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23.01.2011

11:29 Uhr

Heraeus

Die Globalisierung rechtzeitig als Chance genutzt

VonSusanne Schier

Die Produkte von Heraeus sind heute aus vielen Bereichen kaum mehr wegzudenken. Über Generationen hinweg hat die Gründerfamilie stets die Weichen richtig gestellt – und das oft genau zum richtigen Zeitpunkt.

Gut wer hier einen Electro-Nite Schutzhelm aufhat. Power by Heraeus. Heraeus

Gut wer hier einen Electro-Nite Schutzhelm aufhat. Power by Heraeus.

HANAU. Schicker Nadelstreifenanzug, aufrechte Haltung und ein freundliches Lächeln – Jürgen Heraeus präsentiert sich professionell an diesem Nachmittag im Dezember. Doch je länger Filmdreh und Fotoshooting dauern, desto ungeduldiger wird der Aufsichtsratschef von Deutschlands bekanntestem Edelmetall- und Technologiekonzern. „Das dauert ja fast so lange wie die Fototermine für unsere Geschäftsberichte“, nörgelt er. Schließlich ist heute Nikolaus. Der 74-Jährige will schnell nach Hause. Seine sieben Enkel warten sicher schon sehnsüchtig auf ihre Geschenke.

Jürgen Heraeus ist von ganzem Herzen Familienunternehmer – mit Betonung auf dem Wort Familie. Er ist es, der die Heraeus-Holding mit ihren heute über 190 Familiengesellschaftern zusammenhält. Gemeinsam mit seiner Frau Beate, die Feste und Workshops für den ganzen Clan organisiert, sorgt er dafür, dass das Klima stimmt. Das ist sein Rezept für den Erfolg.

Jürgen Heraeus’ Weg in die Firma zeichnet sich früh ab: „Es gibt Schlimmeres, als ein gut geführtes Familienunternehmen zu übernehmen“, sagt er. Die Mutter empfiehlt ihm ein Jurastudium. Doch der Vater gibt ihm auf den Weg, dass er die Zahlen des Unternehmens verstehen müsse. Letztendlich schließt Jürgen Heraeus das BWL-Studium als Zweitbester seines Jahrgangs ab. 1963 promoviert er in München. Danach verbringt er fast zwei Jahre bei verschiedenen Tochtergesellschaften von Heraeus in den USA.

Die Geschichte des Konzerns selbst geht weiter zurück: 1851 übernimmt Wilhelm Carl Heraeus die Einhorn-Apotheke seines Vaters in Hanau. Von diesen Anfängen zeugt heute in der Nürnbergerstraße 41 nur noch das Einhorn, das unauffällig zwischen einem Reisebüro und einem Schuhladen über dem ehemaligen Eingang zur Apotheke thront. Kurz nach der Firmengründung zeigt sich Wilhelm Carl Heraeus’ Erfindernatur. Er schafft es, Platin im industriellen Maßstab zu schmelzen. Neben der Schmuckindustrie werden bald auch die Elektro-, Lampen- und Chemiebranchen zu wichtigen Kunden. Heute sind die Produkte von Heraeus aus der modernen Welt nicht mehr wegzudenken: Die Palette reicht von Knochenzementen für Hüftgelenke bis zu Platinkügelchen für Zündelektroden in Automobilen.

Maßgeblich für diesen Erfolg steht Jürgen Heraeus, der 1983 an die Unternehmensspitze rückt. Unter seiner Führung internationalisiert und diversifiziert sich der Konzern. Jürgen Heraeus leitet mutig eine umfassende Neustrukturierung ein und stellt den Konzern auf ein solides Fundament. So gibt er dem Unternehmen 1985 eine Holdingstruktur: Die fünf Geschäftsfelder mit Wachstumspotenzial – Edelmetalle, Sensoren, Dental- und Medizinprodukte, Quarzglas und Speziallichtquellen – ordnet er dezentral operierenden Gesellschaften zu. Heraeus ist zum damaligen Zeitpunkt eines der ersten deutschen Familienunternehmen mit einem solch modernen Holding-Konstrukt. Die mehr als 110 Gesellschaften können noch heute in weiten Teilen selbständig agieren.

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