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06.06.2011

11:49 Uhr

Gunter Fauth

Familienexterne Unternehmensnachfolge

Eine Unternehmensnachfolge stellt gerade Mittelständler vor besondere Herausforderungen. Welche Schritte sind zu unternehmen? Herr Fauth kennt diese Themen und begleitet Unternehmer während des Übergabeprozesses.

Gunter Fauth, Geschäftsführer Valegra GmbH

1.      Einstieg in Familienunternehmen

 

FRAGE

Sehr geehrte Damen und Herren,

 

meine Familie betreibt ein mittelständiges Bauunternehmen mit ca. 200 Mitarbeitern sowie Steinbrüche und Michanlagen.
Nach Abschluss eines Ingenieurstudiums und einer dreijährigen Tätigkeit als Ingenieur bei einem deutschen Baukonzern soll ich mit 28 Jahren in den heimischen Betrieb einsteigen.

Welche Randbedingen sind dabei zu beachten?
Die Firmenanteile sind auf drei Familienangehörige verteilt von denen je ein Drittel auf meinen Vater; Großvater und Onkel entfallen.

Für weiterführende Informationen und Ratschläge wäre ich Ihnen dankbar.

Mit freundlichen Grüßen
Matthias Juchem

 

ANTWORT

Sehr geehrter Herr Juchem,

 

es ist immer eine aufregende und spannende Zeit, wenn man sich als junger Mensch entscheidet, in den heimischen Betrieb einzusteigen. Aufgrund Ihrer kurzen Anfrage möchte ich spontan mit drei unterschiedlichen Ratschlägen

antworten:

 

   Grundsätzlicher Einstieg ins Familienunternehmen

 

   Sie schreiben in Ihrer Anfrage, Sie "sollen" mit 28 Jahren in den

   heimischen Betrieb einsteigen. Wollen Sie auch in den heimischen Betrieb

   einsteigen?

 

   Das ist sicherlich eine sehr grundsätzlich wichtige Frage, die Sie sich

   persönlich stellen und die Sie dann auch gemeinsam mit den

   Familienangehörigen besprechen sollten. Aus der Erfahrung heraus

   scheitern viele Familienunternehmen in der 2., 3. oder 4. Generation,

   wenn mögliche Nachfolger aus der Familie "gezwungen werden", das

   Familienunternehmen weiterzuführen, obwohl sie eigentlich andere

   Vorstellungen von Ihrer beruflichen und persönlichen Entwicklung haben.

   Also die Grundvoraussetzung sollte auf jeden Fall sein, dass Sie sehr

   gerne in das heimische Familienunternehmen einsteigen.

 

   Was ist Ihre zukünftige Rolle im Familienunternehmen?

 

   Sie haben studiert und haben in einem Großunternehmen in einer, wie ich

   vermute, vergleichbaren Branche gearbeitet. Die Abläufe und Prozesse in

   einem mittelständischen Unternehmen unterscheiden sich i. d. R. doch

   deutlich von denen von Großunternehmen. Aus meiner Sicht ist es sehr

   wichtig, dass Sie gemeinsam mit Ihren Familienangehörigen eine für Sie

   zugedachte "Rolle" finden, wo Sie sich beruflich in den nächsten 2 bis 5

   Jahren gut entwickeln können. Unter Rolle verstehe ich dabei

   möglicherweise eine Verantwortung über ein eigenes Geschäftsfeld, die

   Verantwortung möglicherweise im Vertrieb oder einer anderen Funktion,

   die Verantwortung vielleicht für ein neues Geschäftsfeld, dessen Ideen

   Sie ins Familienunternehmen mit einbringen oder vielleicht, wenn dies

   möglich wäre, eine mögliche Expansion in ein zweites oder drittes Land

   oder eine andere Region. Ich denke, dass es für Sie auf jeden Fall

   wichtig ist, dass Sie nicht "im Windschatten" von einem

   Familienangehörigen arbeiten, sondern Ihr eigenes Profil innerhalb des

   Unternehmens erarbeiten und dort auch die Möglichkeit haben, eigenen

   Freiraum für sich selbst zu schaffen, Ihre eigenen Entscheidungen zu

   treffen und auch über diesen Weg entsprechend Erfolg und Anerkennung im

   Unternehmen haben. Gerade als noch junger Mensch mit 28 Jahren könnte

   dies eine sehr gute Möglichkeit sein, schon früh Verantwortung im

   Familienunternehmen zu übernehmen und doch nicht von der Gesamtlast der

   Gesamtverantwortung "erdrückt" zu werden.

 

   Grundsätzlich sollten Sie sich aber Gedanken machen mit Ihren

   Familienangehörigen, wie die zukünftige Strategie des

   Familienunternehmen ausschaut. Im Prinzip ist es so, dass Sie ja damit

   die nächsten 20, 30 oder 40 Jahre sich eine berufliche und persönliche

   Existenz aufbauen, die strategisch gut geplant und im Wandel der Zeiten

   entsprechend innerhalb der Familie abgesprochen wird. Diesen gemeinsamen

   Strategieplan sollten Sie gemeinsam mit den Familienangehörigen dann

   auch umsetzen. Wir stellen immer wieder fest, dass es dann einfach auch

   an den Familienangehörigen liegt "loszulassen". Das ist sehr wichtig,

   dass Sie Ihre eigene Entfaltungsmöglichkeit im Unternehmen haben und

   auch die Möglichkeit bekommen, Ihre neuen Ideen einzubringen. Wenn sich

   dies aus Sicht der Familienangehörigen und aus Ihrer Sicht deckt und man

   dadurch einen gemeinsamen Weg zur Zusammenarbeit und zur Führung des

   Unternehmens findet, dann haben Sie i. d. R. einen guten Einstieg in

   jungen Jahren in das Unternehmen und werden dann sicherlich Ihren Weg

   machen.

 

   Übertragung von Firmenanteilen

 

   Aus meiner Sicht gehört zu einem Strategieplan auch dazu zu überlegen,

   zu welchem Zeitpunkt die Firmenanteile an Sie übertragen werden.

   Sicherlich wird es zu einem bestimmten Zeitpunkt wichtig sein, dass Sie

   auch als geschäftsführender Gesellschafter entsprechende Verantwortung

   in dem Unternehmen haben. Das muss sicherlich nicht mit 28 Jahren sein,

   das kann durchaus auch später der Fall sein. Bzgl. der Übertragung der

   Firmenanteile sollten sich alle Beteiligten gemeinsam mit dem

   Steuerberater zusammensetzen, um dies möglicherweise auch in einem

   kontinuierlichen Prozess entsprechend steueroptimal vorzubereiten. Ich

   habe dabei jetzt einfach unterstellt, dass Ihr Onkel oder Großvater

   seine Firmenanteile nicht zu einem hohen Preis an Sie verkaufen möchte,

   sondern eher daran gelegen ist, die Firmenanteile möglichst

   steueroptimal weiterzuvererben. Sofern der Onkel Firmenanteile verkaufen

   möchte, gibt es natürlich unterschiedliche Bewertungsmethoden, die die

   Grundlage für die Bewertung des Kaufpreises dann sind. Solche

   Bewertungsmethoden könnten wir Ihnen gerne vorstellen.

 

Ich würde Ihnen empfehlen, die gesamten Rahmenbedingungen sowohl von Ihrer persönlichen Entwicklung, von der Rolle und den Entscheidungsmöglichkeiten Ihrer Person innerhalb des Familienunternehmens sowie auch einer langfristigen Planung der Übertragung der Firmenanteile gemeinsam mit den Familienangehörigen besprechen sollten, einen Plan festlegen und diesen dann kontinuierlich mit entsprechend hohem Vertrauen umsetzen.

 

 

2.    Investition in Familienunternehmen

 

FRAGE

Sehr geehrter Herr Fauth,

 

durch das Handelsblatt und die Deutsche Unternehmerbörse bin ich auf Sie und das Expertenteam aufmerksam geworden.

 

Schon seit längerer Zeit bin ich auf der Suche nach einer interessanten Investitionsmöglichkeit. Da ich in der Vergangenheit oft von meinen Investments an börsennotierten Unternehmen enttäuscht wurde, bin ich nun auf der Suche danach, in ein Familienunternehmen zu investieren, weil ich glaube, dass diese Investition mehr Konstanz und Rendite erzielen könnte.  

 

Leider habe ich nur wenig Erfahrung mit Familienunternehmen bzw. Investitionen in diese. Deswegen möchte ich Sie als Experten gerne fragen, wie man hier am besten vorgeht, bzw. worauf ich bei der Auswahl des Unternehmens und dem Investment besonders achten muss, bzw. gibt es vielleicht einige grundlegende Tipps, die Sie mir hier geben können?

 

Für eine kurzfristige Antwort wäre ich Ihnen sehr dankbar.

 

Mit freundlichen Grüßen,

Alexander Khan

 

ANTWORT

Sehr geehrter Herr Kahn,

 

die Zeiten haben sich nach der letzten Wirtschaftskrise schon deutlich verändert. Wo früher viele Unternehmer ihr Geld an der Börse oder anderswo angelegt haben, sind nun Eigenkapitalbeteiligungen an Unternehmen immer mehr in den Mittelpunkt gerückt.

 

Insofern liegen Sie eigentlich in einem Trend, den wir in den letzten beiden Jahren auch sehr stark verspüren. Im Grunde genommen ist die Beteiligung an einem Familienunternehmen nichts anderes als der klassische Erwerb von Firmenanteilen, die Sie entsprechend im Vorfeld einer Beteiligung prüfen müssten.

 

Unter prüfen verstehe ich einerseits die gesellschaftsrechtliche Situation.

Der Kauf von Aktien, auch wenn sie nicht börsennotiert sind, bei Familienunternehmen ist sicherlich eine sehr einfach und deutlich weniger komplexe Angelegenheit, als beispielsweise der Erwerb von GmbH-Anteilen.

Basis für den Erwerb von solchen Firmenanteilen ist i. d. R. immer ein Verkaufsprospekt über das Unternehmen, das Eigenkapital einwerben möchte oder komplett verkauft wird. Auf Basis einer marktüblichen Bewertung wird ein Unternehmenswert dargestellt. Wichtig in diesem Zusammenhang sind natürlich der Businessplan und die zukünftige strategische und operative Entwicklung des Unternehmens. Ein guter Verkaufsprospekt enthält i. d. R.

diese Informationen sowie auch die klassischen Bilanz- und Finanzkennzahlen aus der Vergangenheit.

 

Für Sie selbst ist es natürlich wichtig, in welche Branche Sie zukünftig investieren möchten. Grundsätzlich gibt es dann verschiedene Vorgehensweisen bei der Suche nach solchen Familienunternehmen.

M&A-Beratungshäuser, wie wir beispielsweise, können ganz gezielt innerhalb einer Branche oder Region Familienunternehmen aufspüren. Andererseits haben klassische M&A-Beratungsunternehmen natürlich sehr oft klassische Familienunternehmen als Kunden. In sehr vielen Familienunternehmen stehen Nachfolgeregelungen an, oder es wird, insbesondere nach der Wirtschaftskrise, Eigenkapital für das weitere Unternehmenswachstum gesucht. Wenn Sie mit solchen Beratungsunternehmen, wie beispielsweise Sattler & Partner AG, zusammenarbeiten, werden Sie über die erforderlichen Schritte einer Unternehmenstransaktion informiert und erhalten i. d. R.

auch einen sehr qualifizierten Verkaufsprospekt.

 

Die Auswahl eines Unternehmens hängt natürlich sehr stark davon ab, wo Sie persönlich Ihre Schwerpunkte sehen und in welcher Branche Sie investieren wollen. Aus unserer Praxis gibt es dazu kein Patentrezept. Wir haben mittlerweile festgestellt, dass viele sogenannte Family Offices in traditionsreiche Unternehmen mit einer über Jahre hinweg stabilen Geschäftsentwicklung in eher traditionellen Branchen investieren.

Andererseits gibt es derzeit beispielsweise im Bereich der LED-Entwicklung und im Bereich der erneuerbaren Energien natürlich sehr viele mittelständische Unternehmen, die neue Produkte entwickelt haben und nun zur Produktreife bzw. Vermarktung entsprechendes Eigenkapital benötigen.

Hierbei ist natürlich aus unserer Sicht im Zuge einer möglichen Unternehmensbeteiligung abzuwägen, ob das neue Produkt sich am Markt auch durchsetzt. Denken Sie beispielsweise an die Entwicklung eines absolut kommenden und boomenden LED-Marktes. Da werden für alle möglichen Leuchtentypen neue LED-Leuchten entwickelt, und es werden sicherlich, wie in vielen anderen Branchen in den letzten Jahren, sich nicht alle Produkte am Markt durchsetzen, und es wird auch mittelfristig zu einem Konzentrationsprozess in der Branche kommen.

 

Ich hoffe, dass ich Ihnen ein paar Denkanstöße bzw. eine mögliche Vorgehensweise für ein Investment in Familienunternehmen geben konnte und stehe gerne für weitere Fragen zur Verfügung.

 

 

 

3.   Beteiligung im Rahmen einer Nachfolge

FRAGE

Sehr geehrter Herr Fauth,

 

ich bin aktiv auf der Suche nach einer tätigen Beteiligung im Rahmen einer Nachfolgeregelung und habe genau die in dem HB Artikel geschilderte Situation, dass es schwierig ist, geeignete Angebote zu finden. Bin Dipl.-Ing. Nachrichtentechnik,  46 J., seit 18 Jahren im Berufsleben, internationale Erfahrung, 10 Jahre Vertrieb von Softwarelösungen für die Telekommunikationsindustrie weltweit.

 

Welche Organisationen oder Portale (außer Deutsche Unternehmerbörse) können Sie mir empfehlen, um geeignete Unternehmerangebote zu finden?

 

Vielen Dank für Ihre Antwort.

Mit freundlichen Grüßen

 

Gerald Reutemann

 

ANTWORT

 

Sehr geehrter Herr Reutemann,

 

die Suche nach Unternehmen in Unternehmensbörsen benötigt i. d. R. sehr viel Zeit. Das liegt zum einen daran, dass die Börsen unterschiedlich aufgebaut sind und auch entsprechend unterschiedliche Inhalte bzw. Qualität der angebotenen Unternehmen haben. Die sicherlich größte Unternehmensbörse ist Nexxt Change, die von den IHKs mit aufgebaut wurde. Unsere Erfahrung ist, dass es auch dort sehr schwierig ist, sehr gezielt ein Unternehmen zu finden. Wir haben uns beispielsweise in einer neuen Börse, die in 2011 neu aufgebaut wurde, engagiert. Unter dem Namen Stabwechsel versucht dort eine Börse, ganz gezielt Unternehmensnachfolgen vorzubereiten. Leider kann ich Ihnen nicht "den" Tipp für eine Unternehmensbörse geben, da der Markt i.d.R. sehr fragmentiert ist und die Qualität doch sehr stark divergiert.

 

Wir haben folgende Erfahrung in unserer langjährigen Beratungspraxis gemacht. Wenn Sie aktiv ein Unternehmen zum Kauf suchen und dies in einem gewissen Zeitraum mit konkreten Vorstellungen verbunden haben, dann ist es sicherlich sinnvoller, sich an ein Beratungsunternehmen zu wenden und ganz gezielt zu suchen. Normalerweise wird gemeinsam mit dem Beratungsunternehmen ein qualifiziertes Anforderungsprofil hinsichtlich Branche, Unternehmen, Unternehmensgröße, Kaufpreis bis hin zur regionalen Ansiedlung erstellt. Das Beratungsunternehmen sucht dann ganz gezielt nach diesen Unternehmen und hilft Ihnen im Zuge der Unternehmenstransaktion. Das kostet i. d. R. Geld. Dieses Geld ist nach unserer Erfahrung aber dann immer sinnvoll investiert, wenn Sie wirklich ganz konkret innerhalb der nächsten 12 bis 24 Monate ein Unternehmen zum Kauf suchen und dies in einer speziellen Branche und möglicherweise auch in einer speziellen Region.

 

Wir erleben es von vielen sogenannten MBI-Kandidaten, dass sie in Unternehmensbörsen suchen und auch viele unterschiedliche M&A-Beratungshäuser oder Institutionen ansprechen. Dies führt i. d. R. dazu, dass eine Vielzahl von Informationen vorliegen, die der jeweilige MBI-Kandidat dann filtern und verifizieren muss. Das nimmt immer sehr viel Zeit in Anspruch, und die Trefferquote ist i. d. R. äußerst gering.

 

Leider kann ich Ihnen nun keinen wirklich konkreten Tipp geben. Die überwiegende Anzahl der MBI-Kandidaten, die wir selbst betreuen, möchte "kein Geld" für eine konkrete Suche investieren, lässt sich überall registrieren und hat aber in den meisten Fällen nach vielen Jahren noch immer kein Unternehmen gefunden. Insofern kann ich Ihnen eigentlich nur empfehlen, den Weg anders herum zu gehen, konkret jemand zu beauftragen und dann ganz gezielt zu suchen. Wenn Sie den Weg eines solchen Beratungsschrittes gehen wollen, kann ich Ihnen gerne auch weitere Tipps geben bzw. Sie auch ggf. unterstützen.

 

 

4.    Einstieg in landwirtschaftlichen Betrieb

FRAGE

1. Als Rentner/Pensionär erwäge ich, mich an einer -tatsächlich wenig, gar nichts oder gar defizitären landwirtschaftlichen Betriebs-GBR zu beteiligen; Ich mag Tiere und Landleben.
Wie fange ich das an?

2. Scheide ich durch Tod oder Krankheit aus-Wie gestaltet sich das?

3. Wird kein Nachfolger gefunden- und auch ich sehe mich allein dazu außerstande-Wie gestaltet sich das?

4. Darf ich als ehemalige Beamtin überhaupt so etwas tun?

-schließlich will ich meine Altersversorgung nicht gefährden.

MFG

annaelseemma

 

ANTWORT

Sehr geehrte annaelseemma,

 

ich kenne mich im Beamtenrecht leider nicht aus. Grundsätzlich gehe ich davon aus, dass auch eine pensionierte Beamtin sich an einem Unternehmen beteiligen oder ein Unternehmen gründen kann. Allerdings sollten Sie dies mit der Beamten-Pensionskasse im Vorfeld besprechen

 

Ehrlich gesagt, sehe ich das Engagement in die landwirtschaftliche Betriebs GbR, so wie Sie es in Ihrer E-Mail schreiben, als eher kritisch an. Sie müssen einfach wissen, wenn Sie sich an einer GbR beteiligen, dann haften Sie mit Ihrem entsprechenden Privatvermögen innerhalb der GbR. Insofern ist es sicherlich sehr wichtig, dass, wenn Sie auch zukünftig Ihr Auskommen in Ihrer Pension haben wollen, diese nicht durch eine defizitäre Betriebs GbR gefährdet wird. Das sehe ich auf den ersten Blick in Ihrer E-Mail als doch sehr kritischen Punkt an.

 

Welche Rolle spielen Sie denn in diesem Betrieb? Sich an einem Betrieb zu beteiligen, weil Sie Tier und Landleben mögen, so wie Sie es in Ihrer Anfrage schreiben, klingt zwar verlockend und interessant. Eine landwirtschaftliche Betriebs GbR ist aber ein wirtschaftlicher Betrieb, der hart im Wettbewerb mit anderen Unternehmen steht. Am Ende des Tages entscheidet der Gewinn oder Verlust über Ihre Anteile und über, insbesondere bei einer GbR, die entsprechende persönliche Haftung von Ihnen.

 

Insofern kann ich Ihnen nur raten, dass Sie sich vor der Beteiligung an einem solchen Unternehmen Gedanken darüber machen, ob Sie als Art stille Teilhaberin an dem Unternehmen beteiligt sind, oder welche aktive Rolle Sie dort im Zuge des Geschäftsbetriebes innehaben.

 

Wenn Sie einen Gesellschaftsvertrag schließen, dann können Sie bereits im Gesellschaftsvertrag regeln, was nach Ihrem Ableben passiert.

Möglicherweise können dann die Anteile an Ihre Erben weitergereicht werden.

Sie können jedoch beispielsweise auch in den Gesellschaftsvertrag schreiben, dass die anderen Gesellschafter ein Vorkaufsrecht auf Ihre entsprechenden Anteile haben. In diesem Fall empfiehlt es sich sogar, ein Bewertungsverfahren zur Bewertung des Unternehmens bereits als Grundlage für die Bewertung in den Gesellschaftsvertrag zu schreiben.

 

Wenn Sie krank sind und deswegen nicht mehr am aktiven Geschäftsbetrieb teilnehmen können, dann gibt es i. d. R. entsprechende Versicherungen, die einen Verdienstausfall über ein Krankentagegeld regeln. Diese sind natürlich umso teurer, je älter man ist, wenn man diese Versicherungen abschließt. Ansonsten, wenn sich die Krankheit auf eine längere Dauer bezieht, wo Sie gleichzeitig Ihre Geschäftsanteile veräußern möchten, würde ich Ihnen dasselbe empfehlen, dass Sie jederzeit die Möglichkeit haben, Geschäftsanteile zu verkaufen oder ggf. auch bei entsprechender längerer Krankheit, ein Rückkaufsrecht durch die übrigen Gesellschafter gegeben ist und dieses im Gesellschaftsvertrag verankert wird.

 

Wenn kein Nachfolger für das Unternehmen gefunden wird, dann gibt es auch grundsätzlich zwei Möglichkeiten. Entweder Sie verkaufen den Betrieb, sofern dies möglich ist, was sich sicherlich im landwirtschaftlichen Bereich nicht immer einfach gestaltet. Andererseits gibt es natürlich auch die Möglichkeit, den Geschäftsbetrieb stillzulegen und entsprechend die Betriebsausstattung zu veräußern.

 

 

5.    Finanzierung der Nachfolge

FRAGE

Sehr geehrte Damen und Herren,

 

folgender Fall:

 

Unternehmen der Kunststoffverarbeitung hat keine familiären Nachfolger.

Es gibt aber zwei Interessenten, die das Unternehmen zusammen weiterführen wollen.

Eine Bank ist bereit 75% des Kaufpreises zu finanzieren.

KfW-Darlehen oder Darlehen der NRW-Bank sollen nicht in Anspruch genommen werden, da die finanzierende Bank ähnliche Konditionen anbietet.

Die restlichen 25% müssten anderweitig finanziert werden.

 

Hier liegt das Problem.

Die Interessenten wollen völlig ohne Eigenkapital auskommen.

Die finanzierende Bank will, dass ihre Darlehen vorrangig bedient werden. Der Darlehensvertrag soll über eine Laufzeit von zehn Jahren abgeschlossen werden also auch nach zehn Jahren zu 100% bedient sein.

Außerdem dürfen weitere Darlehen nur mit Zustimmung der finanzierenden Bank aufgenommen werden.

 

Meine Frage:

Gibt solche Fälle bei einer Übernahme durch Einzelpersonen öfter oder ist es inzwischen auch schon üblich?

Bisher kennt man so eine Art der Finanzierung nur von sogenannten Heuschrecken.

 

Wir haben noch gelernt, dass es ohne Eigenkapital eine solche Übernahme nicht geben kann.

Eine Bank(Sparkasse) hat eine Finanzierung (bei gleicher Darlehenshöhe) wegen des mangelnden Eigenkapitals übrigens abgelehnt.

Zum Unternehmen noch folgende Eckdaten:

Umsatz 2010: 2,2 Mio.

Gewinn vor Steuern: seit Jahren zwischen 18%-20%.

EK-Quote: 70%

Verbindlichkeiten:  130.000,- €

Umsatzrückgang 2009: 20%

Ende 2011 wieder auf Niveau von 2008.

 

Über die Beantwortung meiner Frage würde ich mich freuen.

 

Mit freundlichen Grüßen

 

Werner Gröne

 

ANTWORT

Sehr geehrter Herr Gröne,

 

eine Übernahme eines Unternehmens ohne Eigenkapital ist sicherlich sehr sehr schwierig zu realisieren. Wenn ich ganz ehrlich bin, würde ich auch niemand raten, ein Unternehmen zu kaufen ohne Eigenkapitalbasis und dies auf eine komplette Fremdfinanzierung mit den von Ihnen hier beschriebenen Rahmenbedingungen aufzusetzen. Das Unternehmen müsste sicherlich einen hervorragenden Cashflow besitzen, so dass kurzfristig gewährleistet ist, dass eine ausreichende Betriebsmittelfinanzierung sowie eine sehr zeitnahe Rückzahlung von Darlehen gegeben sind. Sofern dies nicht der Fall ist, würde ich von dieser Vorgehensweise abraten, dann wir wissen alle, dass wir vor einer nächsten Wirtschaftskrise stehen, unabhängig davon, ob sie in 2, 3, 5 oder 6 Jahren eintritt. Das Risiko, dass dann entsprechende Sicherheiten von den Banken über die doch umfangreiche Finanzierung erforderlich sind, ist sehr groß. Unter dem Aspekt Basel III sollte man sich diese Finanzierung natürlich bereits jetzt schon anschauen und entsprechend prüfen.

 

Auf Ihre Frage, ob es solche Übernahmen durch Einzelpersonen öfters gibt, sage ich Ihnen, dass aus unsere Praxis dies sehr selten passiert.

Normalerweise investiert ein Unternehmer oder MBI-Kandidat Eigenkapital und erhält dann weitere Fördergelder, um das Gesamtunternehmen zu finanzieren.

 

Ich möchte noch auf das Wort "Heuschrecken" zurückkommen. Wir entscheiden bei uns im Betrieb zwischen "Honigbienen" und "Heuschrecken". Unter "Honigbienen" verstehen wir Kapitalbeteiligungsgesellschaften und Family Offices, die bereit sind, langfristig im Unternehmen zu investieren. Gerade nach der Wirtschaftskrise investieren immer mehr Family Offices von reichen Unternehmerfamilien in mittelständische Betriebe, anstelle ihr Geld in Aktien oder anderen Anlagen zu platzieren. Unter "Heuschrecken" verstehen wir solche Kapitalbeteiligungsgesellschaften, die ein Unternehmen kaufen, möglicherweise dem Unternehmen Kapital entziehen und das Unternehmen entsprechend neu ausrichten und möglichst nach kurzer Zeit wieder verkaufen wollen.

 

Insofern könnte sich sicherlich eine Mischfinanzierung in dem von Ihnen beschriebenen Fall der Kunststoffverarbeitung anbieten. Allerdings möchte ich dazu auch anmerken, dass auch die "Honigbienen" erst ab einem bestimmten Kapitalbedarf in Unternehmen investieren.

Bei dem beschriebenen Unternehmen mit einem Umsatz von 2,2 Mio. € sehe ich es als durchaus sehr schwierig an, dass sogenannte "Honigbienen" sich an dem Unternehmen beteiligen.

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