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27.10.2015

15:54 Uhr

Höchster Stand seit 2008

Deutsche Mittelständler investieren kräftig

Die Zinsen sind niedrig, die Zuversicht steigt: Deutschlands Mittelstand investiert wieder mehr und könnte sogar das Vorkrisenniveau knacken. Die Mittelständler sind nach wie vor Deutschlands wichtigster Jobmotor.

Die EZB hat die Zinsen auf Rekordniveau gesenkt und damit die Kreditfinanzierung erleichtert. dpa

Der deutsche Mittelstand investiert

Die EZB hat die Zinsen auf Rekordniveau gesenkt und damit die Kreditfinanzierung erleichtert.

FrankfurtDer deutsche Mittelstand glaubt nach einer Studie der Förderbank KfW zunehmend an einen robusten Aufschwung in Deutschland und Europa. Das zeige sich an den Investitionen, die 2014 mit einem Plus von 6 Prozent auf 202 Milliarden Euro stiegen und damit den höchsten Stand seit 2008 erreicht haben, sagte KfW-Chefvolkswirt Jörg Zeuner bei der Vorlage einer repräsentativen Umfrage unter Mittelständlern am Dienstag in Frankfurt.

„Besonders erfreulich ist: Die Unternehmen investieren wieder verstärkt in Erweiterungen – ein deutliches Zeichen für die Vertrauenszunahme.“ Auch 2015 dürfte sich der Aufschwung bei den Investitionen der kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) fortsetzen, betonte Zeuner: „Das Vorkrisenniveau von 204 Milliarden Euro aus dem Jahr 2007 kann in diesem Jahr überschritten werden.“

Damit reagierten die kleinen Unternehmen „zu Recht auf die Stärke der Inlandsnachfrage“. Zudem wirke die extrem lockeren Geldpolitik der Europäischen Zentralbank stimulierend. Die EZB hat die Zinsen auf Rekordniveau gesenkt und damit die Kreditfinanzierung erleichtert.

Diese Branchen sind fest in Familienhand

Bau

Im Baugewerbe sind drei Viertel aller Betriebe im Familienhand. Wie wichtig diese im großen Maßstab sind zeigt die Firma Goldbeck aus Bielefeld: 2014 erwirtschafteten sie einen Umsatz von 1,57 Milliarden und waren damit das sechstgrößte Bauunternehmen Deutschlands.

Quelle: Studie des Institut für Mittelstandsforschung (IfM) Bonn, Februar 2015

Handel

Ein weitere Kernbranche der Familien ist der Handel: Sie stellen knapp 70 Prozent aller großen Unternehmen. Vor allem die Lebensmittelhändler wie die Schwarz-Gruppe (Lidl, Edeka) oder die Rewe-Group dominieren mit Umsätzen von jenseits der 70 beziehungsweise 50-Milliarden-Euro-Grenze.

Verarbeitendes Gewerbe

Rang Drei der Branchen mit den meisten familiengeführten Unternehmen ist das verarbeitende Gewerbe, die zu 69,3 Prozent von Inhabern geführt wird. Zum verarbeitenden Gewerbe zählen unter anderem die Schwerindustrie oder die chemische Industrie. Ein Beispiel ist die Firma Würth, die mit seiner Produktion von Schrauben bekannt wurde.

Gastgewerbe

Das Gastgewerbe ist traditionell stark in Familienhand. Heute ist das noch bei zwei Drittel aller Betriebe der Branche der Fall. So betreibt etwa die Münchner Kuffler Gruppe deutschlandweit über 40 Restaurants.

Wirtschaftliche Dienstleistungen

Immer noch 59 Prozent der sonstigen wirtschaftlichen Dienstleistungen werden von Familien gesteuert. Unter die schwammige Kategorie fallen beispielsweise die Vermietung von Fahrzeugen, die Überlassung von Arbeitskräften oder auch Reisebüros.

Freiberufler, Wissenschaftler, Techniker

Die nächste breite Kategorie im Ranking sind die freiberuflichen, wissenschaftlichen und technischen Dienstleistungen. Mehr als die Hälfte (56,4 Prozent) dieser Firmen werden von Familien geführt.

Verkehr und Lagerei

Etwa 53 Prozent der großen Verkehrsunternehmen werden von Familien geführt. Dazu gehört unter anderem die Logistikbranche mit Firmen wie Kühne und Nagel, Dachser oder Rhenus.

Grundstücks- und Wohnungswesen

Genau die Hälfte aller großen Immobilienunternehmen sind Familienunternehmen. Dominiert wird die Immobilienbranche zwar von großen Unternehmen wie Deutsche Annington oder Deutsche Wohnen. In der Breite führen aber noch viele Familien die Geschäfte in dieser Branche.

Ein Wermutstropfen ist allerdings, dass sich die Investitionen auf immer weniger Unternehmen konzentrieren. Nach den Zahlen des KfW-Mittelstandspanels, das Unternehmen bis zu 500 Millionen Euro Jahresumsatz erfasst, hatte 2014 mehr als die Hälfte der KMU gar keine Projekte in Planung, der Anteil der Mittelständler mit Investitionsprojekten sank um 1,3 Prozentpunkte auf 42 Prozent.

Ihren Umsatz steigerten die Mittelständler im vergangenen Jahr um 3,3 Prozent (2013: +1,9 Prozent), vor allem in außereuropäischen Märkten büßten sie aber Boden ein: Die Auslandserlöse fielen nach den Angaben um zwei Prozent – obwohl die deutschen Exporte insgesamt um 3,7 Prozent stiegen. „Für KMU bleibt die Internationalisierung über die europäischen Grenzen hinaus eine große Herausforderung“, sagte Zeuner.

Das Umsatzplus wirkte sich auch positiv auf die Profitabilität der Unternehmen aus: Die durchschnittliche Umsatzrendite der mittelständischen Unternehmen erhöhte sich nochmals um 0,3 Prozentpunkte auf 7,0 Prozent, die Betriebe waren demnach so profitabel wie noch nie.

Gleichzeitig bleibt der Mittelstand Deutschlands wichtigster Jobmotor. Während 2014 in Großunternehmen und im öffentlichen Sektor rund 350.000 Menschen mehr beschäftigt waren als 2013, stieg die Zahl der Beschäftigten in kleinen und mittelgroßen Unternehmen (KMU) um rund 509.000 auf 29,1 Millionen, heißt es in der Studie: „Die kleinen und mittleren Unternehmen tragen somit einen Anteil von 68,1 Prozent der Erwerbstätigkeit in Deutschland.“

Von

dpa

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