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22.10.2014

17:39 Uhr

Hoher Konkurrenzdruck

Mittelständische Modefirmen verdienen kaum Geld

VonGeorg Weishaupt

ExklusivViele kleinere deutsche Modeunternehmen sind der Konkurrenz durch Zara und H&M nicht gewachsen. Laut einer Studie verdienen die Firmen immer weniger Geld. Die Karstadt-Pleite erschwert die Lage noch.

Strenesse in Schieflage: Der Modehersteller musste im April Insolvenz anmelden. dpa

Strenesse in Schieflage: Der Modehersteller musste im April Insolvenz anmelden.

DüsseldorfViele kleinere deutsche Modeunternehmen verdienen immer weniger Geld. Der durchschnittliche Anteil des Gewinns vor Zinsen und Steuern am Umsatz bei deutschen Bekleidungsherstellern ist allein zwischen 2010 und 2012 von 7,5 auf 4,2 Prozent gesunken. Ein Fünftel aller deutschen Modefirmen hatte 2012 einen operativen Verlust. „2013 sah es tendenziell nicht besser aus“, sagt Andreas Kreutzer von der Unternehmensberatung Kreutzer Fischer & Partner aus Wien. Sie hat die Zahlen der deutschen Modebranche in einer Studie analysiert, die dem Handelsblatt exklusiv vorliegt.

Die Gründe für die Schieflage: Viele kleinere Unternehmen können in dem Preiskampf mit Modeketten wie Zara und H&M nicht mithalten. Die großen Konzerne produzieren viel höhere Stückzahlen als die Mittelständler und verkaufen ihre Hosen, Röcke und Hemden in eigenen Shops, also mit einer größeren Gewinnspanne. Außerdem haben sich viele Modefirmen wie Strenesse nach erfolgreichen Jahren übernommen. Sie haben ihre Kollektionen zu sehr ausgedehnt, statt sich auf eine Marktnische zu beschränken. „Jede Marke mit einem Umsatz um die 50 Millionen Euro, die auf ein breites Sortiment setzt, hat keine Überlebenschancen“, sagt Franz Maximilian Schmid-Preissler, Chef der gleichnamigen Strategieberatung.

H&M, Primark und Zara im Zahlenvergleich

Umsatz

Primark:
5,2 Mrd. Euro, Anstieg im Vorjahresvergleich: 22 %

H&M:
16,4 Mrd. Euro, Anstieg im Vorjahresvergleich: 6 %

Inditex (Zara):
16 Mrd. Euro, Anstieg im Vorjahresvergleich: 15 %

Gewinn vor Steuern

Primark:
626 Mio. Euro, Anstieg im Vorjahresvergleich: 44 %

H&M:
2,5 Mrd. Euro, Anstieg im Vorjahresvergleich: 1 %

Inditex (Zara):
3,1 Mrd. Euro, Anstieg im Vorjahresvergleich: 22 %

Filialen

Primark:
270, in Deutschland: 12

H&M:
3.100, in Deutschland: 400 (sämtliche Marken)

Inditex (Zara):
6000, in Deutschland: 91 (sämtliche Marken)

Beschäftigte

Primark:
53.000

H&M:
116.000

Inditex (Zara):
120.000

(Hinweis: Bei Primark und H&M beziehen sich sämtliche Zahlen auf das Geschäftsjahr 2013, bei Inditex (Zara) auf das Jahr 2012)

Die Krise wird dadurch verschärft, dass klassische Vertriebswege wie die Warenhäuser wegbrechen. So stehen bei Karstadt rund 30 Filialen auf dem Prüfstand. Wenn diese schließen sollten, würde dies die Modebranche treffen. Denn der Warenhauskonzern hält nach Berechnungen von Kreutzer Fischer & Partner in Deutschland einen Marktanteil von rund 14 Prozent bei Bekleidung. Und viele Mittelständler mit Umsätzen zwischen 20 bis 100 Millionen Euro verkaufen einen Großteil bei Karstadt.

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