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15.10.2013

17:39 Uhr

Haribo

Tod eines Frohmachers

Der langjährige Chef der Süßwarenfirma Haribo, Hans Riegel, ist tot. Die Gummibärchen des Unternehmens sind ein Welterfolg, der Werbeslogan ist ein Ohrwurm. Einen Nachfolger hatte Riegel erst vor kurzem etabliert.

Herzversagen

„Mister Haribo“ ist tot

Herzversagen: „Mister Haribo“ ist tot

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Düsseldorf/BonnHaribo-Chef Hans Riegel ist im Alter von 90 Jahren gestorben. Der Unternehmer, der mehr als sechs Jahrzehnte an der Spitze eines der bekanntesten Unternehmen in Deutschland stand, starb nach Angaben eines Firmensprechers am Dienstag in Bonn an Herzversagen. Riegel hatte sich im vergangenen Juli noch einer Hirnoperation unterziehen müssen, bei der ein gutartiger Tumor entfernt worden war.

„Hans Riegel war einer der letzten großen Unternehmer, der seine Firma mit Bauchgefühl und nicht mit Marktforschung zum Erfolg führte“, sagte Thomas Gottschalk. Seit mehr als 20 Jahren macht der Entertainer Werbung für Haribo. „Mal war er lustig, mal war er streng, aber es war eher eine familiäre als eine geschäftliche Beziehung“.

Mit seinem Bruder Paul hatte Riegel nach dem Zweiten Weltkrieg die elterliche Firma wieder aufgebaut. Sein Vater, ein gelernter Bonbonkocher, hatte sich 1920 selbstständig gemacht und gab der Firma den Namen, der weltberühmt wurde: Hans Riegel Bonn - Haribo. Der Tanzbär war das erste Fruchtgummi, das auf den Markt kam. Es war der Vorläufer des Goldbären, der später seinen Siegeszug antrat.

Haribo: Vom Jahrmarkt auf den Weltmarkt

Gründung der Firma

1920 gründet Johann Riegel, genannt Hans, die Firma Haribo. Der Name ist eine Abkürzung: Er besteht aus den Anfangsbuchstaben des Namens sowie der Heimatstadt Bonn. Das Gummibärchen hieß anfangs übrigens noch Tanzbär, inspiriert von den Tieren auf den Jahrmärkten, wo Haribo die Leckereien verkaufte. Seit den 1920er Jahren produziert das Unternehmen außerdem Lakritz.

Die Söhne übernehmen

Die beiden Riegel-Söhne Hans und Paul übernehmen 1946, kurz nach der Rückkehr aus der Kriegsgefangenschaft, den Betrieb – samt dem Rezept für die Gummibärchen. Paul leitet die Produktion, Hans den kaufmännischen Bereich. Parallel studiert er in Bonn Wirtschaftswissenschaften.

Effektive Werbung

Zur Bekanntheit der Marke dürfte auch die Werbung beitragen. Zum einen erweist sich das Engagement von TV-Star Thomas Gottschalk als Coup, der seit 1991 für die Marke wirbt. Zum anderen ist der Slogan der Firma so eingängig, dass ihn jeder kennt: „Haribo macht Kinder froh – und Erwachsene ebenso.“ Der zweite Teil stammt von Hans Riegel selbst.

Internationale Expansion

Die beiden Brüder bauen Haribo zu einem international tätigen Süßwarenkonzern aus. Sie übernehmen Firmen – nicht nur in Deutschland, sondern auch in Frankreich, den Niederlanden und der Türkei. Außerdem gründen sie über die Jahre Vertriebsniederlassungen in aller Welt.

Die Macht wird aufgeteilt

Paul Riegel stirbt 2009. Seniorchef Hans Riegel verständigt sich mit dessen Erben auf eine Machtteilung. Seit 2010 gibt es eine neue Unternehmensstruktur: An der Holding halten Hans Riegel und die Erben von Paul Riegel je 50 Prozent.

Hans Riegel organisiert Übergang

Im März 2013 feiert Hans Riegel seinen 90. Geburtstag. „Ich bin fast täglich im Büro“, sagt er da noch. Nach einer Operation im Juli gibt er aber doch einen Teil der Kontrolle ab, er lässt sich vom Manager Felix Theato vertreten. Im Oktober 2013 stirbt der Seniorchef.

Hans Riegel entwickelte Gespür fürs Süßwarengeschäft: „Ich liebe Kinder, sie sind meine Kunden“, sagte er einmal. Während Paul Riegel sich um die Produktion kümmerte, war Hans in der Firma zuständig für Versand und Marketing. Gleichzeitig studierte er an der Universität Bonn Wirtschaftswissenschaften. Dort legte er 1947 seine Promotion ab. Das deutsche Wirtschaftswunder in den 50er Jahren nahm auch Haribo mit auf die Reise. Das Unternehmen wuchs rasant, die Zahl der Beschäftigten und die Umsätze stiegen.

Das Familienunternehmen geht auf internationalen Expansionskurs. Niederlassungen im Ausland werden gegründet und Firmen übernommen - in den Niederlanden, Frankreich, Großbritannien, Österreich und in Schweden. Heute produziert Haribo an 15 Standorten in Europa und beschäftigt rund 6000 Mitarbeiter. Der Umsatz liegt nach Branchenangaben bei rund zwei Milliarden Euro im Jahr. Damit soll das Unternehmen weltweit zu den zehn größten Süßwarenproduzenten gehören.

Mit Riegel verliere die deutsche Unternehmerlandschaft einen bedeutenden Gestalter, sagte NRW-Wirtschaftsminister Garrelt Duin (SPD). Er habe es verstanden, aus dem väterlichen Kleinbetrieb einen international erfolgreichen Konzern zu machen und sei sich dabei als Familienunternehmer stets treugeblieben.

Kommentare (3)

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15.10.2013, 14:50 Uhr


Siehe Klotz, Drögel-Riegel:
http://www.youtube.com/watch?v=JFLiCa8KG40

Account gelöscht!

15.10.2013, 14:58 Uhr

Danke für viele süße Geschmackserlebnisse. Darauf eine Lakritzschnecke.

Account gelöscht!

15.10.2013, 15:40 Uhr

Darauf ein Gummibärchen, alter Rasierschaumschläger ;-)

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