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19.01.2010

13:23 Uhr

Hall of Fame

Das unbestechliche Auge von Carl Zeiss

VonMartin Buchenau

Das Handelsblatt ehrt weitere Pioniere der Wirtschaft und nimmt sie in seine Hall of Fame der Familienunternehmer auf. Heute: Carl Friedrich Zeiss. Mit seinen Präzisionsgeräten öffnete er den Wissenschaftlern die Augen für völlig neue Welten.

Hang zur Perfektion: Mikroskope, die seinen Anforderungen nicht genügten, zerschlug Firmengründer Carl Friedrich Zeiss auf dem Amboss. Quelle: dpa

Hang zur Perfektion: Mikroskope, die seinen Anforderungen nicht genügten, zerschlug Firmengründer Carl Friedrich Zeiss auf dem Amboss.

STUTTGART. Der berühmte Zoologe Ernst Haeckel lobte 1880 in seinem Antrag zur Verleihung der Ehrendoktorwürde an den gelernten Mechaniker Carl Friedrich Zeiss: "Die Zeiss?schen Mikroskope werden gegenwärtig von keiner anderen optischen Werkstätte erreicht."

Auch Nobel-Preisträger Albert Einstein schätzte später die Präzision der Zeiss?schen Geräte. "Die Schwierigkeiten der Herstellung sind, da es auf zehn-hoch-vier ankommt, so groß, dass gegenwärtig nur Zeiss so ?was machen kann", schrieb der Physiker 1925 an Hermann Anschütz-Kaempfe, mit dem er damals gemeinsam den von den Magnetfeldern der Erde unabhängigen Kreiselkompass entwickelte.

Zu diesem Zeitpunkt war der Firmengründer schon lange tot. Sein Familienname aber war längst zum weltweiten Markenzeichen geworden, ein Name, vor dem das Werk des Unternehmers bis heute zurückgetreten ist. Zeiss, das ist das Symbol für die Idee, Werk und Namen eines bedeutenden Unternehmers als Stiftung zu erhalten. Nun, wer war der Mann, dessen Arbeit die Elite der Wissenschaftler schätzt und der sich wie kaum ein Zweiter um das Thema Optik verdient gemacht hat?

Die Spurensuche gestaltet sich schwierig. Erst 80 Jahre nach seinem Tod erscheint eine Biografie. Zitate von Carl Friedrich Zeiss gibt es kaum. Handschriftliches beschränkt sich auf Buchführung und technische Beschreibungen. Dass es nicht viele Aufzeichnungen gibt, liegt wohl auch an der ihm eigenen Zurückhaltung. Das Unternehmen Carl Zeiss zählt jedoch bis heute zu den innovativsten Technologieunternehmen in Deutschland. Zeiss hat die Belichtungstechnik in der Halbleiterindustrie revolutioniert, ist führend in der Medizintechnik und mit Zeiss-Objektiven drehen Regisseure in Hollywood ihre Filme.

Selbst in der ältesten Sparte des über 160 Jahre alten Unternehmens, der Mikroskopie, leistet Zeiss bis heute Pionierarbeit. Mit dem neuen superauflösenden Lichtmikroskop können Forscher zehnmal mehr sehen als zuvor. Mit Auflösungen von unter 200 Nanometern schaffen es Biologen heute sogar, einzelne Moleküle zu erkennen.

Der Firmengründer hat von der optischen Reise ins Molekül nicht einmal träumen können. Dennoch: Das Erfolgsrezept von heute basiert immer noch auf den Prinzipien von Carl Friedrich Zeiss und dessen Hang zur Perfektion und ausgeprägter Affinität zur Wissenschaft.

Der Anfang sah vor fast 200 Jahren alles andere als einfach aus. Zeiss wurde als fünftes von insgesamt zwölf Kindern am 11. September 1816 in Weimar geboren. Sechs seiner Geschwister starben früh. Wie Carl Friedrich Zeiss zu seinem Vornamen kam, ist eine Episode, die sich um die Verbindung von Handwerk und Hochadel dreht, aus der der weltweite Siegeszug der deutschen optischen Industrie werden sollte. Zeiss? Vater August war Kunstdrechselmeister und verarbeitete unter anderem Perlmutt, Bernstein und Elfenbein zu Luxusartikeln. So kam er mit Großherzog Carl Friedrich, Sohn und Nachfolger von Goethes Freund Carl August von Sachsen-Weimar-Eisenach in Kontakt. Der Erbprinz wollte das Kunstdrechselhandwerk erlernen, suchte einen Lehrmeister und fand ihn in August Zeiss. Es entstand mit der Zeit eine Freundschaft zwischen den beiden Männern, der Großherzog wurde bei der späteren Geburt des Sohnes Pate und auch Namensgeber von Carl Friedrich.

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