Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

10.03.2017

12:51 Uhr

Handwerk

Die Pleite-Gefahr bleibt

VonMaike Freund

Dem Handwerk geht es gut, die Stimmung ist noch besser. Viele Handwerker erwarten einen höhere Umsätze, Kredite gibt es einfach wie nie. Doch die Gefahr einer Insolvenz bleibt – besonders bei einer Gruppe.

68,4 Prozent der Handwerksunternehmen beurteilen die Geschäftslage gut bis sehr gut. dpa

Auszubildende in einer Konditorei

68,4 Prozent der Handwerksunternehmen beurteilen die Geschäftslage gut bis sehr gut.

MünchenDie Auftragsbücher sind voll, die Dienstleister gut beschäftigt: Die Aussichten für das Handwerk sind rosig. Der Inkassodienstleister Creditreform hat in einer repräsentativen Befragung unter 1251 Handwerksunternehmen in Deutschland die Wirtschaftslage und Finanzierung abgefragt: Das Ergebnis: Die Stimmung ist positiv – und das liegt vor allem an der guten konjunkturellen Lage, die sich direkt auf das Handwerk auswirkt.

68,4 Prozent der befragten Unternehmen beurteilen die Geschäftslage gut bis sehr gut. Im Vorjahr waren es 66 Prozent. 33,5 Prozent der Betriebe melden gestiegene Umsätze, 54 Prozent immerhin stabile. Besonders personenbezogene Dienstleister wie Friseure oder Schneider spüren den Effekt: 42,3 Prozent der Unternehmen melden mehr Umsatz. Rund 36,4 Prozent erwarten bis zum Herbst steigende Umsätze, 56,5 Prozent immerhin gleichbleibende.

Das deutsche Handwerk

Eine Million Betriebe

Rund eine Million Handwerksbetriebe gab es laut Statistik des Zentralverbands des Deutschen Handwerks 2015, etwa 5,36 Millionen Menschen arbeiten deutschlandweit im Handwerk. Insgesamt machten die Betriebe rund 544 Milliarden Euro Umsatz. Insgesamt zählen mehr als 130 Berufe zum Handwerk. In der Statistik werden sieben Gruppen gelistet.

Ausbaugewerbe

Dazu zählen beispielsweise Klempner oder Maler, also alle Betriebe, die mit dem Ausbau von Gebäuden beschäftigt sind. Sie machten die größte Gruppe im Handwerk aus. 39 Prozent aller Betriebe im Handwerk zählen zum Ausbaugewerbe.

Persönliche Dienstleistungen

Friseure, Schneider, Schuh- und Uhrmacher, aber auch Fotografen zählen zu den Dienstleistern im Handwerk. Mit 23,1 Prozent Anteil an den Handwerksbetrieben ist diese Gruppe die zweitgrößte.

Gewerbe für den gewerblichen Bedarf

Dazu zählen beispielsweise Drucker, Elektromaschinenbauer, Kälteanlagenbauer oder Modellbauer zählen in diese Gruppe, die mit 12,7 Prozent die drittgrößte der Handwerksgruppen ist.

Bauhauptgewerbe

Mit 11,9 Prozent gehören Betriebe des Bauhauptgewerbes (Dachdecker, Zimmerer, Gerüstbauer) zur viertgrößten Gruppe unter den Handwerksbetrieben.

Kraftfahrzeuggewerbe

7,2 Prozent der Betriebe zählen zum Kraftfahrzeuggewerbe – und landen damit von der Größe auf Platz fünf. Sie zählen schon zu den kleineren Gruppen unter den Handwerksbetrieben. Darunter fallen etwa Autowerkstätten.

Nahrungsmittelgewerbe

Fleischer, Bäcker, Konditoren, Brauer, Speiseeishersteller und Müller gehören zum Nahrungsmittelhandwerk. 3,5 Prozent aller Handwerksbetriebe zählen dazu.

Gesundheitshandwerk

Dazu zählen Augenoptiker, Hörakustiker, Orthopädieschuhmacher, Orthopädietechniker und Zahntechniker. Die Firmen zählen überwiegend zu kleinen und mittleren Unternehmen. Deutschlandweit gibt es etwa 26.000 Betriebe der Gesundheitshandwerke. Sie sind die die kleinste Gruppe unter den Handwerksgruppen.

Das hat Auswirkungen auf den Preis. Rund 51 Prozent der befragten Unternehmen prognostizieren einen steigenden Angebotspreis. Teurer könnten so Leistungen im Bauhauptgewerbe werden.

Rund eine Millionen Handwerksbetriebe gab es laut Statistik des Zentralverbands des Deutschen Handwerks 2015. Rund 5,36 Millionen Menschen arbeiten deutschlandweit im Handwerk. Insgesamt machten die Handwerksbetriebe rund 544 Milliarden Euro Umsatz.

Im Handwerk finden sich so unterschiedliche Gruppen wieder wie beispielsweise das Ausbaugewerbe, also Klempner oder Maler, die mit insgesamt 39 Prozent den größten Anteil an den Handwerksbetrieben ausmacht, gefolgt von Dienstleistern (Friseure, Schneider, Schuh- und Uhrmacher) mit 23,1 Prozent sowie dem Bauhauptgewerbe mit 11,9 Prozent (Dachdecker, Zimmerer, Gerüstbauer). Auch Gesundheits-, Kraftfahrzeug- oder Nahrungsmittelgewerbe zählen zum Handwerk.

Die Stimmung ist also rundum gut – wäre da nicht das Problem mit den Insolvenzen. Denn die sind nach wie vor hoch im Handwerk – vor allem im Bauhauptgewerbe. 4560 Pleiten wurden 2016 im Handwerk gezählt. Das waren zwar 6,4 Prozent oder 310 Fälle weniger als noch im Vorjahr. Doch rund ein Viertel aller Pleiten in Deutschland (21.700) verzeichnete das Handwerk.

Zwar gingen die Insolvenzen in allen Bereichen des Handwerks zurück. Doch vor allem im Bauhauptgewerbe ist die Lage immer noch prekär - genauso wie im Ausbauhandwerk. 24,9 beziehungsweise 35,7 Prozent aller Pleiten im Handwerk verzeichneten diese Gruppe.

Digitalisierung verunsichert Betriebe: Jeder vierte Handwerker fürchtet sich vor Pleite

Digitalisierung verunsichert Betriebe

Jeder vierte Handwerker fürchtet sich vor Pleite

Eine Umfrage des IT-Verbands Bitkom und des Handwerksverbands ZDH zeigt: Viele Betriebe sind mit der Digitalisierung überfordert. Rund ein Viertel sieht sogar die Existenz seines Geschäfts bedroht.

Auch in Sachen Geld zeigt sich ein unterschiedliches Bild: Die Anzahl der Betriebe mit einer Eigenkapitalquote von unter zehn Prozent – also einer nur noch dürftigen Eigenkapitalfinanzierung - ist leicht gestiegen auf 32,4 Prozent. Der möglicher Grund: Die Fremdfinanzierung lohnt sich, denn die Zinsen sind niedrig und auch das Handwerk kommt leicht an Kredite.

Besonders im Nahrungsmittelgewerbe und im Kfz-Gewerbe ist die Entwicklung deutlich. Bei 35,3, (Vorjahr: 28,6) beziehungsweise 36,8 Prozent (32,8 Prozent) aller Betriebe in diesen Bereichen blieb die Eigenkapitalquote unter zehn Prozent. Das ist auch deshalb besorgniserregend, weil das billige Geld nicht unendlich zur Verfügung stehen wird. Wenn die Zinsen wieder anziehen, könnten Betriebe Liquiditätsprobleme bekommen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×