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08.01.2009

15:11 Uhr

Gute Aussichten

Argentinien: Kunststoffmaschinen sind der Renner

VonCarl Moses

Argentinien kauft Kunststoffmaschinen – und wie. Die Importe dafür liegen auf Rekordniveau. Vorne mit dabei: Hersteller aus Deutschland. Und die Aussichten bleiben trotz der Finanzkrise günstig, auch wenn für dieses Jahr ein Dämpfer zu erwarten ist.

Ein Arbeiter überprüft die Stärke einer neuartigen Blattfeder aus Kunststoff. Foto: dpa dpa

Ein Arbeiter überprüft die Stärke einer neuartigen Blattfeder aus Kunststoff. Foto: dpa

gtai BUENOS AIRES. Argentiniens Importe von Kunststoffmaschinen waren 2008 weiter auf Wachstumskurs. Deutsche Lieferanten hatte daran einen besonders großen Anteil. Dem Wert nach kamen vier von zehn Maschinen aus Deutschland. Die globale Krise, die auch Argentinien hart trifft, dürfte 2009 zu einer Abschwächung der Investitionen in der Kunststoffverarbeitung führen. Doch die mittel- und langfristigen Aussichten bleiben günstig. Vor allem die Verpackungshersteller sowie Bau und Kfz-Zulieferindustrie sind wichtige Abnehmer.

Argentiniens Importe von Kunststoffmaschinen der HS-Position 8477 sind in den ersten acht Monaten 2008 auf Dollarbasis um 22 Prozent gegenüber dem gleichen Vorjahreszeitraum gestiegen. Im Gesamtjahr 2007 hatte die Einfuhr nach Angaben des Informationsdienstes Info-Just auf Basis von amtlichen Daten einen Wert von 121,7 Mio. US Dollar erreicht (plus 29 Prozent im Vergleich zu 2006). Seit der letzten Krise (2002) haben sich die jährlichen Importe mehr als verdreifacht (plus 260 Prozent). Gemäß vorläufigen Angaben auf Basis von Daten der Zollverwaltung hat die Kunststoffmaschinen-Einfuhr in zwölf Monaten zu Oktober 2008 einen Wert von 153 Mio. US$ fob erreicht. Das würde die bisherigen Rekordwerte vom Höhepunkt des Booms der 90er Jahre (1997 und 1998) übertreffen.

Deutsche Lieferungen hatten an den Importen 2008 einen besonders hohen Anteil (dem Wert nach rund 40 Prozent im Zeitraum Januar bis August). Abnehmer waren vornehmlich Hersteller von Kunststoff-Film und flexiblen Verpackungen wie die Unternehmen Filmtech, Río Chico, Sigdopack Argentina und Celomat. Im Jahr zuvor hatte der deutsche Lieferanteil bei etwa 15 Prozent gelegen. Hauptkonkurrent ist Italien, Andere wichtige Lieferländer sind die VR China, Taiwan, die USA, Brasilien, Japan, Österreich und Frankreich.

Von der gesamten Maschineneinfuhr entfielen 2007 nach Daten der Branchenkammer Cámara Argentina de la Indústria Plástica (CAIP) 45 Prozent auf Spritzgußmaschinen, 15 Prozent auf Extruder, 14 Prozent auf Blasformmaschinen, 3 Prozent auf Warmformmaschinen und 23 Prozent auf andere, nicht näher detallierte Ausrüstungen. Neben Maschinen und Teilen der Position 8477 importierte Argentinien 2007 Formen und Matrizen im Wert von 49 Mio. US$ (plus 47 Prozent im Vergleich zum Vorjahr). Die argentinischen Kunststoffverarbeiter werden 2009 eine mehr oder weniger ausgeprägte Durststrecke zu überwinden haben. Schon 2008 hatte sich das Wachstum der Kunststoffverarbeitung stark abgeschwächt. In den ersten elf Monaten 2008 stieg die Produktion nach Angaben des Nationalen Statistik-Instituts Indec nur noch um 3,2 Prozent (2007: plus 10,4 Prozent; 2006: plus 7,2 Prozent). Die lokale Produktion von Polypropylen brach nach Angaben des Wirtschaftsforschungsinstituts FIEL im Monat November um 36 Prozent ein, sowohl gegenüber dem Vormonat als auch gegenüber dem gleichen Vorjahresmonat.

In den wichtigsten Abnehmersektoren für Kunststoffprodukte – Bauwirtschaft, Kfz-Industrie und Konsumgüterproduktion – wird sich das Wachstum 2009 drastisch abschwächen, sofern die Produktion nicht sogar einbricht. Am besten könnte sich die Baukonjunktur halten, da viele Argentinier in Krisenzeiten erfahrungsgemäß sichere Zuflucht in Immobilien suchen. Zudem will der Staat mit einer Verdoppelung der öffentlichen Bauinvestitionen von drei auf sechs Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) für zusätzliche Aufträge sorgen.

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