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28.09.2016

14:53 Uhr

Gründerstadt München

Mit Smartphone und Lederhose

VonAlexander Demling

Mit Stargästen wie Richard Branson oder Kevin Spacey auf dem Oktoberfest macht die Gründerkonferenz „Bits & Pretzels“ Furore. Immer mehr Start-ups ziehen an die Isar. Aber taugt München wirklich zur Gründer-Metropole?

Virgin-Gründer Richard Branson bei seinem Auftritt auf der Gründermesse. Imago

Bits & Pretzels

Virgin-Gründer Richard Branson bei seinem Auftritt auf der Gründermesse.

MünchenSelbst die Regeln des mehr als 200 Jahre alten Oktoberfests scheinen für die „Bits and Pretzels“-Macher nicht zu gelten: Am Dienstag, dem letzten Tag der Münchner Gründerkonferenz, füllten sie mit ihren rund 5000 Teilnehmern fast ein ganzes Festzelt. Eigentlich sind solche privaten Großveranstaltungen auf der Wiesn verpönt.

Doch wo sollen die ganzen Internet-Unternehmer auch sonst hin, wenn nicht in eins der riesigen Bierzelte? In nur zwei Jahren ist „Bits & Pretzels“ zur zahlenmäßig größten Digitalkonferenz in Deutschland gewachsen. Auch der Star-Faktor ist nicht mehr spürbar geringer als bei der „Digital Life Design“ (DLD) des Burda-Verlags oder der Berliner „Noah“-Konferenz: Auftritte von Oscar-Preisträger und Virtual-Reality-Enthusiast Kevin Spacey und Unternehmer-Legende Richard Branson machten Furore weit über die Grenzen der bayerischen Landeshauptstadt. Und an einem Gang im Festzelt umringten Jungunternehmer Airbnb-Gründer Nathan Blecharczyk in Lederhose, der lächelnd mehr als eine Stunde lang Fragen beantwortete, Visitenkarten einsteckte und auf Gruppenselfies posierte.

„Bits & Pretzels“: Was Kevin Spacey Start-ups auf den Weg gibt

„Bits & Pretzels“

Was Kevin Spacey Start-ups auf den Weg gibt

Kevin Spacey ist Hollywood-Star, Oscar-Preisträger und Investor in Start-ups. Beim Festival Bits & Pretzels erzählt er, was für ihn das Geheimnis erfolgreicher Firmen ist – und warnt vor den Gefahren des Oktoberfests.

Unter den Gründerkonferenzen ist die „Bits and Pretzels“ das erfolgreiche Start-up, das dem alten CSU-Slogan „Laptop und Lederhose“ ein Update verpasst hat – aber trotzdem lebt die Konferenz anders als etwa die Noah vor allem von angereister Prominenz. Die Start-up-Stadt München glitzert drei Tage im Spätsommer – aber die Milliardenunternehmen wie Zalando oder Delivery Hero sitzen in Berlin.

Bernd Storm van's Gravesande kennt die Start-up-Szene Münchens bestens. Der Gründer von Aboalarm organisiert die „Bits and Pretzels“ gemeinsam mit Andreas Bruckschlögl und Felix Haas. Überraschend zurückhaltend fällt sein Plädoyer für die drittgrößten deutschen Metropole aus. Erst mal zählt er ihre diversen Nachteile gegenüber Berlin auf: „Als gut ausgebildeter Ingenieur oder BWLer kannst du hier halt auch zur Allianz oder zu BMW gehen.“

Die 10 besten Ratschläge für Unternehmer

Hab Spaß

„Das Leben ist ein Marathon und kein Sprint“, sagt Thorsten Reiter, dessen Buch „Start up – Jetzt! Endlich loslegen und es richtig machen“ gerade im Campus-Verlag erschienen ist. Genauso verhält es sich auch mit dem Bestreben als Unternehmer. Reiter: „Wer lange durchhalten will, sollte Spaß an der Sache entwickeln, der er täglich nachgeht, und vor allem daran, wie er es tut.“

Glaub an dich

Unternehmer sollten sich laut Reiter darauf konzentrieren, ihre Marke auszubauen sowie ihre Arbeit zu erledigen, und aufhören, über sich und ihr potentielles Versagen nachzudenken. „Wenn sie eines Tages scheitern, werden sie es schon merken und haben genug Zeit, im Nachhinein darüber nachzudenken.“

Glück ist eine Einstellungssache

„Jeder Gründer sollte sich entscheiden, stets Glück zu haben“, rät Thorsten Reiter. Seiner Lebensphilosophie nach liegt es in den eigenen Händen, Glück zu haben. Dabei ist für den Gründer-Experten genauso richtig, dass jeder einzelne der Herr seines Schicksals ist wie der Glaube daran, dass alles, was wir erleben, durch etwas oder jemanden vorherbestimmt ist.

Versuchen ist gut, machen ist besser

Reiter rät jungen Unternehmern nicht zu „entscheiden“, wann sie gescheitert sind. „Scheitern passiert und es bleibt keine andere Wahl, als das Scheitern zu akzeptieren und daraus zu lernen.“ Getreu dem Motto von Meister Yoda in Star Wars: „Do or do not. There is no try!“.

Nutze alle Ressourcen

Haben Sie Spaß daran, Teil von etwas zu sein und nutzen Sie das für sich. Als Unternehmer erhalten Sie Zugang zu Ressourcen, für die man sonst große Summen bezahlen müsste. Reiter: „Ein Marketingplan-Wettbewerb an einer lokalen Hochschule beispielsweise gibt der Einrichtung sowie ihren Studierenden Stoff, um sich weiter zu qualifizieren“, und Ihnen als Unternehmer einen enormen Pool an neuen Ideen.

Manchmal hilt nur: Zähne zusammenbeißen!

Jungunternehmer sollten sich schnell daran gewöhnen, die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit nicht nur auszutesten, sondern sie regelmäßig zu überschreiten. Thorsten Reiter: „Nur so können sich Gründer und Erfolgssuchende sicher sein, wo sie verlaufen.“ Und: „Im gemütlichen Nine-to-Five-Sessel lassen sich keine Märkte revolutionieren und keine Konsumentenerfahrungen erschaffen, die zu wahren Ereignissen im Leben der Kunden werden.“

Gib dein Wissen weiter

Behalten Sie niemals die Dinge, die Sie auf Ihrem Weg gelernt haben, für sich. Teilen Sie, wann immer sie können, lautet die Empfehlung des Start-Up-Experten Reiter. Halten Sie also Vorträge, geben Sie Workshops oder seien sie selbst ein Mentor für andere Entrepreneure. Reiter: „Dadurch wird auch der Gründer selbst besser, versteht seine Herangehensweisen und erhöht sein Exposure.“

The winner shares it all

Steuern Sie auf Ihrem Weg gezielt Win-Win-Win-Effekte an und ermöglichen Sie es so einer größeren Anzahl von Menschen, sich mit Ihrer Idee und der Sache, für die Sie stehen, zu identifizieren. Keine Angst, das bedeutet nicht, dass Sie etwas vom Kuchen abgeben müssen; es bedeutet, so Reiter, dass alle am Ende mehr haben. Wenn jemand also einen WLAN-produzierenden Baum entwickeln würde, wäre der zusätzliche Klimafaktor solch ein Effekt.

Verändere das Spiel der Könige

Was hat Unternehmertum mit Schach zu tun? Reagieren Sie im Business nicht nur auf die Züge des Gegners, sondern gehen Sie einen Schritt weiter über die Grenzen des Bretts hinaus, rät Thorsten Reiter. So werden die Regeln des Spiels neu definiert, das Feld wird erweitert und die Möglichkeiten sind plötzlich unzählig. Wer als Unternehmer gelernt hat, das Spiel zu durchschauen, hält einen Trumpf in der Hand, der die Konkurrenz ins Chaos stürzen kann. Reiter: „Manchmal ist ein vermeintlich irrationaler Zug der entscheidende Schlag, und was von außen wie Chaos erscheint, ist lediglich die strategische Wendung hin zum eigenen Competitive Advantage und ein echter Game Changer.“

Finde deine Antworten

Sind Sie ein Unternehmer? Haben Sie den Mut dazu, Ihr Leben – egal ob angestellt oder selbstständig – nachhaltig zu verändern? Ist das der richtige, der einzige Weg? Diese Fragen möchten Thorsten Reiter jedem potentielen Gründer mit auf den Weg geben, denn er kann lediglich Denkanstöße geben. Die Antworten darauf muss jeder für sich selber finden. Reiter: „Ob du ins Abenteuer Unternehmertum aufbrechen wirst, ob diese Reise für dich bestimmt ist, kannst nur du selbst sagen. Nur du kannst diese Antworten geben.“

Auch große US-Tech-Firmen wie Amazon, Microsoft oder IBM zögen mit ihren Europazentralen Talent ab. „Als Gründer hast du extreme Opportunitätskosten.“ An 200 Studenten haben Storm und seine Mit-Organisatoren deshalb kostenlose Tickets verteilt, um ihnen den Lebensentwurf Unternehmensgründung näherzubringen.

Dazu kommen die hohen Lebenshaltungskosten, die das knappe Startkapital der Gründer viel schneller als in Berlin aufsaugen. Storm weiß, wovon er spricht: Als Vater von zwei Kindern behielt er seinen Beraterjob noch zwei Jahre nach der Gründung von Aboalarm – das Leben in München wäre sonst unbezahlbar gewesen.

In der Folge entstand in der bayerischen Landeshauptstadt nie der „Just Do It“-Spirit Berlins: „Die Gründerszene in München ist fragmentierter. Es gibt nicht die eine Szene, sondern kleinere, vertikale Cluster“, sagt Storm. „Im E-Commerce können wir momentan nicht gegen Berlin anstinken.“

Kommentare (3)

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Account gelöscht!

28.09.2016, 15:17 Uhr

München ist halt München. In Bayern würde ich je die Metropolregion Nürnberg-Fürth-Erlangen vorziehen. Hier ist das Kosten-Leistung Verhältnis noch in Ordnung. Erholung und Entspannung biete die Fränkische und Oberpfälzer Gegend überdies noch.

Herr carlos santos

28.09.2016, 15:51 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich. http://www.handelsblatt.com/netiquette

Herr Jürgen Mücke

28.09.2016, 16:44 Uhr

Naja bei den hohen Mieten in München... Als Startup nicht unwesentlich. Aber grundsätzlich befürworte ich jedes Startpunkt unternehmen! Schafft Jobs ! Industrie 4.0 bitte in Deutschland!

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