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01.01.2014

17:48 Uhr

Handelsgruppe

Tengelmann verteidigt Billig-Shirts aus Bangladesch

Tengelmann hat beschlossen, dass auch künftig die Familie das Sagen bei Obi, Kaiser's und Kik haben soll. Chef Haub verteidigt die Billigproduktion in Bangladesch. Viele seien auf T-Shirts für 1,99 Euro angewiesen.

Tengelmann-Chef Karl-Erivan Haub bei der Vorstellung der Jahreszahlen: „Voraussetzung ist die Befähigung, der- oder diejenige "muss es können"“. dpa

Tengelmann-Chef Karl-Erivan Haub bei der Vorstellung der Jahreszahlen: „Voraussetzung ist die Befähigung, der- oder diejenige "muss es können"“.

Düsseldorf/EssenDer Handelskonzern Tengelmann, zu dem der Textildiscounter Kik gehört, hat die Produktion von Kleidung im Billiglohnland Bangladesch verteidigt. „Ich wehre mich dagegen, dass es aufgrund niedriger Preise automatisch zu schlechten Produktionsbedingungen kommen muss“, sagte Tengelmann-Chef Karl-Erivan Haub der „WAZ“ (Donnerstagsausgabe). In den Fabriken werde nicht nur für Kik, sondern auch für Markenfirmen genäht.

Dass Kik beispielsweise T-Shirts für 1,99 Euro in Deutschland anbiete, sei sinnvoll, „weil letztlich viele Menschen darauf angewiesen sind, so preiswert einzukaufen und weil die Qualität nicht schlechter ist als teurere Ware“, sagte Haub. „Ich wehre mich dagegen, dass es aufgrund niedriger Preise automatisch zu schlechten Produktionsbedingungen kommen muss.“

Tengelmann habe in den letzten Jahren begonnen, „allein und aus eigener Kraft einige Verbesserungen in den Produktionsländern auf die Beine zu stellen. Das ist uns aber nicht mit großem durchschlagendem Erfolg gelungen“, sagte Haub. Mit Blick auf die jüngsten Fabrik-Katastrophen fügte er hinzu, es sei sehr traurig, dass sich die produzierenden Unternehmen erst dadurch zusammengetan hätten.

Die wertvollsten deutschen Einzelhandelsmarken (2013)

Rang 10

Douglas

Markenwert: 238 Millionen Dollar
im Vorjahr nicht in den Top 10

Rang 9

Netto

Markenwert: 262 Millionen Dollar
minus fünf Prozent gegenüber 2012

Rang 8

Obi

Markenwert: 283 Millionen Dollar
plus zwei Prozent gegenüber 2012

Rang 7

Rewe

Markenwert: 459 Millionen Dollar
plus 5 Prozent gegenüber 2012

Rang 6

dm

Markenwert: 485 Millionen Dollar
plus 19 Prozent gegenüber 2012

Rang 5

Kaufland

Markenwert: 551 Millionen Dollar
plus zwei Prozent gegenüber 2012

Rang 4

Media Markt

Markenwert: 1,3 Mrd. Dollar
minus drei Prozent gegenüber 2012

Rang 3

Edeka

Markenwert: 1,5 Mrd. Dollar
plus fünf Prozent gegenüber 2012

Rang 2

Lidl

Markenwert: 1,52 Mrd. Dollar
plus acht Prozent gegenüber 2012

Rang 1

Aldi

Markenwert: 2,9 Mrd. Dollar
minus sieben Prozent gegenüber 2012

Quelle

Interbrand, März 2013

Im April 2013 war ein Fabrikgebäude in der Nähe der Hauptstadt Dhaka in sich zusammengestürzt, dabei starben mehr als 1100 Menschen, fast 2500 wurden verletzt. Im November 2012 starben mehr als 100 bei einem Brand. Im Billiglohnland Kambodscha sind seit Tagen wegen Streiks und Fabrikschließungen fast alle Textilfabriken geschlossen. Die Arbeiter verlangen mehr Geld.

Für seine Nachfolge bei der Handelsgruppe hat Haub vorgesorgt: An der Spitze der Handelsgruppe aus dem Ruhrgebiet sollen langfristig weiterhin Familienmitglieder stehen. Zusammen mit seinen Eltern und seinen Brüdern habe er ein Regelwerk aufgestellt, „wie die insgesamt acht Kinder der nächsten Generation in die Firma eintreten können“, sagte Haub der „WAZ“ . „Voraussetzung ist aber die Befähigung, der- oder diejenige "muss es können"“, sagte der 53-jährige Firmenchef. Das Unternehmen sei ganz sicher kein Versorgungswerk.

Die Handelsdynastie setzt bei der Erziehung ihrer Nachfolger offenbar auf Bescheidenheit. Die Kinder der Familie wüchsen normal auf, sagte Haub. Sie hätten öffentliche Kindergärten und Schulen besucht und jetzt begonnen, zu studieren. Danach könnten sie sich für einen Beruf ihrer Wahl entscheiden. „Aber natürlich würde es mich freuen, wenn sie Interesse an unserem Familienunternehmen hätten - aktiv oder passiv“, sagte Haub der Zeitung.

Kommentare (2)

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BOMbe

02.01.2014, 08:49 Uhr

Ich kann Herrn Haubs Argumentation leider nicht folgen. Ich glaube nicht, dass wir T-Shirts für € 1,99 brauchen. Man könnte auch weniger und bessere (Qualität) T-Shirts verkaufen. Das wäre dann nachhaltig und besser für unsere Umwelt.
Mir ist auch schleierhaft, wie die Näherin bei einem T-Shirt für € 1,99 noch vernünftig bezahlt werden kann. Denn die Kosten für Transport und der Gewinn für Herrn Haub und den Chef der Näherin und die Materialkosten müssen ja auch bezahlt werden.
Schade.

Felix

02.01.2014, 09:48 Uhr

Der gute Herr war wohl selber noch nie bei Kik einkaufen, wo er hier so steile Thesen aufstellt. Kik verkauft Klamotten in der gleichen Qualität wie andere Hersteller, dass ich nicht lache ...

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