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31.05.2017

14:38 Uhr

High-Tech Gründerfonds

Starthilfe für die ganz frühe Phase

VonMiriam Schröder

Die Bundesregierung und die deutsche Wirtschaft unterstützen gemeinsam Start-ups. Ihr High-Tech-Gründerfonds hat sich in der Szene etabliert. Nun sollen besonders Firmen in der ganz frühen Phase gefördert werden.

Der High-Tech Gründerfonds unterstützt junge Unternehmen.

Start-ups

Der High-Tech Gründerfonds unterstützt junge Unternehmen.

BonnDer High-Tech Gründerfonds (HTGF) hat einen neuen Fonds aufgelegt, um junge Start-ups in der ganz frühen Phase zu finanzieren. 245 Millionen Euro sind bereits eingesammelt, „Zielgröße sind 300 Millionen“, sagt Michael Brandkamp, einer der beiden Geschäftsführer. 70 Prozent des Geldes stammt von der Bundesregierung und der Staatsbank KfW, der Rest kommt von Konzernen wie SAP, BASF oder Bosch, aber auch von Mittelständlern und Familienunternehmen wie Haniel, Quiagen, Vector Informatik oder Knauf.

Insgesamt haben 26 Unternehmen in den neuen Fonds investiert. Fast alle von ihnen sind an diesem Mittwoch zum „Family Day“ gekommen, wie der Fonds seine Jahreskonferenz nennt. In Bonn treffen die Start-ups auf potenzielle Investoren oder Kunden. In diesem Jahr sind mehr als tausend Gäste gekommen. Neben Gründern sind es vor allem Vertreter von Investoren wie Project A, Capnamic Ventures oder DvH Ventures, die sich hier treffen. In der deutschen Wagniskapital-Szene hat der Staatsfonds keine unbedeutende Rolle inne.

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Ins Leben gerufen wurde der High-Tech Gründerfonds vor zwölf Jahren, nach dem Platzen der New-Economy-Blase, als kaum jemand in Deutschland mehr in Start-ups investieren wollte. Ziel war es, „die Innovationen aus der Wissenschaft zu bringen“, sagt Michael Brandkamp, der damals den Business-Plan geschrieben hat. Mittlerweile hat der HTGF in über 450 Start-ups investiert. Er ist damit auch heute noch mit Abstand der größte Frühphaseninvestor des Landes.

Brandkamp und sein Partner Alexander von Frankenberg investieren in einer Phase, in der die meisten Investoren lieber noch abwarten. Martin Schaffer beispielsweise war Promotionsstudent an Uni Jena, als er gemeinsam mit seinen drei Mitgründern eine Technologie für präzise und schnelle 3-D-Vermessungen entwickelte, die heute in der Qualitätskontrolle von großen Industrieunternehmen zum Einsatz kommen. Sie hatten keine Kunden, keinen Umsatz, und kein Produkt, als der HTGF ihnen 500.000 Euro für eine Beteiligung von 15 Prozent anbot. Einen privaten Investor hätte er zu diesem Zeitpunkt nicht gefunden, sagt Schaffer. „Alles, was wir vorzeigen konnten, war ein Laboraufbau, so ein hingeschusseltes Ding, das kauft dir keiner ab.“

Nur eineinhalb Jahre nach dem Einstieg des HTGF fand sich ein Käufer für Schaffers Start-up: das amerikanische Unternehmen Cognex. 60 Prozent der verkauften Start-ups gingen an mittelständische Unternehmen, sagt Brandkamp. Die Käufer kämen nicht nur, aber auch aus dem Kreis der Fonds-Investoren. Viele von ihnen haben längst eigene Start-up-Initiativen ins Leben gerufen, sie investieren direkt oder über ihre eigenen Fonds in junge Unternehmen.

Der Hightech-Gründerfonds dient für sie als eine Art Filter, der die Spreu vom Weizen trennt. „Wir investieren in Unternehmen, die einen gewissen Reifegrad erreicht haben“, sagt Markus Solibida von BASF. Es sei wichtig, dass der HTGF die Gründer in den Phasen davor unterstütze – damit sie überhaupt so weit kommen.

Andere fangen aber auch gerade erst an: „Wir üben noch“, sagt Helmut Schelling, Gründer von Vector Informatik, das vor 29 Jahren selbst ein IT-Start-up war. Heute, gibt der Schwabe unumwunden zu, sei man „in gewissen Bahnen drin“ und wünsche sich Input von außen. „Vom HTGF bekommen wir, was wir noch nicht wissen“, sagt Ulrich Schriek von Quiagen. Der DNA-Spezialist aus Hilden lässt sich von den Start-ups auch schon mal bei der Entwicklung seines Webshops beraten.

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