Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

03.07.2014

16:11 Uhr

Gründerwettbewerb Weconomy

Maßgeschneiderte Finanzierung

VonStefani Hergert

Investoren zu finden ist auch für die Gewinner des Gründerpreises Weconomy eine große Hürde. Denn: So unterschiedlich wie die Geschäftsmodelle der Jungunternehmer sind auch die Geldgeber.

Die Kinematics-Gründer: Matthias Bürger, Christian Guder und Leonhard Oschütz (v.l.). Sie stellen Robotik-Spielzeug her - auch wenn viele Investoren auf Software-Gründer schielen. Pressefoto Kinematics

Die Kinematics-Gründer: Matthias Bürger, Christian Guder und Leonhard Oschütz (v.l.). Sie stellen Robotik-Spielzeug her - auch wenn viele Investoren auf Software-Gründer schielen.

DüsseldorfEines hat Anke Domaske von vornherein ausgeschlossen: ihre Firma zu gründen, groß zu machen und dann zu gehen. Einen Verkauf oder Börsengang konnte und kann sich die Gründerin von Qmilch, die aus nicht mehr trinkbarer Milch eine chemiefreie Faser ähnlich wie Seide produziert, nicht vorstellen.

Ihre Gründung ist eher ein auf Lebzeiten, denn ein auf fünf Jahre angelegtes Projekt. Nur: Damit ist Qmilch für einen Teil der Risikokapitalgeber, die in Start-ups investieren, nicht interessant. Domaske hat sich viel Zeit genommen, die richtigen Geldgeber zu finden - und ist damit gut gefahren. Die Mikrobiologin und Modedesignerin hat neben Bankkredit und Bürgschaft vom Land auch einen Risikokapitalgeber gefunden, der ihre Philosophie mitträgt. „Der passt perfekt, wir sind jetzt seit eineinhalb Jahren 'verheiratet'“, sagt sie und lacht.

Dabei hat der Scherz einen gewissen wahren Kern. Wenn Gründer Geldgeber suchen, hat das schon Gemeinsamkeiten mit der Partnerwahl - schließlich will so mancher Finanzier mitreden und mitgestalten. Nicht nur deshalb tun sich Start-ups schwer, Investoren zu finden. In Deutschland gibt es schlicht zu wenig Kapitalgeber, die Gründer in der Frühphase fördern.

Wie Sie an Geld kommen

Staatliche Förderprogramme

Seitens des Bundes, der Länder und der EU werden Existenzgründern zahlreiche Fördermöglichkeiten geboten. Dabei gehören die Kreditprogramme der KfW Mittelstandsbanken zu den wichtigsten. Dazu zählen das KfW-Startgeld, das Unternehmerkapital sowie der Unternehmerkredit.

Banken

In der Regel sind Banken der erste Ansprechpartner, wenn es um das Startkapital geht. Im Gegensatz zu staatlichen Förderprogrammen handelt es sich aber um Fremdkapital, dass Sie mit Zinsen zurückzahlen müssen. Üblicherweise müssen Sie ein Geschäftsfoto eröffnen müssen, das teurer ist. Gesetzlich ist aber nichts vorgeschrieben. Bitten Sie also Ihre Bank, ob ein gewöhnliches Girokonto reicht.

Leasing

Wenn Sie investieren wollen, aber kein Eigenkapital besitzen und kein Fremdkapital aufnehmen wollen, können sie das Investitionsgut leasen. Das geht entweder beim Hersteller des Gutes selbst oder über ein Finanzinstitut. Leasingverträge haben große Ähnlichkeit mit Mietverträgen. Ihr größter Vorteil ist, dass Sie die Summe nicht auf einmal berappen müssen. Das Risiko besteht in der Insolvenz Ihres Unternehmens, dann nämlich können Sie das Gut nicht einfach verkaufen.

Venture-Capital-Gesellschaften

Venture-Capital-Gesellschaften vergeben Kapital, ohne Sicherheiten zu verlangen. Im Gegenzug erwerben sie aber Beteiligungen an Ihrem Unternehmen und erwarten erhebliche Wertsteigerungen. Dafür vermitteln Venture-Capital-Gesellschaften aber auch wichtige Kontakte.

Private Investoren

Wer lieber auf private Investoren setzt, sollte sie in seinem nahen Umfeld suchen. Günstiger als ein Bankkredit ist das allemal, allerdings handelt es sich hierbei eher um kleinere Summen. Achtung bei Geldgebern aus der Familie: Hier schaut das Finanzamt in der Regel ganz genau hin.

Während Deutschland in puncto öffentlicher Gründerförderung weltweit auf Platz eins stünde, sei die private Finanzierung ein Problem, sagt Sascha Schubert, Vorstand des noch jungen Bundesverbands Deutscher Start-ups. „Im Silicon Valley sehen wir 60 Finanzierungsrunden am Tag, in ganz Deutschland sind es 30 bis 40 im Monat“, sagt er. Er und seine Kollegen wünschen sich daher ein neues Marktsegment für die Wachstumsfinanzierung an der Deutschen Börse. „Es gibt genug Geld auf der Welt. Aber keinen Marktplatz, auf dem wachstumsstarke Unternehmen mit Investoren zusammengebracht werden“, sagt er.

Anke Domaske hatte einen Ansprechpartner, der ihr half, sich selbst erst einmal klarzuwerden, welche Art von Finanzpartner sie im Unternehmen haben wollte. Niemand Geringeres als Robert Friedmann, Chef der für ihre Schrauben bekannten Würth-Gruppe, gab ihr Tipps. Kennen gelernt haben sich die beiden 2011 an einem Wochenende in Baden-Baden, bei dem ausgewählte Gründer auf Topmanager und Unternehmer trafen.

Die Jungunternehmer mussten dafür die Jury des Gründerwettbewerbs Weconomy überzeugen, den das Handelsblatt und das Unternehmensnetzwerk Wissensfabrik jährlich ausschreiben und der nun mit dem neuen Partner UnternehmerTUM der Technischen Universität München zur Gründerinitiative erweitert wird.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×