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17.03.2013

13:19 Uhr

Hess AG

Staatsanwalt weitet Ermittlungen aus

VonAndreas Dörnfelder

Der mutmaßliche Bilanzskandal um den insolventen Leuchtenhersteller Hess zieht immer weitere Kreise. Das Ergebnis des Sondergutachtens ist ein Schlag ins Gesicht der Aktionäre.

Villingen-SchwenningenDie Staatsanwaltschaft Mannheim ermittelt inzwischen gegen 15 Personen, wie ein Sprecher am Freitag mitteilte. Neben den beiden Ex-Managern Christoph Hess und Peter Ziegler sowie weiteren Managern haben die Ermittler nun auch Personen im Visier, die möglicherweise Beihilfe zu Scheinrechnungen geleistet haben. Ein Ende des Verfahrens sei nicht absehbar.

Die Staatsanwaltschaft interessiert sich auch für das Ergebnis der Sonderuntersuchung, das die Hess AG am Donnerstagabend verkündet hat. Dem zufolge seien für 2011 und 2012 Umsätze um insgesamt rund 24 Millionen Euro und Jahresüberschüsse um insgesamt 14 Millionen Euro zu hoch ausgewiesen worden. Unter dem Strich falle für das vergangene Jahre ein Verlust von mindestens 15 Millionen Euro an, teilte der Leuchtenhersteller weiter mit.

Ex-Vorstände Ziegler (l.) und Hess beim Börsengang im vergangenen Herbst.

Ex-Vorstände Ziegler (l.) und Hess beim Börsengang im vergangenen Herbst.

Für die Aktionäre dürfte sich das Ergebnis wie ein Schlag ins Gesicht anfühlen. Denn je mehr Geld einer insolventen Firma fehlt, desto weniger sind potenzielle Investoren tendenziell bereit, das Unternehmen komplett zu übernehmen. Erwirbt ein Käufer nur Teile einer Firma, spricht man von einem so genannten Asset Deal. Die Hess AG könnte am Ende nur noch aus einer Hülle bestehen. Die Aktien drohen dann auf Dauer wertlos zu bleiben. Insolvenzverwalter Volker Grub will das aber verhindern: Ziel sei es, das Unternehmen sehr zeitnah und möglichst als Ganzes zu veräußern.

Derweil geht der Streit zwischen der Hess AG und den beiden wegen der angeblichen Bilanzfälschung entlassenen Vorständen weiter. Christoph Hess und Peter Ziegler erklärten am Freitag erneut, dass ihnen die Einsicht in die Unterlagen verweigert worden sei. Zum Ergebnis der Sonderuntersuchung äußerten sie sich nicht. Die Manager weisen allerdings darauf hin, dass der Jahresabschluss 2011 von den Wirtschaftsprüfern der Karlsruher Kanzlei dhmp uneingeschränkt testiert worden sei. dhmp war am Freitag für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Ein Sprecher der Hess AG wies die Vorwürfe gegenüber Handelsblatt Online zurück: „Die Anwälte von Christoph Hess waren tagelang bei uns im Haus und konnten vollumfänglich die Akten einsehen.“ Außerdem seien die beiden geschassten Vorstände lange genug im Unternehmen gewesen, um die wahren Zahlen zu kennen.

Hess war erst im vergangenen Herbst an die Börse gegangen. Knapp vier Monate nach dem Börsengang musste das Unternehmen Mitte Februar Insolvenz anmelden. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen die Ex-Vorstände sowie weitere Manager wegen des Verdachts der Bilanzmanipulation, Kapitalanlagebetrugs sowie verschiedener Insolvenz-Delikte. Christoph Hess hatte die Anschuldigungen als nicht nachvollziehbar zurückgewiesen.

Kommentare (3)

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Account gelöscht!

17.03.2013, 13:36 Uhr

Welch eine Schande - sperrt sie ein zusammen mit den Bilanzprüfern !!!

Account gelöscht!

17.03.2013, 15:46 Uhr

Gibt es eigentlich noch einen Tag ohne Skandal?
Nein!
Heute gehören Skandale in einer erschreckenden Skandalflut schon zum Alltag.
Pfui !!!

The_Wonderer

17.03.2013, 18:48 Uhr

Ist die Information nicht etwas dürftig um solche Hetztiraden loszulassen? Es weiß doch noch überhaupt niemand, was genau in dem Untersuchungsbericht steht. Und selbst wenn alles wahr wäre... Ein Mehrfaches an Kapital und Wert der Aktionäre ist dadurch vernichtet worden, weil der Aufsichtsrat und der eingesetzte Vorstand Becker so agiert haben, wie sei es getan haben und dabei den Aktienhandel nicht ausgesetzt haben.
Wo war da die Verhältnismäßigkeit der Mittel?

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