Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

23.11.2014

12:30 Uhr

Hidden Champion Hark

Die Orchideen-Kloner

VonKatrin Terpitz

Im westfälischen Lippstadt blüht im Verborgenen der weltgrößte Laborvermehrer für Orchideen. Das Familienunternehmen Hark hat jetzt den Schritt über den Großen Teich gewagt – und hilft den Amerikanern mit einem Trick.

Bei Blumenzüchtern denken viele an einen Gärtner mit Strohhut, aber die Realität findet sich nicht selten in der High-Tech-Produktion in sterilen Laboren. (Foto: Hark Orchideen, Lippstadt)

Bei Blumenzüchtern denken viele an einen Gärtner mit Strohhut, aber die Realität findet sich nicht selten in der High-Tech-Produktion in sterilen Laboren.

(Foto: Hark Orchideen, Lippstadt)

DüsseldorfWenn Sie heute eine blühende Orchidee kaufen – egal ob in der Gärtnerei oder im Baumarkt - dann stammt diese gewiss nicht aus den Tropen, aber mit großer Wahrscheinlichkeit aus dem beschaulichen Lippstadt in Westfalen. Hier sitzt das Familienunternehmen Hark, nach eigenen Angaben Weltmarktführer im Klonen der Exotenblume.

„Bei Blumenzüchtern denken die Leute an einen Gärtner mit Strohhut, aber bei uns finden Sie High-Tech-Produktion in sterilen Laboren“, sagt Anja Hark-Borrmann, geschäftsführende Gesellschafterin. Die 33-Jährige führt das Unternehmen in vierter Generation - zusammen mit ihrem Mann Oliver Borrmann, der ebenfalls aus einer Gartenbauerfamilie stammt.

Die Lehren der Hidden Champions

1. Führung und Ziele

Hidden Champions wissen nicht nur, was sie wollen, sondern haben auch die Willensstärke und Energie, manchmal die Besessenheit, ihre Ziele in Taten umzusetzen. Führung bedeutet, dass sie dieses Feuer in vielen Menschen unterschiedlicher Nationalitäten und Kulturen entzünden.

(Quelle: Hermann Simon, „Hidden Champions des 21. Jahrhunderts“)

2. Hochleistungsmitarbeiter

Hidden Champions schaffen – und profitieren von – Bedingungen, die eine extrem geringe Fluktuation erzeugen. Hochleistung erreicht man nur mit einer Mannschaft, die eine starke Motivation und Identifikation mit dem Unternehmen aufweist. Grundlage hierfür ist die Selektion der richtigen Mitarbeiter.

3. Dezentralisierung

Manche Hidden Champions stoßen mit engen Märkten und hohen Marktanteilen an Wachstumsgrenzen. Sie gehen den Schritt in die Diversifikation. Um ihre traditionellen Stärken nicht zu gefährden, wählen sie die konsequente Dezentralisierung – in der Regel bis hin zu rechtlich eigenständigen Firmen.

4. Fokus

Fokussierung bietet normalerweise die einzige Chance, Weltklasse zu werden. Hidden Champions fokussieren ihre beschränkten Ressourcen besser als andere und bleiben bei dieser Richtung, bis sie die Spitzenposition erreicht haben. Dabei ist die Definition des Spielfelds selbst Bestandteil der Fokussierung.

5. Globalisierung

Nichts verändert die Welt in den nächsten Jahrzehnten stärker als die Globalisierung. Für Unternehmen, die diesen Wandel nutzen, eröffnen sich ungeheure Wachstumschancen. Der Aufbau weltweiter Produktions- und Vertriebssysteme dauert jedoch oft genug mehrere Generationen. Zunächst internationalisieren sich die Umsätze, dann folgt das Personal und als Letztes das Management. Die meisten Hidden Champions stecken mit ihren Strategien und dem Umsetzen in der Praxis mitten in diesem Prozess. Simon: „Um die Chancen zu nutzen, muss man seine nationalen Beschränkungen ablegen und große Ausdauer mitbringen.“

6. Innovation

Die meisten Hidden Champions planen massive Innovationsaktivitäten. Sie integrieren dabei Markt und Technik als gleichwertige Antriebskräfte. Diese Ausgewogenheit gelingt nur wenigen Großunternehmen. Innovation ist in erster Linie eine Frage von Kreativität und Qualität – keineswegs nur eine Sache des Geldes.

7. Kundennähe

Kundenorientierung ist für den Erfolg der Hidden Champions wichtiger als Wettbewerbsorientierung. Die langjährige Kundenbeziehung ist ihre größte Stärke. Denn es gilt: Hochleistung für Kunden führt automatisch zu Wettbewerbsvorteilen. Simon: „Topkunden ähnlich wie Topkonkurrenten als Leistungstreiber einsetzen.“

Hochkonzentriert arbeiten rund 700 Angestellte, überwiegend Frauen in weißen Laborkitteln, mit Pinzette und Skalpell im Zwei-Schicht-Betrieb. Die Firma Hark ist im letzten Jahrzehnt rapide gewachsen. 2001 hatte sie erst rund 30 Beschäftigte. In Laboren auf einer Fläche so groß wie zweieinhalb Fußballfelder werden heute Millionen von Orchideen in sterilen Plastikbechern vermehrt.

Die Zucht von Orchideen ist kompliziert und langwierig. Schließlich lässt sich die „Königin der Blumen“ nicht einfach durch Stecklinge vermehren wie Geranien. Ende der 40er-Jahre entdeckte Fritz Hark seine Leidenschaft für Orchideen. Er hatte den 1904 gegründeten Gartenbaubetrieb für Gemüse und Schnittblumen vom Vater, Fritz senior, übernommen. Der Orchideenliebhaber tüftelte an deren Vermehrung, nahm Kontakt zu Botanikern auf und wurde zum Pionier für das Klonen der Exoten. Mitte der 80er-Jahre spezialisierte sich dessen Sohn Fritz in dritter Generation ganz auf die Labormassenvermehrung – hauptsächlich der Schmetterlingsorchidee (Phalaenopsis).

Wie funktioniert das „Klonen“ von Orchideen? Aus Stammzellen in den Wachstumsknoten der Blütentriebe lassen sich Blumen in beliebigen Mengen identisch vermehren. Da die Pflänzchen verletzt werden, damit sie Seitentriebe ausbilden, brauchen sie eine absolut sterile Umgebung. Die Harks entwickelten über die Jahre ein optimales künstliches Nährmedium, auf denen Pflanzen Seitentriebe bilden, die dann zur Massenvermehrung genutzt werden.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×