweden mit 33 Prozent, gefolgt von Rumänien mit 28,1 Prozent. So wenig wie in Deutschland (12,9 Prozent) gibt es sonst nirgends in Europa, außer in Tschechien, was aber daran liegt, das für das Land keine Geschlechter-Zahlen erhoben wurden. Die meisten Gründer sind zwischen 25 und 34 Jahren alt. Die ältesten Gründer findet man in Schweden, Tschechien und Spanien, die jüngsten in Belgien, Großbritannien und Italien.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×