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07.07.2012

13:51 Uhr

Höhere Kreditkosten

Mittelstand leidet unter Bankenregulierung

VonUlf Sommer

Die Politik will die Banken kontrollieren. Doch wenn die Geldinstitute mehr Eigenkapital vorweisen müssen, verteuern sich die Kreditkosten für die Unternehmen. Besonders kleine Firmen müssen dann höhere Zinsen fürchten.

Die Regulierung trifft nicht nur die Banken, sondern auch den Mittelstand. dpa

Die Regulierung trifft nicht nur die Banken, sondern auch den Mittelstand.

DüsseldorfEs war in guter Absicht: Nach der Immobilien- und Bankenkrise haben die 20 großen Industriestaaten und die EU-Kommission zwei Dutzend neue Vorschriften auf den Weg gebracht. Alle verfolgen das Ziel, eine Wiederholung der Finanzkrise von 2008, als die Investmentbank Lehman pleiteging, zu verhindern. Die Regierungen wollen Banken kontrollieren und sie zwingen, mehr Eigenkapital vorzuhalten.

Nicht bedacht haben die Politiker vermutlich, dass andere die Rechnung bezahlen müssen. Denn Leidtragende sind die Konsumenten und Unternehmen, denen die Banken die künftigen Mehrkosten weiterreichen werden.

Die Auswirkungen der Regulierung sind gravierend. Das zeigt eine dem Handelsblatt exklusiv vorliegende Untersuchung von Christoph Kaserer, Professor für Finanzmanagement und Kapitalmärkte an der Technischen Universität München, in Zusammenarbeit mit der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw).

Das Ergebnis: Eigen- und Fremdkapitalfinanzierungen werden sich verteuern, die Kreditkosten werden steigen.

Wenn sich die Finanzinstitute verpflichten, künftig höhere Eigenkapitalquoten und Liquiditätspolster auszuweisen, dürften sich laut Studie die Refinanzierungskosten für die europäischen Banken im Durchschnitt um 0,3 bis 0,5 Prozentpunkte erhöhen. Dabei unterstellt Kaserer, dass die Banken eine Kernkapitalquote von elf bis 14,5 Prozent vorhalten. Weiterer Bedarf entsteht aus dem neuen Restrukturierungsgesetz, wonach alle Kreditinstitute jährlich ihren Obolus in einen Krisenfonds einzahlen müssen. Das dürfte die Firmen weitere 0,3 Prozentpunkte kosten.

„Allein aus diesen beiden Initiativen werden den Unternehmen jährlich rund fünf Milliarden Euro zusätzliche Kreditkosten entstehen“, sagt Kaserer. Dabei unterstellt er ein Gesamtvolumen an inländischen Unternehmenskrediten von rund einer halben Billion Euro. Diese Zahl lässt sich aus der Bundesbank-Statistik über die Kredite aller inländischen Firmen errechnen. Dabei sind Darlehen aller Selbstständigen und Hypothekenkredite nicht einbezogen.

Die zwei Neuregelungen sind Kern der Regulierung der Finanzmärkte. Doch es gibt 20 weitere Vorhaben, um die Banken stärker an den Risiken zu beteiligen. Dazu gehören höhere Einlagensicherungen, die Finanztransaktionssteuer und die europäische Aufsichtsbehörde. Ziel ist es, die Finanzmärkte zu stabilisieren, den Schutz der Anleger zu verbessern und die öffentlichen Haushalte zu entlasten, indem der Staat in neuen Krisen in ferner Zukunft nicht mehr für systemrelevante Finanzinstitute haften muss.

Kommentare (2)

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prof@haraldhau.com

07.07.2012, 14:52 Uhr

Wieder mal ein Journalist der nichts weiss ueber die Kosten von Bankkapital. Zur Aufklaerung lesen Sie bitte:
http://papers.ssrn.com/sol3/papers.cfm?abstract_id=1669704

Hermann.12

07.07.2012, 15:07 Uhr

Letztlich ist eine höhere Eigenkapitalquote gar nicht erforderlich. das Problem besteht doch in der mangelnden Werthaltigkeit der Besicherung.
Und das vor allem deswegen, weil durch komplizierte Finaninstrumente und staatliche Garantieversprechen deren wahres Risiko verschleiert wurde.
Es genügt also auf der Sicherheitenseite mehr Transparenz zu und weniger staatliche Marktmanipulationen zu fordern.
Und Papiere, die Risken verschleiern von der Genehmigung auszuschließen.
Das sind alles Probleme aufsichtsrechtlichen Versagens, meistens politisch motiviert. Bezogen auf Deutschland eine direkte Folge der inkompetenten Deregulierung der Rot/Grünen Regierung unter Schröder und derne fortschreibung durch alle Folgeregierungen.

H.

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