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16.09.2014

10:54 Uhr

Hidden Champion Wilo

Von Pumpen und Pionieren

VonRegine Palm

Der Maschinenbauer Wilo aus Dortmund profitiert von der Energiewende und vom weltweit steigenden Wasserbedarf. Sein Stammwerk baut er kräftig aus und erschließt neue Märkte in Südamerika und in Afrika.

Die kleinste Pumpe im Wilo-Werk misst gerade einmal 30 Zentimeter, die größte kommt auf 15 Meter und wird in Kraftwerken verwendet. dpa

Die kleinste Pumpe im Wilo-Werk misst gerade einmal 30 Zentimeter, die größte kommt auf 15 Meter und wird in Kraftwerken verwendet.

DortmundEs ist ein historisch geprägtes Gebiet – bislang eher mit schlechten als mit guten Erinnerungen verbunden. Doch im Schatten des denkmalgeschützten Hoesch-Gasometers im Dortmunder Süden verbirgt sich ein deutsches Vorzeigeunternehmen: der Pumpenspezialist Wilo. Anders als der einst weit über die Grenzen hinaus bekannte Stahlkocher, der 1991 mit der feindlichen Übernahme durch Thyssen-Krupp quasi Geschichte wurde, herrscht bei Wilo seit langem Aufbruchstimmung. Der Hauptsitz des Unternehmens wird gerade kräftig ausgebaut – das ist auch ein klares Bekenntnis zum Ruhrgebiet.

„Wir glauben an die Stärke der Region“, versichert Oliver Hermes, Vorstandsvorsitzender von Wilo, dem Handelsblatt. „Und wir investieren als eines der wenigen Unternehmen in das produzierende Gewerbe.“

Wilo gehört zu den weltweit führenden Anbietern von High-Tech-Pumpensystemen, die überall da gebraucht werden, wo Wasser bewegt wird. Die kleinste Pumpe im Werk misst gerade einmal 30 Zentimeter, die größte kommt auf 15 Meter und wird in Kraftwerken verwendet. Zu den Kunden gehören Heizungsbauer wie Vaillant und Stiebel-Eltron, die die Pumpen beispielsweise in ihre Boiler einbauen. Viele Menschen wissen aber nicht einmal, dass sie Wilo-Produkte bereits in ihrem eigenen Haus haben.

Sieben Lehren der Hidden Champions

1. Führung und Ziele

Hidden Champions wissen nicht nur, was sie wollen, sondern haben auch die Willensstärke und Energie, manchmal die Besessenheit, ihre Ziele in Taten umzusetzen. Führung bedeutet, dass sie dieses Feuer in vielen Menschen unterschiedlicher Nationalitäten und Kulturen entzünden.

(Quelle: Hermann Simon; "Hidden Champions des 21. Jahrhunderts")

2. Hochleistungsmitarbeiter

Hidden Champions schaffen - und profitieren von - Bedingungen, die eine extrem geringe Fluktuation erzeugen. Hochleistung erreicht man nur mit einer Mannschaft, die eine starke Motivation und Identifikation mit dem Unternehmen aufweist. Grundlage hierfür ist die Selektion der richtigen Mitarbeiter.

3. Dezentralisierung

Manche Hidden Champions stoßen mit engen Märkten und hohen Marktanteilen an Wachstumsgrenzen. Sie gehen den Schritt in die Diversifikation. Um ihre traditionellen Stärken nicht zu gefährden, wählen sie die konsequente Dezentralisierung - in der Regel bis hin zu rechtlich eigenständigen Firmen.

4. Fokus

Fokussierung bietet normalerweise die einzige Chance, Weltklasse zu werden. Hidden Champions fokussieren ihre beschränkten Ressourcen besser als andere und bleiben bei dieser Richtung, bis sie die Spitzenposition erreicht haben. Dabei ist die Definition des Spielfelds selbst Bestandteil der Fokussierung.

5. Globalisierung

Nichts verändert die Welt in den nächsten Jahrzehnten stärker als die Globalisierung. Für Unternehmen, die diesen Wandel nutzen, eröffnen sich ungeheure Wachstumschancen. Der Aufbau weltweiter Produktions- und Vertriebssysteme dauert jedoch oft genug mehrere Generationen. Zunächst internationalisieren sich die Umsätze, dann folgt das Personal und als Letztes das Management.

Die meisten Hidden Champions stecken mit ihren Strategien und dem Umsetzen in der Praxis mitten in diesem Prozess. Simon: "Um die Chance zu nutzen, muss man seine nationalen Beschränkungen ablegen und große Ausdauer mitbringen."

6. Innovation

Die meisten Hidden Champions planen massive Innovationsaktivitäten. Sie integrieren dabei Markt und Technik als gleichwertige Antriebskräfte. Diese Ausgewogenheit gelingt nur wenigen Großunternehmen. Innovation ist in erster Linie eine Frage von Kreativität und Qualität - keineswegs nur eine Sache des Geldes.

7. Kundennähe

Kundenorientierung ist für den Erfolg der Hidden Champions wichtiger als Wettbewerbsorientierung. Die langjährige Kundenbeziehung ist ihre größte Stärke. Denn es gilt: Hochleistung für Kunden führt automatisch zu Wettbewerbsvorteilen. Simon: "Topkunden ähnlich wie Topkonkurrenten als Leistungstreiber einsetzen."

Den Antrieb der Pumpen baut Wilo selbst und ist so einer der größten Hersteller von Elektromotoren in Europa. Weltweit beschäftigt das Unternehmen mehr als 7.000 Mitarbeiter in über 60 Produktions- und Vertriebsgesellschaften. Wilo profitiert von Megatrends wie dem Drang der Menschen in die Städte oder dem weltweit steigenden Wasserbedarf. Zentrale ist und bleibt aber Dortmund. Der Standort wird mit 30 bis 50 Millionen Euro modernisiert – das ist viel für die einstige Bergbauregion. Das Bauvorhaben soll bis 2020 abgeschlossen sein.

Wilo wurde an gleicher Stelle 1872 von Caspar Ludwig (Louis) Opländer gegründet – ein Jahr später als Hoesch. Damals firmierte das Unternehmen noch unter Kupfer- und Messingwarenfabrik und fertigte Destillerieanlagen für die Getränkeindustrie. Sein Ruf als Innovationsführer leitet sich aus der Historie ab: Schon 1928 entwickelte das Unternehmen die erste Heizungspumpe der Welt. 2001 brachte Wilo die erste Hocheffizienzpumpe der Welt auf den Markt, 2009 das erste dezentrale Pumpensystem.

Heute ruht das Geschäft auf drei Säulen: Gebäudetechnik, Wasserwirtschaft und industrielle Anwendungen, etwa in der Metallverarbeitung und im Energiesektor. Zurzeit treibt Wilo-Chef Hermes vor allem die Serviceorientierung und die Abstimmung auf die Kundenbedürfnisse voran.

„Wir sind kein reiner Komponentenhersteller, sondern entwickeln uns immer mehr zum Systemanbieter“, betont der Wilo-Chef. Das sei wichtig, weil auch die asiatischen Pumpenhersteller stärker würden. Daher reiche es nicht, die neuesten und innovativsten Produkte zu haben, sondern es müsse Mehrwert für die Kunden geschaffen werden. „Nicht nur in den reifen Märkten, sondern auch in den Emerging Markets wird es immer wichtiger, einen starken Service zu haben“, erklärt Hermes.

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