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17.02.2017

10:57 Uhr

Hacker-Attacken

Mehr Cyberangriffe auf den Mittelstand

Unternehmen des deutschen Mittelstandes wurden 2016 laut einer Studie wesentlich öfter von erfolgreichen Cyberangriffe betroffen. Paradoxerweise klaffen IT-Sicherheit der Firmen und ihre Bedrohungslage auseinander.

Viele Mittelständler sind führende Unternehmen mit Fachwissen und modernen Technologien und deshalb ein besonders lohnenswertes Angriffsziel für Cyberattacken. dpa

Cyberattacken

Viele Mittelständler sind führende Unternehmen mit Fachwissen und modernen Technologien und deshalb ein besonders lohnenswertes Angriffsziel für Cyberattacken.

BerlinDer deutsche Mittelstand sieht sich immer stärker Cyberangriffen ausgesetzt. Jedes fünfte Unternehmen sei 2016 zum Oper eines erfolgreichen Angriffs geworden, teilte die Beratungsgesellschaft PwC am Freitag zu ihrer Umfrage unter 400 Firmen mit bis zu 1000 Mitarbeitern mit. 2015 sei nur jeder zehnte Betrieb betroffen gewesen. Hauptangriffsziel sei die Systemverfügbarkeit gewesen, gefolgt von Mitarbeiter- und Systemzugangsdaten. Trotz verschärfter Bedrohungslage reagierten die Firmen nur zögerlich. So seien die IT-Budgets sogar gesunken.

„Die Bedrohungslage und die Bewertung der eigenen Sicherheitssituation klaffen auseinander“, sagte PwC-Vorstand Peter Bartels. „Wir erkennen jedenfalls keinen 'IT-Sicherheitsruck' bei mittelständischen Unternehmen. Damit gehen sie ein hohes Risiko ein.“ Viele von ihnen seien Weltmarktführer, verfügten über modernste Technologien, hochspezialisiertes Fachwissen und einen großen Kundenstamm.

Checkliste Digitales für Mittelständler

Quelle

Häufig wissen Mittelständler nicht, wie sie die Digitalisierung angehen sollten. Experte Thomas Denk vom Beratungshaus Deliberate in Böblingen empfiehlt ein strukturiertes Vorgehen.

1. Situation analysieren

Vor der Gestaltung der digitalen Transformation steht die Analyse. Was passiert gerade in meiner Branche, wie stellen sich die Konkurrenten auf, wo stehen wir und welche Ideen haben wir?

2. Erwartungen der Kunden erfüllen

Digitalisierung heißt, die veränderten Bedürfnisse der Kunden zu berücksichtigen. Hilfreich dabei: eine offene Kommunikation – direkt und über soziale Medien.

3. Kulturwandel vorantreiben

Kontinuierliche Veränderung ist notwendig. Dafür muss man bereit sein, Geschäftsprozesse ständig auf den Prüfstand zu stellen.

4. Datenqualität sichern

Nicht die Menge an Daten ist entscheidend, sondern ihre Qualität und Verknüpfung. Mittelständler sollten nur Daten erheben, die sie benötigen.

5. Ressourcen bereitstellen

Digitale Transformation wird von Menschen vorangetrieben. Dafür muss ein Chef Ressourcen bereitstellen und Know-how aufbauen.

6. Kommunikation sicherstellen

Unternehmen, die in Silos strukturiert sind, werden bei der digitalen Transformation scheitern. Benötigt wird permanenter Austausch über Motive, Ansätze und Ziele.

7. Digitalisierungsstrategie verankern

Die digitale Strategie muss Bestandteil der Unternehmensstrategie sein, klar definiert und schriftlich festgehalten werden. So kann jeder Mitarbeiter nachlesen, welche Auswirkungen sie auf das Alltagsgeschäft hat.

8. Klare Verantwortlichkeit schaffen

Digitale Transformation braucht Führung. Hilfreich ist dabei ein Chief Digital Officer, der Stratege, Projektmanager, Impulsgeber und Change Manager ist.

9. Risiken im Auge behalten

Bei jeder Veränderung darf die Arbeit an betrieblichen Abläufen und internen Strukturen nicht den Blick auf den Kunden verstellen.

10. Flexibilität schaffen, Netzwerk pflegen

Digitale Geschäftsmodelle entwickeln sich oft rasant, das erschwert Planungen. Neben der Strategiearbeit ist ein gutes Netzwerk aus Kunden, Partnern und Zulieferern wichtig.

11. Reporting aufsetzen

Digitalisierung lässt sich messen. Um Chancen auszuschöpfen, ist ein Reporting für das ganze Unternehmen notwendig.

„Diese Unternehmen und ihre Datenbestände sind deshalb besonders attraktiv für Cyber-Gangster“, sagte der Experte.

Größtes Sicherheitsrisiko bleibe der Mensch. Als Ursache sehen 76 Prozent der Unternehmen die ungenügende Schulung und Ausbildung der Mitarbeiter. Knapp dahinter liege der verstärkte Einsatz mobiler Endgeräte, der für 75 Prozent der mittelständischen Unternehmen ein Sicherheitsrisiko darstelle.

Von

rtr

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